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Re:GLL-07: Wozu Akteur-Netzwerk-Theorie? by Peter Flucher — zuletzt verändert: 16.09.2011 09:15

Danke für den Hammerschlag.

GLL-05: Unbestreitbare versus umstrittene Tatsachen by Jonas — zuletzt verändert: 20.04.2011 17:08

Auf die Frage, ob das in der Folge nochmal jemand liest: Definitiv. Ich acker mich gerade durch das Buch und bin ob der ganzen Anmerkungen, Gedanken und Querverweise aber mal derartig dankbar!

Re:Writers' Workshop am LLL-Dissertationskolleg by uwespangler — zuletzt verändert: 26.01.2011 15:18

Hallo Herr Baumgartner:

Ich habe hier noch einige Überlegungen zusammengefasst: http://distancevselearning.wordpress.com/2011/01/26/supergosh-ii/

Gruss
Uwe Spangler

Re:Writers' Workshop am LLL-Dissertationskolleg by reinmann — zuletzt verändert: 25.01.2011 08:08

Lieber Peter,

was du ausführlich beschreibst, deckt sich weitgehend mit unseren Erfahrungen aus letztlich neun (drei-mal-drei) Writers´ Workshops von Oktober bis Dezember 2010. Leider liegen bei mir die dazu erhobenen Daten noch rum - ich habe sie gesichtet und geordnet, aber jetzt muss man sehen, wann und wie wir das ordentlich auswerten. Auch ich sehe diese Schreibwerkstätten als eine sehr fruchtbare ZUSÄTZLICHE Form der Begleitung von Dissertationen an und kann nach einem ersten Screening der Daten sagen, dass sich mein persönlicher Eindruck auch dort wiederfindet: Neben einigen Kleinigkeiten war das auch bei uns in München ein Erfolg.

Ganu wichtig bei deiner Reflexion eurer Erfahrungen war für mich folgende Passage:

"Mit unserer Sprache konstruieren wir Realität, d.h. dass der Aufbau, die Struktur und die Form der Darstellung der Forschungsergebnisse selbst einen inhaltlichen Aspekt der Dissertation darstellen. Wie stichhaltig und überzeugend ein Argument ist, hängt nicht nur von seinem logischen Aufbau, sondern auch von der Präsentation der stützenden Belege sowie der Vermittlungsschritte der daraus gezogenen Schlussfolgerungen ab. Es ist nicht bloß ein "Aufschreiben" bzw. "Niederschreiben" von Ergebnissen. Die detaillierte Auseinandersetzung mit den zur Verfügung stehenden sprachlichen und anderen Mitteln der Präsentation (Tabelle, Grafik, Bild etc.) hat selbst eine inhaltliche Komponente."

Es fällt nicht nur Studierenden, sondern auch vielen Doktoranden schwer zu verstehen, dass es gerade in der letzten Phase der Dissertation nicht "einfach nur darum geht, jetzt alles runterzuschreiben". Mir stellen sich immer die Haare auf, wenn das jemand sagt (und ich höre den Satz oft). Der Schreibprozess ist immer auch ein Denkprozess, aber das zu vermitteln ist SEHR schwer. Die Writers´ Workshops, so mein Eindruck, haben gut dabei geholfen, bei einigen (aber auch nicht bei allen, füchte ich) genau diese Erkenntnis zu unterstützen. :-)

Gabi

Re:Den Faden wieder aufnehmen by reinmann — zuletzt verändert: 27.07.2010 17:24

Lieber Peter,

ich gebe dir einerseits Recht: Management und Forschung (vielleicht sollte man als Drittes noch die Lehre hinzufügen) sind wohl in gewisser Weise zwei (bzw. drei) unterschiedliche Schwerpunkte mit entsprechend unterschieldlichen "Karrieren" in der Wissenschaft. Andererseits denke ich, dass das, was du jetzt an deiner Situation relativ extrem zeigst (besondere Position der DUK, deines Departments etc.), auch ein genereller Trend ist, an dem viele Hochschullehrer sich gerade die Zähne ausbeißen: Man soll ALLES leisten, alles bitte "exzellent" und dann auch noch so, dass es sich gut nach außen "verkaufen" lässt. Daraus folgt, dass man irgendwie versuchen muss, diese Dinge entweder besser miteinander zu verzahnen (aber zu welchem Preis?), oder - wie du das jetzt planst - bewusst ! Akzente zu setzen. Ich habe allerdings die Befürchtung, dass so etwas mittelfristig hochschulpolitisch ausgenutzt wird und man dann auf der einen Seite die impact-starken Forscher päppelt, auf der andere Seite die gewinnorientierten Manager in den Himmel lobt und (an letzter Stelle) die Lehr- und Prüfungsknechte zum Abbau doppelter Abiturjahrgänge und anderer Folgen kurzsichtiger Reformen eben so am Leben erhält.

Aber eins ist klar: Aus einer individuellen Perspektive aus betrachtet ist das wohl das einzig Richtige, was du jetzt entschieden hast (nebenbei bemerkt: ich habe in Uni-Büros noch nie sinnvoll arbeiten können und befinde mich dort schon immer nur für Gespräche, Lehre, Prüfungen, Koordnation etc.). Wer mag schon (wenn er denn nicht zwingend muss) in Büros sein Leben verbringen und wer kann da kreative Ideen hervorbringen? ;-) Ich nicht! Produktivität ist sicher nicht vom ArbeitsORT abhängig, sondern von mentaler Präsenz und guten Teams!

Ich wünsche dir jedenfalls, dass du viele deiner Vorsätze ganz lang - und damit bis zur "Pension" - umsetzen kannst! :-)

Gabi

Re:Marillenblüte in der Wachau by lillimarilli — zuletzt verändert: 03.04.2010 11:09

Die Wachauer Marillenblüte könnt ihr gerne Live über unsere Internet Kamera miterleben. http://www.marillengenuss.at/bluete.html

Re:Cyberdemonstration by Sofiechen — zuletzt verändert: 27.01.2010 18:37

Hallo liebe Leute,

Das gibt es jetzt auch in Deutschland! Macht alle mit!

Die große virtuelle Demonstration gegen Schwarz-Gelb.

Ihr findet sie unter jetztausrufezeichen (zusammengeschrieben googlen).

Viele Grüße,

Sofiechen

Re:GLL-07: Wozu Akteur-Netzwerk-Theorie? by Vohle — zuletzt verändert: 13.12.2009 15:59

Kobooko: Bücher erzählen ihre Geschichte

Ich versuche weiter „Anwendungsfälle“ zur ANT-Theorie zu suchen oder Transferideen zu erproben etc. Latour rät davon ab - ich weiß - oder er verbreitet zumindest keine große Hoffnung im Sinne einer klassichen Anwendung der Theorie (siehe das Zwischenspiel). Zu früh aufgeben gilt aber nicht.

Heute habe ich ein tolles Beispiel bei Helge Staetler gefunden, eine „Erfindung“, die gut (wie ich meine) zu den ANT-Kriterien passt. Im Latourtext selber wurden die neuen TECHNOLOGIEN angesprochen, die helfen können, „Spuren“ nachzuzeichnen. Helges Beispiel greift die neuen Technologien auf und verbindet diese mit der japanischen Kobooko Methode. Also, das Beispiel von Helge findet sich hier: http://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_staedtler/wp-upload/Kobooko_v3_web.pdf (unbedingt durchlesen!)

Warum passt Helges Erfindung „Bücher erzählen ihre Geschichten“ nun zu Latour?

"1. Entstehungsstätten besuchen: Der Besuch von Entstehungsstätten beschränkt sich nicht auf Labors, wie es Latour in Laboratory Life vorgezeigt hat. Eine der Vorteile zeitgenössischer Wissenschaft und Technologie ist es, dass wir überall, sozusagen auf Schritt und Tritt, auf Handlungsverläufe, d.h. auf Bewegungen und Prozesse stoßen, wo wir die Entstehung der Tatsachen mitverfolgen können.
2. Wie bei den anderen Unbestimmtheiten stellt Latour eine Liste von 4 Forschungsstrategien zusammen, wie der Prozess des Versammelns (der Assoziation) verfolgt werden kann. Zum Unterschied von den anderen beiden Unbestimmtheiten (Gruppen und menschlichen Handlungsträgern) können nicht selbst reden. Daher müssen spezifische Tricks erfunden werden, damit Dinge in die Lage versetzt werden Beschreibungen ihrer selbst (=Skripte) anbieten."

Mit der Anwendung von Helges Erfindung würde sich auch der Berichts-TYP!!! ändern: von meinem Erstversuch einer subjektiven Beschreibung einer Szene (siehe riskante Berichte) zu einem Skript, indem Akteure, Aktanten, Mittler und Zwischenglieder dislokale Handlungesstränge - hier aus der Perspektive des Buches - „abbilden“ und verdichten.

Frank

Re:Forschungsexzellenz als soziale Konstruktion by baumgartner — zuletzt verändert: 10.12.2009 15:44

Vielen Dank für den Literaturtipp. Soeben bestellt!

Re:Forschungsexzellenz als soziale Konstruktion by muente — zuletzt verändert: 09.12.2009 10:06

Lieber Peter Baumgartner,

Wenn – wie Sie in diesem Beitrag schreiben – die Lektüre von Richard Münchs “Globale Eliten …” für Sie anregend, geradezu erschütternd war, dann gefällt Ihnen womöglich auch das Buch “Globale Immunität oder Eine kleine Kartographie des europäischen Bildungsraums” von Jan Masschelein und Maarten Simons – erschienen bei Diaphanes 2005 (http://tinyurl.com/ybrmhh3). Dieses kleine, m.E. gut lesbare Büchlein versucht, im Anschluss an Foucault (auf den sich ja auch Münch bisweilen bezieht, worauf wiederum Sie hinweisen) und im Anschluss an die ihrerseits an Foucault anschließenden Gouvermentalitäts Studien den neu entstehenden europäischen Hochschulraum zu vermessen. Anders als Münch haben die Autoren dabei insbesondere die darin zunehmend zur Wirkung kommenden Subjektivierungsweisen im Blick, mit denen sich die beteiligten Akteure konfrontiert sehen. Damit stehen u.a. auch Fragen der Selbststeuerung, -kontrolle, -bestimmung und -des Selbstmanagements im Zentrum der Studie. Auch das Portfolio (was ja jüngst in Hamburg unser gemeinsames Thema war) wird auf S. 39 explizit benannt.
Vielleicht haben Sie Freude dran. Mich würde es freuen.

herzlichen Gruß
Stephan Münte-Goussar

Re:GLL-06: Das Verfassen riskanter Berichte by Vohle — zuletzt verändert: 29.11.2009 19:41

Ich habe nun den Latour Text bis auf S. 328 gelesen, bin also schon über den Dialog hinaus, der als Zwischenspiel gilt und der sehr zu empfehlen ist. Dieser Teil ist sehr hilfreich!

Wir sind aber in der Lesereise bei den „riskanten Berichten“: Ich muss gestehen, dass ich in den letzten Wochen „latourisiert“ wurde, d.h. ich gehe mit dem Buch schwanger, d.h. ich fühle mich an manchen Stellen wie ein „auf Links gezogener Strumpf“; sicher geglaubter Grund beginnt zu wanken, oben und unter vertauschen sich. Ich will das an einem Beispiel verdeutlichen: Bisher habe ich immer versucht, bestimmte Projekte in einen theoretischen Zusammenhang zu stellen, also zu rahmen. Nun lese ich bei Latour, dass genau diese Rahmungen nichts ausagen würden, sondern das es vielmehr darauf ankomme, sich ausschließlich „der Sache“ zuzuwenden und die Spuren nachzuzeichnen, die sich aus einer Assoziation ergeben (Es gibt Wissenschaft nur vom Besonderen, S. 239). Es geht um genaueste Beschreibung, nicht um Erklärung, denn eine Erklärung könne die Beschreibung nicht ersetzen und bei einer vollständigen Beschreibung brauche man keine Erklärung mehr. Das geht schon soweit, dass ich in meinem Blog über zuviel Rahmungen auf einer Tagung meckere. Mit Latour rufe ich nach Emperie! So weit ist es schon gekommen ;-).

Nun möchte ich das bisher in mir Zusammengebraute einmal konkret anwenden und damit prüfen, ob ich überhaupt etwas von dem verstanden habe, was mir Latour sagen will: „Mittler, Zwischenglieder, Aktanten, Netzwerk, Dislokalität“ alles eher sperrige Begriffe. Also, im Folgenden ein Versuch zu einem riskanten Bericht... der auch scheitern können muss.

Vor zwei Tagen war ich auf der Tagung der Campus Innovation in Hamburg. Neben mir Christian Kohls, der wie ich gespannt auf die nachmittagliche Podiumsdiskussion war. Auf dem Podium sitzen eine Reihe von Wissenschaftlern, aber auch einige Kollegen aus der Lehrerbildung und ein Student. Im Hintergrund sieht man eine twitter-Wand, auf der aktuelle Meldungen sichtbar sind. Die ersten 20 min verlaufen „normal“, d.h. Kandidaten tragen artig ihre Statements vor und es passiert genau das nicht, was man so schwer erreicht, aber erwartet: eine Podiums-Diskussion, also irgendwas Fetziges oder Kontroverses! Plötztlich erscheint auf der twitterwand eine Meldung: „Das ist eine PodiumsDISKUSSION“, Absender p.baumgartner, … Peter, der die Beine schon langgestreckt hat, ist langweilig geworden. Von Gabi (Reinmann) wird die Frage in den Raum geworfen: „Darf ein Podiumsteilnehmer twittern?“, darauf antwortet keiner so recht. Das Publikum erwacht aus dem Schlaf und ein erstes Gelächter geht durch die Reihen. Peter ist Mittler 1, Gabi ist Mittler 2, Zwischenglied ist twitter (siehe Kausalität, S. 181). Die Wahrnehmungsarchitektur hat sich verschoben. Ich folge nun mit gespaltenem Bewussstein (a) der Diskussion UND (b) den Energien, die sich aus dem netzgestützten Twittergewitter (Internet), dem Publikumsmeldungen und den artikulierten Selbstwahrnehmungen des Podiums ergeben (Dislokalität). Hier tut sich was, eine neue Frage steht im Raum (Assoziation!). Nach ca 20 min beruhigt sich die Situation wieder. Christian flüstert mir ins Ohr, dass man auf dem Podium schön sehen kann, dass die Taxonomie wichtig sei, wir (Gruppe) sind wieder bei der Sache, kein gespaltenes Bewusstsein mehr, die Assoziation aus twitterwand, Podium, Publikum hat sich wieder stabilisiert/refiguriert.

Frage: Spiegeln sich in diesem Kurzbericht Elemente, kleine Ansätze der ANT-Methode wider oder ist das triviales Geschwätz? Wurden hier Akteure als Netzwerke (action net) von Vermittlungen entfaltet?

Bin gespannt :-) ... WER lässt einen Bericht eigentlich scheitern?

Grüße! Frank

Re:Erste Erfahrungen mit dem Kindle by baumgartner — zuletzt verändert: 26.11.2009 18:15

Ich werde dazu demnächst ausführlich schreiben. Die Sache ist kompliziert: Bestellen über Amazon lässt sich über die eigene SIM-Karte gratis, sogar im Ausland. Wenn es nicht ums Betellen geht, dann sind die Dienste bereits schlechter: Weblogs gehen bei mir derzeit überhaupt nicht, weder In- noch Ausland. Eigene Dateien müssen an den kindle-eigenen Konvertierdienst geschickt werden. Da gibt es eine Gratisversion, die lässt sich dann aber nur über dem am PC über USB angesteckten Kindle manuell hinauf spielen und eine Version, die zwar über Whispernet zu laden ist, aber pro MB abgerechnet wird.

Ich werde das - sowie ich ein wenig mehr Zeit habe - noch ausführlich beschreiben. Muss noch ein paar Recherchen machen. Die Situation ist durchwachsen: Es gibt (noch) vieles was unmöglich ist und einer professionellen Nutzung widerspricht.

Re:Erste Erfahrungen mit dem Kindle by rboulanger — zuletzt verändert: 22.11.2009 21:23

Was mich interessieren würde ist, wie das mit dem Kindle und dem immer und überall online hier in Österreich aussieht. Hat der eine eigene Simkarte drin, oder braucht man einen eigenen Vertrag mit einem Provider oder funktioniert er nur im häuslichen WLAN ?

Re:GLL-04: Auch Objekte sind Handlungsträger by baumgartner — zuletzt verändert: 15.11.2009 12:53

Deine Illustrationen zu "Formen der Unsichtbarkeit" finde ich sehr anregend. Ich habe allerdings das Beispiel von Bohm erst (einigermaßen) verstanden, nachdem ich mir die Abbildung heruntergeladen habe. Vorher konnte ich mir das mit den beiden Zylindern nicht gut vorstellen.

– Ist das wirklich so, dass der Tropfen wieder erscheint, wenn ich den inneren Zylinder mit der gleichen Anzahl von Umdrehungen wieder zurück drehe? Das ist ja ein Hammer! Die Analogie der "Unsichtbarkeit 2. Ordnung" von Physik (Bohm) und Sozialwissenschaft (Latour) ist ein weiteres Beispiel das zeigt, dass Sozial- und Naturwissenschaften gar nicht so unterschiedlich auf einer tieferen, grundsätzlichen Ebene funktionieren.

Und hier kommt mein Problem: Diese Einschränkung (tiefere, grundsätzliche Ebene) mache ich, weil wir ja alle durch die Diskussion im Anschluss an Dilthey (http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Dilthey) vor allem aber – und mir weit besser bekannt – durch den sog. Positivismusstreit (http://de.wikipedia.org/wiki/Positivismusstreit) gerade ja auch immer auf die Unterschiede (in der Methode, Theoriebildung etc.) zwischen Natur- und Sozialwissenschaften hinweisen.

So wie ich es sehe, ist es am ANT-Ansatz wesentlich, dass die Sonderstellung des Sozialen (in der Bedeutung von Nr.1, dem Kitt) für die Gesellschaftswissenschaften aufgegeben wird: Und trotzdem wird nicht automatisch eine positivistische Folie des Naturbilds auf die Soziologie gelegt, sondern umgekehrt: Auch in den Naturwissenschaften ist nicht alles so wie es scheint, gibt es ein gehöriges Maß an Beobachter-Relativität. Natur wie Gesellschaft sind beide Kollektoren, wie Latour sagt (192), sind assoziierte Produkte, deren Bestandteile in ihrer Entwicklung und Interaktion untersucht werden müssen. Aber nicht etwa weil sie bloß verschiedenen interpretiert werden könnten, sonderen weil sich die "Tat"-Sachen selbst vielfältig entfalten können, vielfältige Existenzformen annehmen können, wir daher nicht in einem Universum, sondern in einem Pluriversum (William James) leben.

Re:GLL-04: Auch Objekte sind Handlungsträger by Vohle — zuletzt verändert: 14.11.2009 13:01

Im Nachgang zur dritten Unschärfe sind mir auf der Basis von Peters Zusammenfassung und Interpretation (Danke Peter! Das Buch wäre ohne diese Hilfe bereits unterm Stapel „noch zu lesen“ verschwunden) drei ergänzende Anmerkungen wichtig und zwar in Richtung: (a) Handlungsträger als Affordances, (b) Schwierigkeiten, Handlungsverläufe aufzuspüren (c) Formen der Unsichtbarkeit - Strategien Objekte zum Reden zu bringen.

(a) Handlungsträger als Affordance
(@Peter) „Obwohl diese Entitäten Handlungen nicht determinieren (Obstkörbe "verursachen" nicht das Halten von Obst, Hämmer "erzwingen" nicht das Einschlagen von Nägel) sind sie auch nicht bloß als allgemeiner und abstrakter Hintergrund für menschliches Verhalten zu sehen.“
An dieser Stelle meine ich eine Nähe zu Gibsons J.J. Wahrnehmungskonzept auszumachen. Sein Begriff der „Affordance“ wurde insbesondere von Greeno in Richtung des situierten Lernens (siehe Fußnote 30 bei Latour und unsere Anmerkungen im Blog) und D.A. Norman im Bereich der HCI/interaction design aufgegriffen und weiterentwickelt http://en.wikipedia.org/wiki/Affordance. Zentral ist die These, dass Affordances eine Qualität der OBJEKTE (in Relation zur subjektiven Wahr-nehmung) ist. Interessant ist nun, welchen ontologischen Status dieser Qualität „im“ Objekt beige-messen wird, wenn sie doch nur durch den Betrachter„aktiviert“ wird. Gebe es ohne Beobachter diese Qualität? Wenn nein, ist es dann sinnvoll von „HandlungsTRÄGERN“ (Latour) zu sprechen oder ist das nur eine verführerische Metapher? Bei Latour heißt es an anderer Stelle etwas schlichter: Sie sind „B e t e i l i g t e am Handlungsverlauf“ (S.124), wirken also als Moderatoren, Filter, Mittler.

b) Schwierigkeit, Handlungsverläufe aufzuspüren
(@Peter): Das Verfolgen des Handlungsverlaufs wird für SoziologInnen nun aus mehreren Gründen deutlich schwieriger…(…). Meiner Ansicht ergeben sich zwei Herausforderung: (1) mit welchen Er-kenntnismitteln untersuchen wir diese Existenzformen, wenn es sich um v e r t e i l t e und f l ü c h t i g e Entitäten handelt und (2) wenn wir einen solchen „verteilten“ Handlungsbegriff voraussetzen, was ist dann mit dem Konzept der Verantwortung? Wird personale Verantwortung in systemische, auf viele Handlungsträger verteilte Verantwortung verschoben, gibt es neue Verknüpfungen?

c) Formen der Unsichtbarkeit - Strategien Objekte zum Reden zu bringen
Nach den vier Strategien (siehe oben bei Peter) interessiert mich der Z u s t a n d der „unsichtbaren“ Mittler im Rahmen von erweiterten Aktivitätssystemen (Latour: Erweiterung der Handlungsträger), denen offenbar große Steuerungsfunktion zugeschrieben wird.
Peter hat selber bei der Diskussion um das „Hutchins-Cockpit“ auf die Arbeiten von Malcolm Gladewll (Outliers - The Story of Success ) und deren Analyse von Flugzeugabstürzen hingewiesen. Die Auswertung der Tonbandaufnahmen zeigte, dass die Piloten oft genug an der falschen Kommunikation gescheitert sind und nicht wie man denken könnte, an der der Bedienung der Technik. Man könnte dies „Unsichtbarkeit 1. Ordnung“ nennen, weil die „Ursachen“ auf den ersten Blick nicht sichtbar, aber beim genauen Hinsehen (durch Analyse, in diesem Beispiel sogar unter Berücksichtigung der 1. Strategie) identifizierbar sind.
Latour Mittler haben meiner Ansicht nach eine andere Qualität: sie sind „in die Prozesse eingewoben“, also nicht durch Stoppen, Festhalten und Analyse der Situation so schnell sichtbar zu machen. Sie sind implizit! Wenn man ihnen auf „die Spur kommen“ will, muss man seinen Beobachterstandpunkt selbst inmitten des Prozesses legen. Hat man soziale Phänomene im Blick, z.B. wenn Kinder spielen bzw. sich neue Spielstrukturen figurieren (Verschiebung im Sinne Latours), dann ist es für einen externen Beobachter sehr schwer/ unmöglich, hier die Mittler zu identifizieren, die neue Figurationen anstoßen/ bedingen. Der Forscher müsste mit den Kindern mitspielen (1. Strategie), sich darüber wundern können, dass bedeutungslose G e g e n s t ä n d e wie eine Blechdose zu einem Spielball mutieren/animieren (2. Strategie), erkennen, dass z.B. die Spielführer die Regeln schlagartig und ohne Worte ändern, weil nur so ein kleinerer Junge mitspielen kann, sodass der Spielsinn (Zielfunktion) nicht unterbrochen wird (3. Strategie). Erst durch künstliche (nicht spielimmanente) Störung bzw. Regelmodifikation im Prozess kann man als MITSPIELER diese versteckten Mittler „kurzzeitig“ aufdecken/aufspüren, weshalb man auch von einer „Unsichtbarkeit 2. Ordnung“ sprechen kann.
Ok, soweit so gut, bis hier also nur eine Übersetzung der Strategien in ein EIGENES Beispiel, zum eigenen Verstehen.

Die folgenden Anmerkungen haben recht spekulativen Charakter, ich wollte sie zunächst wieder löschen. Aber dies ist eine Lese-REISE und da gibts sicher auch Trampelpfade (und Sackgassen).

Wir sind diesem Punkt (Unsichtbarkeit) zu einem früheren Zeitpunkt in diesem Blog schon einmal begegnet: unter dem Stichwort „Pattern“ und didaktische Ordnung wurde der von Ch. Alexander genutzte Begriff der „Einfaltung“ von mir mit David Bohm (Die implizite Ordnung) in Zusammenhang gebracht. Bohm verdeutlicht seine implizite Ordnung (von Wirklichkeit) mit einem mechanistischen Beispiel (vgl PDF unten): Zwei unterschiedlich große Glaszylinder sind im Zwischenraum durch eine viskoser Flüssigkeit von einander getrennt. Man fügt nun einen Tropfen roter Tinte in die Flüssigkeit und dreht den inneren Zylinder x-mal um die eigene Achse, so dass der Tropfen „in die Flüssigkeit eingefalten“ wird – er ist von außen als Tropfen nicht mehr erkennbar. Mit einem zweiten blauen und dritten grünen Tropfen verfährt man analog. Nach x+n Drehungen sieht man in der Flüssigkeit von außen keinen Tropfen mehr, die „Tropfen“ stecken als Partikel innerhalb der Flüssigkeit. Warum spricht Bohm nun von impliziter ORDNUNG? Mit seinem Beispiel zeigt er, dass die Tropfenform wieder explizit aus der Flüssigkeit hervortritt/sichtbar wird, wenn man den inneren Zylinder um genau die Drehungen x+n zurückdreht: erst erscheint der grüne, dann der blaue, dann der rote Tropfen, wobei die Ganzheit jedes Tropfens (Kugelform) nie von allen drei Tropfen gleichzeitig erreicht wird. Es existiert also eine explizite und implizite Ordnung, wobei im Beispiel beide Ordnungen (mechanistisch) zusammenhängen. (Wer es nochmal nachlesen möchte, der sei hier auf das längere Originalzitat verwiesen http://www.eugwiss.udk-berlin.de/schmid/diss/III.37.html. Es wird im Zitat deutlich, dass das Gedankenexperiment noch weiter geht und vor allem einen Unterschied zu kartesianischen Vorstellungen – isolierte Entitäten – in Abgrenzung zu einer Teil-Ganzes-Beziehung aufzeigen will.)

Was bringt nun dieses Beispiel im Zusammenhang mit Latour? Ich greife es auf um zu zeigen, wie man sich die „Unsichtbarkeit 2. Ordnung“ und damit die Unsichtbarkeit von Mittlern in einem erweiterten Handlungs- oder Aktivitätssystem (Latour) a n a l o g vorstellen kann, wobei die Tropfenpartikel verteilte Entitäten (Dislokalität) und deren Beziehung in der Flüssigkeit implizite Abhängigkeiten verdeutlichen sollen - vielleicht gibt es hier auch eine Grenze, "die Dinge zum Sprechen zu bringen". Einschränkend muss man sagen (und das tut Bohm), handelt es sich um ein mechanistisches Beispiel, dass Unschärfen, chaotische Zustände (quantenmechanische Vorstellungen) ausklammert. Gerade der Charakter der Mittler zeichnet sich aber bei Latour – so wie ich es verstanden habe - durch Sprunghaftigkeit, Nicht-Determinirtheit und Fernwirkung aus.

Also, hier nur Krücken. Aber es wäre auch überraschend wenn man Unschärfen mit abgesicherten und exakten Begriffen aufdeckt, oder? Deshalb am Ende die Frage: Welche Sprache/ Erkenntnismittel nutzen wir, um Latours „neue Soziologie“ zu betreiben?

Grüße! Frank

Bohm: http://www.tphys.physik.uni-tuebingen.de/braeuer/Buecher/Gewahrsein/11_Implizite_Ordnung_Abb.pdf

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