Strategien
Eine Ebene höherKritischer Bericht zur FernUniversität in Hagen
Zu wenig Internetnutzung in der Lehre
Bereits im Februar 2008 – als ich bei der Promotion von Annabell Preussler in Hagen war – hat man mir unter vorgehaltener Hand über ein negatives Gutachten zur FernUniversität berichtet. Inzwischen habe ich erfahren, dass dieser Bericht öffentlich diskutiert wird. Ich kenne die Studie nicht persönlich und kann mich daher nur auf die öffentliche Diskussion (vgl. Videointerview des WDR mit Rektor Hoyer und einen dazugehörigen Artikel Fernstudium noch so wie damals) beziehen. Es wird vor allem die zu geringe Nutzung des Internets für die Lehre kritisiert.
Interessant in diesem Zusammenhang sind die Kommentare einiger (weniger) Studierenden, die eigentlich mit der Situation ganz zufrieden sind. Offensichtlich können sich die Studierenden unter E-Learning nicht viel vorstellen. Das zeigen die Referenzen zu den CD-ROMs der FernUni oder mp3-Dateien, die sie als Beispiele erwähnen. Für mich ist das wieder einmal ein Beispiel dafür, dass es weniger um E-Learning an sich geht, sondern um die Umsetzung innovativer didaktischer Konzepte. Wir sollten daher immer über die pädagogisch-didaktischen Vorteile moderner Lehr-/Lern Arrangements sprechen, statt über die Technologie an sich (Stichwort: didaktischer "Mehrwert"). Rektor Hoyer versuchte dies im Interview bei seiner Stellungnahme. Allerdings meiner Ansicht nach ein wenig ungeschickt: Bloß von "Blended Learning" zu sprechen ohne die didaktischen Konzeptionen solcher Lernumgebungen beispielshaft auszuführen, bedeutet nur ein Schlagwort durch ein anderes zu ersetzen.
Im übrigen glaube ich, dass die Kritik sehr spät kommt. Vor 5 Jahren – als ich einen Ruf für eine so genannte "Eckprofessur" in Hagen angenommen habe – sah ich noch eine gewisse Chance für eine rasche Strukturveränderung. Es waren fast gleichzeitig die Leitungen der Bibliothek, des Rechenzentrums und des Zentrums für Fernstudienentwicklung neu auszuschreiben. Außerdem gab es den Plan, dass mein damaliges Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung (IfBM) in Richtung Fernstudienforschung/E-Learning/Blended Learning verstärkt und ausgebaut werden soll. Dementsprechende Konzepte wurden erstellt und in den (z.T. auch von mir geleiteten) Berufungskommissionen wurden die dafür qualifizierten KollegInnen berufen.
Dann aber kam alles anders: Beharrungskräfte sträubten sich gegen eine zu starke und rasche Veränderung. Jede Neuerung (z.B. die Einführung einer systemweiten Lernplattform) war mit ungeheuren Schwierigkeiten verbunden. Tatsächlich und unglaublich: Die FernUni hatte bis zum Jahr 2006 noch kein Lernmanagement-System (LMS) standardmäßig für ihr gesamten Studienprogramm implementiert. Es gab da und dort zwar einzelne lokale Piloten, aber keine systemweite Implementierung.
Obwohl es scheint – und der kritische Bericht bestätigt das –, dass die weitere Entwicklung der FernUniversität bezüglich neuer systemweiter didaktischer Arrangements noch keine Konjunkur hat (so wurde z.B. die Nachfolge meiner Professur in Richtung empirische
Bildungswissenschaften ausgeschrieben und immer noch nicht
nachbesetzt), bin ich optimistisch. Ich weiß, dass meine damaligen InstitutskollegInnen viele innovative Ideen entwickeln und diese zumindest innerhalb der Bildungswissenschaft auch umgesetzt werden. Letztlich wird die Methode "steter Tropfen höhlt den Stein" auch Erfolg haben: Eine starke Integration moderner E-Learning Elemente in die universitäre Lehre ist heutzutage gerade bei einer FernUniversität nicht mehr zu vermeiden. Pensionierungen und die damit verbundenen Neuberufungen werden diesen Trend sicherlich fördern. Allerdings ist es meiner Meinung nach schade, dass die FernUniversität in Hagen gerade in diesem Bereich, der eigentlich ihr Metier darstellen sollte, ihren Vorsprung verspielt hat und bis auf weiteres wohl keine Vorreiterrolle spielen wird.
Diese persönliche Einschätzung bezieht sich ausdrücklich nicht auf die vielen einzelnen lokalen Initiativen von ProfessorInnen und sogar Instituten. So gut und wichtig diese Projekte sind, so gilt es doch festzuhalten, dass E-Learning Strategien flächendeckend, d.h. systemweit implementiert werden müssen. Und das bedeutet wiederum, dass sie im Zusammenspiel von Top-Down und Bottom-Up Initiativen entwickelt und umgesetzt werden müssen. Aber vielleicht ist der aktuelle kritische Bericht ein Anlass für einen neuen Anlauf?
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Überlegungen für eine Forschungsoffensive
Forschungsnstrengungen in meinem Department verstärken
Mein Department schließt das Budgetjahr 2008 mit einem Riesenerfolg ab: Es ist uns gelungen unser Budget weit über Plan abzuschließen! Damit ist es nun – seitdem ich das Department 2006 übernommen habe – zum 2x in Folge gelungen ein stark verbessertes finanzielles Ergebnis zu erreichen.
Das war die positive Seite der Meldung. Ein negativer Aspekt ist es, dass dieser Erfolg auf Kosten der Forschung erreicht wurde: Wir haben unsere finanziellen Erfolge in erster Linie durch eine Einschränkung der Forschungsaktivitäten und gleichzeitigen Ausbau in der Lehre – und damit durch die Einnahme von Lehrgangsgebühren – erreicht.
Forschung an der DUK
Forschung ist im universitären System nicht gewinnträchtig, weil ja letztlich immer nur ein Teil der tatsächlich anfallenden Kosten (im Wesentlichen Personal und Reisekosten) finanziert werden, die Infrastruktur aber meistens durch die Institution gedeckt werden muss. Unsere Forschung an der DUK muss sich daher mehr oder minder durch Lehrgangsgebühren (co)finanzieren. Das ist für die Donau-Universität, die fast 80% ihre Budgets aus Drittmitteln deckt, ein großer Nachteil gegenüber andere staatliche Unis, wo die Stellen durch Dienstposten abgedeckt sind und jeder Forschungsauftrag eine Finanzierung über den Standardbetrieb hinaus darstellt.
Auf Grundlage der gesunden Lehrgangsentwicklung und einigen Umschichtungen in unserem Department planen wir nun unsere Erfolgskurse etwas abzuflachen und statt dessen stärker in die Forschung zu investieren. Neben einer verstärkten Akquise-Tätigkeit möchte ich versuchen in den nächsten zwei Jahren das Department stärker inhaltlich zu positionieren. Dies soll durch zwei Anstrengungen erreicht werden:
Mehrjähriges Forschungsprogramm entwickeln
Einerseits sollen durch die kooperative Ausarbeitung eines gemeinsamen Forschungsprogramms – worin sich alle Mitarbeiter/-innen der Forschung wieder finden – die Konturen und Forschungsfragen unseres Departments deutlicher hervortreten. Meilensteine auf diesen steinigen Weg sollen 2-3 Buchpublikationen (Monografien) sein: Statt also weiterhin auf allen möglichen Konferenzen aufzutanzen und/oder wie bisher 6-8 Artikel in verschiedenen Bänden zu publizieren, möchte ich meinen persönlichen Schwerpunkt auf das Schreiben von Büchern legen. Mir schweben dabei für mich Themen vor, die ich schon mehr oder minder ausgearbeitet habe, aber bisher noch immer nicht in einem Stück und zusammenhängend publiziert habe: E-Portfolio, wissenschaftliches Arbeiten und E-Learning Szenarien. Generell für das Department möchte ich als die zwei zentralen inhaltlichen Schwerpunkte Didaktisches Design/Pädagogische Musteransatz/Emergenz sowie informelles Lernen/Tacit Knowledge/Life Long Learning vorschlagen.
Foschungskultur schaffen
Andererseits braucht diese Kraftanstrengung ein unterstützendes Klima, eine wissenschaftliche Atmosphäre die für eine langfristige Forschung nicht nur notwendig ist, sondern sie überhaupt auch erst ermöglichen kann. Innerhalb der DUK, wo es vor allem um Lehre, Finanzen und Management geht, ist dies nicht einfach zu schaffen. Als kleine und relativ junge Universität, die noch nicht im Kanon der Volluniversitäten aufgenommen ist und auch noch kein Promotionsrecht hat, ist dieseine recht große Herausforderung. Ich möchte dies durch 3 unterstützende Maßnahmen zu erreichen versuchen:
- bt-talks: Unsere Veranstaltungsreihe soll - wie bisher - weiter durchgeführt werden. Allerdings möchte ich den Mehrwert, den wir als Department daraus ziehen, durch bessere Vor- und Nachbereitung zu erhöhen versuchen. Zentral dabei soll es sein, dass wir mit unseren Gastreferenten in einen Diskurs kommen und es auch andere Materialien zum Vortrag gibt. Ich denke hier an Pod- bzw. Vodcast, also Ton- und Bildaufnahmen der Vorträge, sowie die Gründung einer Reihe von "grauen" Papieren.
- Workshops: Ein zweiter Baustein für die Generierung einer Forschungskultur soll in der Durchführung von 3-4x/Jahr jeweils zweitägigen Workshops liegen. Diese Workshops sollen auf wissenschafts- und erkenntnistheoretischer Grundlage aktuelle inhaltliche Forschungsthemen bearbeiten. Sie sollen eine Mischung zwischen Informationsaustausch und Arbeitstreffen sein und vor allem dazu dienen, relevante Forschungsthemen zu identifizieren und die Mitarbeiter/-innen am Department dafür zu begeistern. Weil wir eine sehr kleine Gruppe sind, möchte ich zu diesen Workshop themenabhängig auch externe Gäste einladen.
- Synergien stärken: Als dritte Maßnahme möchte ich versuchen bereits vorhandene Aktivitäten in ihren synergetischen Wirkungen besser zu nutzen. Hierzu gehört einerseits die Betreuung "meiner" Dissertant/-innen aber auch die Lehre/Prüfungskommissionen an der DUK dazu. Ich stelle mir hier vor, dass bestimmte Aktivitäten, die sowieso stattfinden, bewusst in einem größeren Rahmen gesetzt werden, damit wir alle mehr davon profitieren. Es geht also um eine weitere Schiene der (internen) Vernetzung, z.B. indem wir uns gegenseitig bei unseren Lehrveranstaltungen besuchen, indem wir gemeinsame Prüfungskommissionen nutzen um unsere Interessen besser gegenseitig kennen zu lernen usw. usf. Ein Schritt in diese Richtung ist es z.B., dass ich alle Personen, die ich im Zuge ihrer Dissertation betreut und begutachtet habe, einlade ihre Arbeiten in einem gemeinsamen virtuellen Raum auf meinem Weblog zu präsentieren.
Ja, ich weiß: Viele gute Vorsätze. Das ist nicht nur das jährliche wiederkehrende Ergebnis der Weihnachts- und Neujahrsvorsätze sondern auch meine doch recht gute Erholung im Rahmen eines dreiwöchigen Kuraufenthalts in Bad Vigaun (Nähe Salzburg), der mich mit neuer Kraft und neue Ideen ausgestattet hat... Die beiden Bilder oben zeigen den Blick von der Terrasse.
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Forschungsexzellenz als soziale Konstruktion
Anmerkungen zu Richard Münch: Die akademische Elite - Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz
Von meinem ehemaligen Kollegen Wolfgang Jütte bekam ich schon vor einigen Monaten den Tipp Die akademische Elite von Richard Münch zu lesen. Im diesjährigen Urlaub kam ich nun endlich dazu. Das Buch ist sehr empfehlenswert. Es zeigt auf, wie die Exzellenzinitiative der deutschen Bundesregierung nicht nur ein Schlag ins Wasser ist, sondern sogar einen Rückschritt bedeutet: Statt zur Steigerung der internationalen Konkurrenzfähigkeit der deutschen Forschung beizutragen, führt sie letztlich zur Monopolbildung einiger weniger Universitäten auf Kosten der Innovation und Kreativität der Masse der deutschen ForscherInnen.
Ich muss sagen, dass mich das Buch nicht nur innerlich aufgewühlt, sondern erschüttert und zum Teil sogar deprimiert hat. Am empirischen Material der Mittelzuweisungen, der Zusammensetzung und Arbeitsweise von Instanzen der Exzellenzuschreibung (z.B. DFG, Wissenschaftsrat), den maßgeblichen Kennzahlen bei den Rankings und der vewendeten "Reform"-Rhetorik wird gezeigt, wie sich hermetisch abgeschlossene Machtzentren auf dem Wissenschaftsfeld ausbilden. Selbst bei so scheinbar nur inhaltlichen wissenschaftlichen Kriterien verpflichteten Prozeduren wie Expertenkommissionen, fachliche Expertisen und peer reviews setzt sich eine klare Schlagseite nach dem Matthäus-Prinzip: "Wer hat dem wird gegeben" hinter dem Rücken der Akteure durch.
The winner takes it all
Das Schockierende für mich war es nicht, dass die Exzellenzinitiative der deutschen Bundesregierung problematisch ist, sondern dass scheinbar fachliche (neutrale) Diskurse, gut gemeinte Interaktionen und Praktiken (wie z.B. peer review-Verfahren) hinter dem Rücken der Akteure als Dispositve der Macht (Foucault) wirken. Davon sind dann unter anderem auch die Aktivitäten von wissenschaftlich angesehenen Institutionen und ExpertInnen (wie z.B. auch meine eigene Tätigkeit als Gutachter und Mitglied von Expertenkommissionen) betroffen. Durch viele kleine Mechanismen (z.B. Informationsassymetrien, Effekte der Größenordnung, Entscheidungsfindung bei Unsicherheit etc.) setzt sich ein konservativer Effekt durch: Vertraue dem, der viel Ressourcen (ökonomisches Kapital) und bereits hohe wissenschaftliche Reputation (symbolisches Kapital) hat.
Es sind diese viele kleinen Mechanismen, die aus meiner Sicht das Buch von Richard Münch so spannend und für mich aufwühlend gemacht haben. Ich versuche aus meiner Erinnerung nachfolgend einige dieser – im Buch leider unsystematisch verstreuten – Dispositive der Macht zu geben:
- Die Annahme, dass hohes Drittmittelaufkommen erhöhte wissenschaftliche Produktivität (erhöhten Publikationsoutput) signalisieren, ist – bezogen auf die relative Anzahl beteiligter ForscherInnen falsch! Die absoluten Zahlen, die für die Kennzahlenkonstruktion herangezogen werden, müssen auf die Personenanzahl relativiert werden. Dann stellt sich die Liste der 10 Spitzeninstitutionen als ein Mythos dar!
- Die Annahme, dass durch die Förderung von "Spitzen"-Organisationen ("Leuchttürme"), die internationale Konkurrenzsituation der deutschen Wissenschaft verbessert werden kann, ist falsch. Nicht Organisationen betreiben Forschung, sondern Personen. Durch die Förderung von Organisationen werden große Traditionsuniversitäten herausgehoben und die überall vorhandenen SpitzenforscherInnen an anderen Standorten benachteiligt. Insgesamt gesehen ist das nicht nur bloß ein "Nullsummenspiel", sondern führt zu oligarchischen Strukturen, die sogar einen Rückschlag bzw. Verschlechterung durch Einschränkung der Wettbewerbssituation mit sich bringen.
- Die Annahme, dass große Forschungseinheiten ("kritische Masse") unter Führung einer Spitzenpersönlichkeit aufgebaut werden müssen, erweist sich als falsch. Die Führungskraft verkommt zum Forschungsmanager, der ein Herr von abhängigen Arbeitssklaven - ohne eigene Karriereperspektiven – anleitet. Neue Ansätze, Kreativität, Innovation und Risikobereitschaft wird dadurch eingeschränkt und es wird bloß Normalwissenschaft (Thomas Kuhn) oder wie es Münch noch ätzender nennt: "Routinewissenschaft" betrieben.
- Das ökonomische Kapital (absolut gesehen hohe (Drittmittel-)Summen) großer Institutionen bringt fast automatisch hohes soziales Kapitel hervor (viele Menschen haben größere Chancen sich zu vernetzen und vice versa. Das darauf aufbauende symbolische Kapital (Mitglied in wichtigen Entscheidungsgremien) verstärkt diesen Kreislauf. An Hand der Mitgliederlisten von DFG-Kommissionen weist Münch nach, dass die großen Unis hier bereits Kartelle gebildet haben.
- Die Einschränkung der Grundfinanzierung der Universitäten und die Auslagerung dieses Budget auf einzuwerbende Drittmittel erhöht nicht nur den bürokratischen Aufwand (Anträge schreiben), sondern bevorteilt systematisch große Institute mit einer großen Zahl an abhängigen MitarbeiterInnen – die an einer Weiterfinanzierung ihrer Stellen hoch motiviert sind. Wissenschaftliche Institute verkommen zu Antragsmaschinen, was eben nicht automatisch zu relativ (!) höhreren wissenschaftlichen Output in Form von Publikationen führt (siehe Punkt: 3).
- Die extreme Wettbewerbssituation bei der Einwerbung von Drittmittel führt zu einer enormen Überbuchung von Anträgen, die von den langfristig nominierten (meisten männlichen) "Honoratoren" im Sinne ihrer eigenen Vorstellung von Wissenschaft bewertet werden. Das lässt wenig Raum für neue, innovative Ansätze weil die Anträge möglichst "unangreifbar", dem herrschenden Wissenschaftsparadigma folgend, geschrieben werden.
- Weil die Anträge auf Grundlage der Überbuchung schärfer bewertet werden müssen und sich GutachterInnen bei einer wohlwollenden Bewertung auch der Gefahr der Kritik von Inkompetenz aussetzen (indem z.B. ein anderer GutachterInnen verschiedene Schwächen moniert) gibt es keine Anträge mehr, die nicht einer grundsätzlichen Kritik ausgesetzt sind. Weil GutachterInnen ihr eigenes Risiko minimieren, hängt die positive Entscheidung – welche Anträge dann tatsächlich zum Zuge kommen – dann in letzter Instanz doch wieder von der bisherigen Reputation der AntragsstellerInnen, ihren bisherigen Leistungen, ihrer Institutionen und sogar von den in den Gremien vorhandenen ExpertInnen (symbolisches Kapital) ab. [Es ist zwar nicht so, dass es einen direkten Zusammenhang von der institutionellen Herkunft der GutachterInnen und der genehmigten Anträge derjenigen Institutionen gibt, es lässt sich aber ein statistisch signifikanter Zusammenhang der symbolisch großen und mächtigen Institutionen nachweisen.]
- Die Akzeptanz der Hierarchie der Zeitschriften nach Impaktfaktoren (Zitationen) bedeutet ganz automatisch ein Unterordnen unter die Hegemonie der amerikanischen Forschungskultur und führt zu einem enormen Wettbewerbsnachteil der nichts mit inhaltlichen Gründen zu tun hat. Amerikanische ForscherInnen haben einen größeren Markt und zitieren sich vorwiegend gegenseitig selbst (= hoher Impact!). Selbst die führenden europäischen Zeitschriften können hier nicht mithalten und das Zitieren amerikanischer Literatur von EuropäerInnen fördert diese Asymmetrie noch weiter. Letztlich wird damit nicht nur der bereits vorhandene Vorteil der englischen Sprache weiter verstärkt, sondern auch die Provinzialität der amerikanischen Forschung geradezu gehuldigt!
- Die Akzeptanz der Impactfaktoren von Zeitschriftenartikel führt automatisch auch zu einer Überbetonung von Natur- und Technikwissenschaft, sowie Medizin. In den Sozial- und Geisteswissenschaften ist nach wie vor das Schreiben von Monographien entscheidend, das aber in diesem System nicht entsprechend gratifiziert wird.
- Durch die bereits getroffenen bisherigen Entscheidungen entsteht eine "Pfadabhängigkeit", wodurch eine Fortsetzung des bisherigen Kurses biliger und rationaler erscheint als ein Umlenken und Umdenken.
Radikale Vorschläge
Die oben genannten Mechanismen werden einzeln durch umfangreiches Datenmaterial, Fallstudien und auch durch (meine eigenen) Erfahrungen bestätigt. Die einzelnen Faktoren ergeben aber ein Gesamtbild, das mich persönlich – trotz vielfältiger – auch auch unsymmtematischer bloß fallbasierter und anekdotischer Erfahrung auf diesem Gebiet – trotzdem sehr überrascht und emotional bewegt hat. Nicht weniger überraschend sind auch die sich konsequent daraus ergebenen Schlussfolgerungen, die Münch – in meiner Lesart – nur an zwei/drei Stellen relativ vorsichtig und ein wenig im Soziologendeutsch versteckt und verklausuliert erwähnt:
- Auflösung der Monopole der Konsekrationsinstanzen (=Instanzen der Exzellenzuschreibung) wie z.B. der DFG udn Gründung mehrerer im Wettbewerb stehender Insitutionen. Das kommt im Prinzip dem Schlachtruf "Zerschlagt die DFG" gleich – wie Wolfgang Kemp in einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung auch schreibt.
- Beschränkung der Funktionsperiode von Mitgliedschaften in diesen Institutionen, Verjüngung und gendersensitive Wahl.
- Abgehen von der Idee der "Leuchttürme" und Bildung von großen (außeruniversitären) Forschungsinstitutionen mit einer großen Anzahl von abhängigen MitarbeiterInnen. Differenzierte Forschungsförderung von Forscherpersönlichkeiten und nicht Forschungsinstutionen.
- Alle bisherigen abhängig beschäftigten MitarbeiterInnen zu JuniorprofessorInnen umwandeln (Junior Faculty), die mithelfen die Lehrbelastung zu reduzieren und unabhängige Forschung(skooperation) betreiben können.
- Statt einem zentralen Forschungsleiter, dem eine Masse von abhängigen wissenschaftlichen MitarbeiterInnen untersteht, müssen gleichberechtigte Kollektive nach dem amerikanischen Vorbild gebildet werden. Ein 1/3 Seniorfaculty mit Tenure Track (Verbeamtung) arbeitet gleichberechtig zusammen mit einer Juniorfaculty (= die anderen 2/3 der ForscherInnen), die – nach entsprechenden Leistungen – bereits nach 5 Jahren auch Tenure Track erhalten soll.
Trotz kleinerer Schwächen – Unbedingt Lesen! –
Leider ist das Buch aus meiner Sicht didaktisch nicht besonders gut aufgebaut: Die Argumentation ist so redundant, dass es manchmal ärgert: Wenn jemand das Buch neu liest: Zählen Sie mal wie oft folgende Argument in der einen oder anderen Form wiederholt wird: "Die Exzellenzinitiative wird Vielfalt, Kreativität, Inovation und Wettbewerb einschränken und die oligarchische Struktur der Wissenschaft verstärken?" Ich schätze nachträglich zwischen 30-50x! Sowohl der Umfang (474 Seiten) als auch die soziologische Sprache macht die Argumente im Buch zusätzlich nicht gerade leicht zugänglich. Das ist schade, weil damit die darin entwickelte wichtige Argumentation nicht so große Verbreitung findet, wie es notwendig wäre. – Trotz dieser Schwächen: Die akademische Elite ist unbedingt zu empfehlen und lesenswert!!!
Jetzt wo ich zum Buch ein wenig recherchiert habe, bin ich auf zwei weitere empfehlenswerte Netzeinträge gestoßen. Einerseits der bereits 2007, kurz nach dem Erscheinen des Buches geschriebene Kommentar in Gabi Reinmanns Weblog (peinlich für mich: Ich muss öfters die Einträge meiner Freunde und GesinnungsgenossInnen lesen
) als auch der bereits erwähnte und von Gabi entnommene Hinweis auf eine gute und leicht verständliche Zusammenfassung in der Süddeutschen Zeitung.
PS.: Obwohl Münch sich überwiegend mit der deutschen Situation beschäftigt hat (es gibt kleine Exkurze zu England, Frankreich und vor allem USA), bin ich überzeugt davon, dass die Darstellung der Exzellenzzuschreibung als soziale Konstruktion sowie seine Schlußfolgerungen durchaus auch für die österreichische Situation in gewissen Maße zutreffen!
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Universitätsprofessur – Forschungsmanagement statt Forschungsinhalte
Überlegungen zum Karrierebild "Universitätsprofessur" und mögliche persönliche Lösungsansätze
Mein Blog dümpelt schon die die letzten Wochen, ja Monate!, wieder dahin. Diesen Beitrag habe ich bereits am 23. August begonnen und ich komme erst heute (Mitte Oktober) dazu ihn fertig zu stellen. Seit Mai gab es nur einen – allerdings wie ich meine: wichtigen – inhaltlichen Beitrag von mir in meinem Blog. Etwas besser läuft die Nachrichtenseite, obwohl ich auch dort bei weitem nicht dazukomme über alles Wissenswerte und Interessante zu berichten. Es fehlen wichtige Keynotes (z.B. Fernausbildungskongress der Bundeswehr) genauso, wie wichtige Informationen zu Projektterminen.
Zwar wird die 20-wöchige Pause durch eine bewusste Abstinenz von 6 Wochen im Sommer relativiert;
doch ändert das nichts am grundsätzlichen Problem: Ich bin immer mehr
mit organisatorischen Tätigkeiten voll ausgelastet und komme nicht mehr
dazu die sporadischen inhaltlichen Aktivitäten – die es durchaus auch
gibt – kontinuierlich zu reflektieren. Neben einigen individuellen bzw. lokalen Gründen (ich kann schwer nein sagen, wenn ich zu Vorträgen eingeladen werde, die heiße Phase der Ziel- und Leistungsvereinbarungen) drückt sich darin meiner Ansicht ein ganz generelles Problem akademischer Führungspostionen aus: Immer mehr werden wir Professoren zu artfremden Tätigkeiten verpflichtet. Wir haben immer weniger Zeit für inhaltliche Arbeit und müssen im Rahmen der viel gerühmten Autonomie der Universitäten immer mehr Verwaltungs- bzw. Leitungstätigkeiten übernehmen.
Forschung managen statt selber forschen
So muss ich beispielsweise um mein Department "am Laufen zu halten" 2 Mio € an Drittmittel aufstellen - und zwar jedes Jahr! Diese Drittmittelakquise hat aber nicht nur nichts mit inhaltlicher Forschungsarbeit zu tun, sondern bringt – insbesondere bei Erfolg! – automatisch auch eine Reihe anderer "artfremder" Tätigkeiten mit sich: Personal anstellen, Verträge aushandeln, Räume innerhalb der Institution erkämpfen etc etc. Die akademische Elite von Richard Münch hat mich gerade deshalb so betroffen gemacht (siehe meinen Kommentar dazu), weil ersichtlich wird, dass in den deutschsprachigen Ländern diese Verarmung von Forschungstätigkeiten inzwischen ein ganz genereller Trend geworden ist. Dort wo wir ProfessorInnen eigentlich gut sind und warum wir diese Karriere als ProfessorIn angestrebt haben – und worin auch unsere hauptsächliche intrinsische Motivation liegt – dürfen bzw. können wir gar nicht mehr tätig sein.
Ein bereits länger zurück liegendes Beispiel soll die Absurdität der Situation verdeutlichen: Als Professor für Wirtschaftspädagogik hatte ich in Innsbruck mein Institut in einem langen Gang untergebracht. An dem einen Ende des Gangs war die "normale" Institutssekretärin für die Studierendenbetreuung angesiedelt. Mit einer Professur, 3 wissenschaftlichen MitarbeiterInnen und 600 Studierenden in Wirtschaftspädagogik kann man sich vielleicht den Arbeits- und Organisationsaufwand vorstellen. Auf dem anderen Ende des Gangs war meine Projektsekretärin untergebracht. Dazwischen saßen die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der Planstellen und der über Drittmittel finanzierten Projektstellen. Weil ich viele organisatorische Details direkt und persönlich klären musste, bin ich häufig den Gang auf- und abgelaufen und habe dabei gesehen wie meine MitarbeiterInnen in den Zimmern lesen, schreiben oder anderen wissenschaftlichen Tätigkeiten nachgehen – während ich mit organisatorischen Agenden beschäftigt war, unter anderem auch deshalb um die Gelder für die Beschäftigung der MitarbeiterInnen aufzustellen!
Selbst renommierte "professorale" Tätigkeiten, wie Begutachtungen, Gremien und Kommissionen stützen sich vor allem auf bereits vorhandene Erfahrung und Wissen und bringen – wenn überhaupt – neue Erkenntnisse auf einer Meta- bzw. Prozessebene und weniger zum eigentlichen Fach- und Spezialgebiet. Ehrenamtliche Vorstandsarbeit in wissenschaftlichen Gesellschaften, Expertenbeiräte und Beratungsgremien greifen in ihren Entscheidungen und Empfehlungen häufig auf Konzeptpapiere und Studien von wissenschaftlichen MitarbeiterInnen zurück, die mit der inhaltliche Recherche beauftragt wurden und dann entweder vor Ort oder durch Desk Research selbst aktiv werden.
Mögliche Lösung:
Mir scheint hier eine mögliche Lösung darin zu liegen, dass man/frau ganz bewusst für mehrere Jahre die Schwerpunkte der Arbeit von der Kontextebene (Metaebene) zur Inhaltsebene wechselt. Also für mich würde es jetzt wahrscheinlich stimmen und mich persönlich mehr Spass machen, wenn ich mich für bei Auftritten und Gremienarbeit in den nächsten Jahren zurücknehme und mehr selbst in die inhaltliche Arbeit einsteige. Das ist aus mehreren Gründen allerdings nicht ganz einfach:
- Das unmittelbare Erfolgserlebnis des konkreten Auftritts, der sozialen Vernetzung geht verloren. Das was Manager Quick Wins nennen wird durch die Mühe der langen Ebene (z.B. beim Schreiben eines Buches) ersetzt.
- Es muss ein Mittelweg gefunden werden, weil völlige und dauerhafte soziale Abstinenz – gerade auch aus inhaltlichen Gründen – selbst wieder kontraproduktiv ist. Schließlich muss man/Frau auch schauen, dass einem die KollegInnen in der Zwischenzeit nicht das Wasser abgraben
. Auch haben wir natürlich auch eine gewisse Gestaltungsverantwortung sowohl auf der inhaltlichen Ebene als auch auf der personellen Ebene (z.B. Nachwuchsförderung). Es ist gar nicht so einfach, sich aus diese Verantwortung heraus zu ziehen, weil man/frau ja eben schon sehr tief eingebunden ist und Lücken bzw. Rückschläge der bisherigen Arbeit entstehen könnten.
Wie könnte so ein Mittelweg für mich in den nächsten Jahren ausschauen? Mir ist vor 30 Jahren die Strategie "Rauchen aufhören" viel leichter gefallen als mein ständiger Kampf das Gewicht zu halten
. Beim Rauchen geht es letztlich "bloß" um völlige Abstinenz, beim Reduzieren von Gewicht jedoch um eine differenzierte - im Alltag zu implementierende und konsequent zu verfolgende – Verhaltensweise.
Sensible Informationen
Auf der anderen Seite ist ja die Arbeit in den Kommissionen selbst ein Teil der inhaltlichen Arbeit auf der Metaebene. Allerdings mit einem großen inhaltlichen Problem: Man/Frau ist selbst Teil des Systems, hat vertrauliche, bzw. politisch brisante Informationen und kann darüber nicht mehr so ganz beliebig öffentlich reflektieren. Ich versichere, dass ich öfters ganz spannende Dinge und lustige Anekdoten zum Besten in meinem Weblog geben könnte. Aber leider sind die Dinge sehr heikel, würden Personen unter Umständen desavouiert werden, würde ich meine eigene Institution "anpatzen" etc. etc. Also schweigt der kluge Mensch lieber!
So konnte ich die letzte beiden Jahre über bestimmte Ereignisse, die sich aus meiner Arbeit als wissenschaftlicher Leiter des MedidaPrix ergaben (Gespräche mit Verantwortlichen in den Ministerien, laufende z.T. kontraversielle Diskussionen im Vorstand der GMW etc.) nicht öffentlich berichten. Oder es gibt neue interessante Inhalte, die sich aus meiner Arbeit im Steirischen Forschungsrat ergeben, die zwar selbst als Informationen unproblematisch sind, aber in einem vertraulichen Kontext generiert wurden und ohne diesen (erklärenden, erläuternden) Kontext nicht sinnvoll vermittelt werden können.
Manchmal habe ich mit schon mit anderen KollegInnen überlegt, ob wir nicht gemeinsam einen anonymen Blog eröffnen sollten. Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht nicht darum, sich bloß seinen Frust von der Seele zu schreiben. Das mache ich öfter so, dass ich etwas schreibe, was ich dann intern nur ausgewählten, engen Vertrauten schicke. Oder ich nutze verklausulierte Metabetrachtungen ("Weisheiten"), wie es aus meiner Sicht witzig und aktuell in abstrakten Sprüchen, wie z.B. den mit den Toten Pferden, zusammengefasst ist. Die Frage ist also nicht (nur) wie Frust abgeladen werden kann, sondern wie über diese Dinge konstruktiv reflektiert werden kann um die darin enthaltenden Probleme inhaltliche weiter zu bringen bzw. aufzulösen.
Mögliche Lösung:
Eine mögliche Lösung wäre es nach einen unverfänglichen Rahmen zu suchen, wo die entsprechende Information aus dem entsprechenden sensiblen Kontext herausgenommen wird. Das ist aber nicht ganz einfach und erfordert in zusätzliches Recherchieren und Abstrahieren. Kontext und Inhalte müssen gewissermaßen verfremdet werden.
Ein gutes Beispiel ist die Diskussion E-Learning am Scheideweg im e-Denkarium von Gabi Reinmann: Hier greift Gabi am Beispiel eines Beitrags von Gudrun Bachmann, Antonia Bertschinger, Jan Miluška "E-Learning ade – tut Scheiden weh?" (Download als PDF auf der Website des Wamann-Verlags) ein heikles Thema auf, mit dem wir in vielen mit E-Learning Gremien zu ganz bestimmten Fragestellungen bereits konfrontiert sind: Die Situation zu E-Learning Projekten und Initiativen hat sich geändert. Das Alleinstellungsmerkmal E-Learning gibt es so nicht mehr, der Umweg den wir HochschuldidaktierInnen im Interesse der Qualität der Lehre gegangen sind – nämlich die tröge und vor sich hinschlummernde Hochschuldidaktik durch die dynamische und innovative E-Learning Communtiy aufzuwecken – greift so nicht mehr. Wir müssen uns (wieder) einen anderen Zugang überlegen, wenn wir die Qualität der Lehre E-Learning befördern wollen. E-Learning ist und war ja aus meiner (unserer) Perspektive nie ein Selbstzweck. – Das mache aber Leuten klar, der mit E-Learning groß geworden ist, in E-Learning ihre professionelle Perspektive bzw. Karriere entwickelt haben!
Gabi rollt aus meiner Sicht eine allgemeine Frage auf, mit der wir in den letzten beiden Jahren in unterschiedlichen Gremien konfrontiert sind, die wir aber nicht aus diesen Kontexten alleine heraus diskutieren können. Der Artikel von Bachmann et al. ist eine Abstraktion und Verfremdung der in sensiblen Kontexten erlebten Erfahrungen. Es braucht nicht nur viel Zeit sondern vor allem eine gehörige Portion an Kreativität und Fingerspitzengefühl um solche Fragestellungen allgemeiner angehen zu können.
Wem von uns brennen nicht täglich gewisse Diskussionen in der eigenen
Institution, über die wir gerne reflektieren möchten, unter den Nägeln?
Wie ist aber eine Reflexion darüber aktuell - also in einer gewissen zeitlichen Nähe und nicht erst, wenn bereits alles gelaufen ist – möglich? Ich vermute, dass Abstraktion und Verfremdung des Kontexts hier vielleicht eine Abhilfe schaffen könnten. Leider sind wir WissenschaftlerInnen häufig in der Verfremdung nicht besonders gut ausgebildet. Die Abstraktion (oder Entcontextualisierung) alleine birgt hingegen die Gefahr, dass die Diskussion ihren realen Bezug und damit die beabsichtigte Wirkung verliert.
Selbst Teil des Establishement sein - seinen eigenen Kontext reflektieren
Ein Teil der Kommunikationsproblematik liegt natürlich auch darin, dass ich (wir ProfessorInnen) selbst Teil des zu kritisierenden Forschungsestablisment bin (sind). Die Rahmenbedingungen, die ich manchmal kritisieren möchte, sind ja zum Teil selbst von mir mit geschaffen bzw. mitgetragen. Es gilt dabei nicht nur der Spruch Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, der auf ethische bzw. soziale Problemstellungen verweist, sondern es gibt auch objektiv einen blinden Fleck, der durch die eigene Position im System bedingt ist, und eine kritische Reflexion schwierig macht. Bestimmte Dinge sind nur von einer anderen Perspektive sichtbar.
Wie können wir uns also – quasi wie der Baron Münchhausen – an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen? (Siehe dazu auch das etwas anders gelagerte Münchhausen Trilemma)
Mögliche Lösung:
- Eine Möglichkeit ist es natürlich die eigene Verstricktheit selbst zum Forschungsthema zu machen. Das ist meiner Ansicht nach Richard Münch mit der schon zitierten "Die akademischen Elite" sehr gut gelungen. Aber das ist normalerweise kaum möglich, weil das Metathema eben ein Metathema ist und nicht selbst der eigentliche Gegenstand unserer Forschung bzw. unserer Expertise.
- Aus meiner Sicht bleibt daher nur das vorsichtige und z.T. (bildlich gesprochen) blinde Tasten im Dunkeln. Wir können das Bezugssystem nämlich nicht einfach wechseln. Auch wenn wir den Kontext "herunter holen" und zum Thema machen, entsteht ein neuer Kontext als blinder Fleck, als Rahmenbedingungen, die wir unkritisch voraussetzen. Ich habe mich zu dieser Frage ausführlich und theoretisch in meiner Habilschrift der Hintergrund des Wissens auseinandergesetzt.
"Ich glaube, einen Philosophen, einen der selbst denken kann, könnte es interessieren, meine Noten zu lesen. Denn wenn ich auch selten ins Schwarze getroffen habe, so würde er doch erkennen, nach welchen Zielen ich unablässig geschossen habe.“ (ÜG §387) Und weiter: „Ich bin hier geneigt gegen Windmühlen zu kämpfen, weil ich das noch nicht sagen kann, was ich eigentlich sagen will.“ (ÜG §400)
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Re:Universitätsprofessur – Forschungsmanagement statt Forschungsinhalte
Peter: Du hast meine volle Zustimmung in deiner Diagnose. Was die Therapie angeht, habe ich noch keine abschließende Meinung. Weil meine Überlegungen dazu etwas länger geworden sind, bitte ich zum Weiterlesen, in mein Blog zu wechseln http://gabi-reinmann.de/?p=1457
Gabi
Re:Universitätsprofessur – Forschungsmanagement statt Forschungsinhalte
Danke für diesen offenen Beitrag, indem du über die verzwickte Lage der wissenschaftlichen Manager sprichst. Mir ist dieser „Typ“ zum ersten Mal aufgegangen, als wir 2004 am frisch gegründeten Institut für Wissensmedien in Tübingen waren, um über unser Analogietraining zu sprechen. Herr Professor Hesse sagte lapidar zur Einleitung, dass er sich auch mal mit Analogien beschäftigt hat, damals, als er noch „W i s s e n s c h a f t“ betrieben habe. Dieser Satz klingelte mir noch lange in den Ohren, verstanden habe ich ihn erst viel später.
Interessant finde ich an deinen Ausführungen, dass du den r e f l e x i v e n Charakter jedweglichen Handelns als Wissenschaftlers beschreibst, also dass du selber Teil des von dir beschimpften Systems bist und dass man eigentlich diese antizipierte Wirkung bei jedem Handeln berücksichten müsse. So schön das Systemische ist, p r a k t i s c h bleibt die Frage, ob man überhaupt Alternativen hat und wie die aussehen. Diese systemischen Betrachtungen haben ja auch etwas Erlahmendes, man fühlt sich machtlos und nur Soziologen haben die Kraft, über diese Selbstverstrickungen noch zu schreiben, weil es Teil ihrer Forschungsagenda ist.
Bei dir finden sich zwei Lösungswege. A) Reduktion der Last, durch thematische Fokussierung (Weniger machen, auch wenn das kostet) und reflexive Distanz durch Vefremdung. Die Reduktion der Last (also A) ist, meine ich, not… wendig: Wer 200 kg auf den Schultern trägt, der bekommt Rückenschmerzen, das ist anatomisch zwingend, das sieht jeder ein. Wer dagegen „subtile Gewichte“ wie Forschungsanträge, Verantwortung für Mitarbeiter, Nachwuchsförderung, Stand und Stellung der eigenen Wissenschaft "hebt", der kann immer noch was draufpacken, meint man. Fazit 1: Mann/Frau muss die Ökonomie ernst nehmen und sich knapp machen! :-) .
Deinen zweiten Lösungsansatz B) finde ich deshalb spannend, weil er mich an das narrative Wissensmanagment bei Siemens erinnert. Schon 2001 sprach man da von „Toten Pferden“, um ganze Abteilungen zur humorigen Selbstreflexion zu stimulieren. Das war also Teil einer Interventionsstrategie. Weitergedacht auf den Kontext Wissenschaft hieße das, dass wir so etwas brauchen wie ein Wissenschaftstheater, welches einmal im Monat im Netz oder als Wanderbühne (von Stadt zur Stadt) den aktuellen Uniwahnsinn bespiegelt. Also eine Art wissenschaftliches K a b a r e t t, gibt es das?
Das klingt ja alles nach Symptombekämpfung, oder? Hmm, teils ja, teils nein. Fazit 2: Gerade dein letzter Hinweis in Richtung „Distanznahme“, gern mit Humor oder Kabarett, schafft meines Erachtens erst wieder Raum für kreative Ideen, eine gewisse Bewusstseinhaltung und zwar auf der Ebene von Münchhausen.
Frank
Uni-Forschung: It's the economy, stupid
Wenn Sie rechts auf mein LibraryThing Widget schauen, werden Sie immer öfter Bücher zu den Themen Ökonomie sehen. Der Grund für diese scheinbar "fachfremde" Literatur ist meine zunehmende Beschäftigung mit Fragen der Forschungspolitik. Mir wird – insbesondere nach dem Lesen von Die akademische Elite – zunehmend klarer, dass gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen meine Arbeit- und Lebenssituation nachhaltig (negativ) beeinflussen. (Siehe auch meinen Beitrag Forschungsmanagement statt Forschungsinhalte.) Der Clinton-Spruch It's the economy, stupid gilt offensichtlich auch für uns ForscherInnen.
Fehlentwicklung an den Universitäten
Zu meiner Kritik, dass sich sich ProfessorInnen immer mehr mit Verwaltung und Management statt Inhalten herumschlagen müssen, bekam ich einige zustimmende Rückmeldungen. Es ist interessant, dass diese zustimmenden Äußerungen meistens nicht im Weblog erfolgten, sondern als private Mail an mich gingen. Es handelt sich offensichtlich um ein Thema, das (noch?) nicht öffentlich attackiert werden kann, das einen klagenden – fast schon weinerlichen – Beigeschmack hat.
Ich sehe drei Ebenen, wie dieses Problem angegangen werden kann:
- individuell,
- institutionell und
- gesellschaftspolitisch.
ad 1) Es ist vor allem die individuelle Sichtweise, die diesen larmoyanten Beigeschmack hat. Wir sind ja selber "Schuld", wenn wir zu viel arbeiten. Organisiere Dich halt besser oder lerne "Nein" zu sagen und nimm nicht so viele Einladungen für Vorträge, Artikel etc. an. Ich gebe schon zu, dass hier sicherlich immer auch ein gewisses Optimierungspotential – wie es so schön in der Managementsprache heißt – liegt. Ich kann mich aber nicht den Eindruck erwehren, dass es in erster Linie ein Kampf um unsere Identität als ForscherInnen ist. Wenn schon nicht die Idee (obwohl ich glaube, dass da auch einiges faul ist!) dann aber sicherlich die Umsetzung des New Public Managements (NPM) ist aus meiner Sicht so nicht für die Universitäten tragfähig und für die Entleerung unserer inhaltlichen Tätigkeiten mitverantwortlich.
ad 2) Die Universitäten befinden sich selbst in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite sollen sie unter dem Titel der "Vollrechtsfähigkeit" eigenständig handeln, auf der anderen Seite werden ihnen durch die streng reglementierten BA-MA Studienordnungen mit den dazugehörigen Evaluierungen und Kontrollen sowie der nicht ausreichenden Finanzierung Rahmenbedingungen aufgezwungen, die das vollmundige Ziel der Autonomie ad absurdum führen. Dazu kommt noch, dass die Transparenz und damit auch die Verantwortung der EntscheidungssträgerInnen im "Bermuda"-Dreieck zwischen Hochschulleitung, Universitätsrat und Ministerium verloren geht. (Siehe dazu auch den kritischen Beitrag von Robert Pfaller: Ein Aufstand gegen die Kanalisateure des Wissens.)
ad 3) Die viel gepriesene Autonomie der Universitäten hat zu einem Rückzug der Verantwortung der Staates und damit auch der Finanzierung durch die öffentlichen Hand geführt, gleichzeitig aber werden die Rahmenbedingungen weiterhin von der Politik vorgegeben. So werden die steigenden Studierendenzahlen in Österreich – woran angeblich die Flucht der Deutschen vor den Numerus Clausus in ihrem eigenen Land die Hauptschuld haben soll – weder durch zusätzliche Budgetmittel und Personal noch durch Zulassungsbeschränkungen aufgefangen. Ich schreibe "angeblich", weil Österreich eigentlich höhere Studierendenzahlen von sich aus anstreben sollte: Wir stehen in unserer geringen Akademikerquote im internationalen OECD-Vergleich extrem schlecht da!
[In Deutschland übrigens sieht die Situation bezüglich Studierendenzahlen infolge der doppelten Abiturentenjahrgänge offensichtlich nicht viel besser aus; eine Belastung, die sich nach Meinung von Experten nicht durch eine einmalige Spitze bemerkbar macht, sondern sich durch Übertritt an die Uni durch Wehrdienst etc. über mehrere Jahre auswirken wird. Es wird also "keine Spitze geben, sondern ein Hochplateau, das langsam abbaut" (Thimo von Stuckrad vom deutschen Centrum für Hochschulentwicklung CHE).]
Sich stärker mit (Bildungs-)Ökonomie auseinandersetzen
Vor steigenden Studierendenzahlen führen die strategischen Ausrichtungen wie Kundenorientierung und Zielvereinbarungen (und wie die schönen Begrifflichkeiten des NPM auch alle lauten mögen) bei gleichzeitiger Einschränkung bzw. Stagnation der Finanzierung bloß zu einer stärkeren Lehr- und Verwaltungsbelastung und zu eine merkbaren Verschlechterung des internationalen Forschungsrankings (was ja auch schon sehr beklagt wird, siehe Die Presse und News).
Bisher war ich der Meinung, dass ich dieser unglücklichen Entwicklung durch konkrete Sacharbeit in meinem eigenen inhaltlichen Bereich (Mediendidaktik) ein Stück weit ignorieren kann. Ich war – etwa nach dem Motto: "Andere Baustelle" – der Auffassung, dass ich mich nicht "um alles", "um so grundlegende Rahmenbedingungen" etc. auch noch kümmern kann. Inzwischen glaube ich aber, dass man/frau sich dieser Entwicklung – und der damit verbundenen Fragestellung – nicht entziehen kann.
Ich habe den Eindruck, dass die Ökonomisierung der Bildung in Zusammenspiel von NPM eine äußerste negative Mischung abgibt. Bildung bloß als Ware anzusehen, halte ich schon alleine deshalb für falsch, weil die "Kunden" (wenn wir unsere Studierenden so nennen wollen) an der Produktion der "Ware" selbst mitarbeiten müssen, damit sie wirksam wird. Das macht Bildung grundsätzlich anders als all die anderen am Markt angebotenen Produkte. Die traditionelle Marktlogik, denen die NPM-Ansätze verpflichtet sind, ist aus meiner Sicht für Bildungsfragen (und damit für Bildungsinstitutionen wie Schulen und Universitäten) nicht anwendbar. Ich glaube daher, dass wir Bildungswissenschaftler uns stärker mit grundsätzlichen ökonomischen Fragestellungen beschäftigten sollten. Die noch recht junge Diskussion zur Steuerung von Bildungsprozessen (Educational Governance) läuft sonst Gefahr bloß ein weiterer Anwendungsfall von New Public Management zu werden.
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Re:Uni-Forschung: It's the economy, stupid
Hallo Peter, wir haben Ende 2008 mit unserem Miniverein Ökonomie & Bildung im Rahmen einer Veranstaltungsreihe bei der Hanns-Seidel Stiftung auf diese Entwicklungen hingewiesen. http://www.frank-vohle.de/node/170. Das betrifft eben nicht nur die Universitäten, sondern auch Schulen und Kindergärten. In früheren Jahren hatten wir im Verein immer das Problem, dass uns das Anschauungsmaterial fehlte, weil die E f f e k t e der gesellschaftspolitischen Entscheidungen (Ökonomisierung) noch "weit weg" waren. D.H., dass gefährliche an dieser subtilen Entwicklung ist, dass die Bildungsakteure erst rel. spät auf die Auswirkungen der Entscheidungen aufmerksam werden, du sagst, "Nicht meine Baustelle (gewesen)". Mit Bolonga ist es so gelaufen: Anfänglich waren die Rahmenvorgaben ok (rel. hoher Handlungsfreiraum bei Lehrenden, mann/frau konnte der Idee sogar was abgewinnen, das haben wir in Augsburg ja auch so empfunden und entsprechd den Freiraum genutzt). Durch die F o r m a l i s i e r u n g -Prozesse der Akkredittierungsanstalten wird die Ausgangsidee aber verdreht, man erstickt in ineffizienten Evaluationsverfahren und starren, wenig bedarfsorientierten Vorgaben, kurz: Form und Inhalt werden getrennt. Am Ende gibt es keine rechte Exit-Strategie, oder man risikiert z.B. den Preis der Nichtakkreditierung, was in einem Bildungsmarkt ungünstig scheint (entscheiden Studenten nach Labels?).
Mit Blick auf die Worte von Herrn Prof. Herrmann von der Technischen Universität München ("Wir machen den Quatsch nicht mit" => siehe Blogeintrag), kann man sich über eine angemessene "Bildungs-Ökonomie" Gedanken machen, ja da stimme ich dir zu! Die Herausforderungen liegen dabei meines Erachtens im Bindestrich.
Viele Grüße Frank
Re:Uni-Forschung: It's the economy, stupid
Hallo Peter,
erstens kann ich mich Frank nur anschließen. Zweitens bleibe ich vor allem an folgenden Sätzen hängen: "Zu meiner Kritik, dass sich sich ProfessorInnen immer mehr mit Verwaltung und Management statt Inhalten herumschlagen müssen, bekam ich einige zustimmende Rückmeldungen. Es ist interessant, dass diese zustimmenden Äußerungen meistens nicht im Weblog erfolgten, sondern als private Mail an mich gingen." Da kann ich nur zustimmen: Wenn ich in meinem Blog solche Themen anspreche (kommt ja ab und zu vor), dann wird da im Gegensatz zu anderen Inhalten, wesentlich weniger kommentiert. Es wird aber auch weniger abgerufen! Und man liest auch in anderen Blogs eher weniger darüber. Gründe? Vielleicht werden negative Folgen befürchtet, z.B. wenn Mitglieder von Unileitungen und Gremien mitlesen und sich auf die Füße getreten fühlen. Vielleicht empfinden andere die aktuelle Situation aber auch anders und es gibt einfach weniger Zustimmung bei dieser Form von Kritik. Vielleicht sagen sich aber auch viele, dass das Klagen eh nichts nutzt und verwechseln das mit einer öffentlichen Diskussion, die dann vermieden wird (man will schließlich nicht als Bremser oder als jemand dastehen, der von gestern ist). Vielleicht gibt es aber noch viele andere Gründe - ich weiß es nicht. Aber was kann man tun? In die Politik gehen? Zum Querulanten werden? Passiven Widerstand leisten? Den Kontext ausblenden und da, wo man selbst gestalten kann, das Maximum rausholen und sonst still halten? Sich aufs Bloggen beschränken oder auch damit aufhören? Was willst DU tun?
Gabi
Re:Uni-Forschung: It's the economy, stupid
@gabi:
>>> Aber was kann man tun? In die Politik gehen? Zum Querulanten werden? Passiven Widerstand leisten? Den Kontext ausblenden und da, wo man selbst gestalten kann, das Maximum rausholen und sonst still halten? Sich aufs Bloggen beschränken oder auch damit aufhören? Was willst DU tun? <<<
Peter tut das einzig Richtige, er schreibt darüber. Und Leute wie ich, die primär eigentlich nichts damit zu tun haben, lesen es, und beginnen sich ihre Gedanken darüber zu machen, sich Sorgen um ihre Kinder die mit dieser Bildungspolitik leben müssen zu machen, oder erfahren einfach Neues oder neue Blickwinkel über das Thema.
Keiner muss in die Politik gehen, querulieren, rebellieren oder revolutionieren. Kann man auch (noch) nicht. Weil viel zu viele in der Bevölkerung nicht wirklich Bescheid wissen. Aber jedermann kann eines tun: Nämlich andere zu informieren, aufzuklären und Diskussionen anstossen. Dies ist oftmals mehr wert als eine aussichtslose Revolution zu starten, oder mit dem Kopf gegen eine Wand zu rennen die man doch nicht einreissen kann. Zumindest nicht alleine. Wenn aber genügend auseichend darüber aufgeklärt sind und eine Meinung teilen, gelingt es vielleicht doch. Zumindest wenn wir dann noch behaupten können wir leben in einer Demokratie.
Just my 2 cents
-Robert
Habitate für die Forschung generieren
Anmerkungen zu: Creating a World Without Poverty – Social Business and the Future of Capitalism (Muhammad Yunis)
Ich habe vor einigen Wochen Creating a World Without Poverty – Social Business and the Future of Capitalism gelesen. Darin legt der durch die Mikrokredite bekannt gewordene Ökonom und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus eine hoch interessante Zukunftsvision vor. Er vertritt in seinem zweiten Buch die These, dass neben den "normalen" auf Profit ausgerichteten Firmen (Profit Maximazing Business, oder PMB) Unternehmen gegründet werden sollen, die ausschließlich soziale Ziele verfolgen sollten (Social Business oder Soziales Unternehmen - als Fachbegriff schreibe ich "Soziales Unternehmen" im weiteren Text immer mit großem "S"). Siehe dazu auch die Linksammlung im Anhang dieses Beitrags.
Im ersten Blick scheint es sich um eine verrückte – im besten Fall gut gemeinte aber illusionäre – Idee zu handeln: Warum sollten Kapitalgeber auf Profite verzichten und sich darauf beschränken nur ihre Investitionskosten zurück zu bekommen? Bei näheren Hinsehen stellt sich aber heraus, dass der Ökonom Yunus einen Vorschlag unterbreitet, der auf eine humanere, aber durchaus realistische alternative Perspektive innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung hinaus läuft. Und das frappierende daran: Die allgemeine Struktur seiner Idee könnte vielleicht auch auf andere gesellschaftliche Bereiche (z.B. der universitären Forschung) nutzbringend angewendet werden.
Was sind Soziale Unternehmungen?
Soziale Unternehmen sollen zwar das in sie investierte Kapital erwirtschaften und zurückzahlen und haben auch einen oder mehrere Eigentümer. Sie sind also nicht mit einer "Vergesellschaftung" und/oder Verstaatlichung im sozialistischen/marxistischen Sinne gleich zu setzen. Wenn Investition inklusive Zinsen zurückgezahlt worden sind, erwirtschaften Soziale Unternehmen immer noch einen Überschuss. Doch wird dieser Gewinn nicht mehr an den Eigentümer abgeführt, sondern in die sozialen Sache re-investiert d.h. so eingesetzt, dass er maximal dem verfolgten sozialen Anliegen dient.
Das klingt am Anfang ziemlich verrückt: Warum auch sollten Investoren dies tun, war auch ich anfangs sehr skeptisch. Nun – so antwortet Yunus mit einer Gegenfrage – warum gibt es dann Wohlfahrts-Unternehmen (Charities)? Das ist ja nach der oben unterstellten Logik noch viel verrückter, weil dabei Geld ohne jegliche Rückflussmöglichkeit einfach weg gegeben wird. Für Yunus gibt es viele Menschen, die Gutes tun wollen, dies aber unter der normalen Profitlogik nicht tun können. Es bieten sich daher zwei Alternativen an:
- Geld, Geräte, Kleider, Arbeitszeit etc. an soziale Projekte verschenken: Es hat sich aber gezeigt, dass diese "Geschenke" eine nachteilige Struktur der Abhängigkeit implizieren. Namhafte ExpertInnen der Entwicklungshilfe weisen in aktuellen Studien nach, dass diese "Hilfen" nicht nachhaltig wirken. Mehr noch: Diese Hilfen stiften auf lange Sicht keinen Nutzen, sondern sind sogar schädlich. Dambisa Moyo ist sogar der Auffassung, dass die Entwicklungshilfe eine der Hauptverursacher für die Armut in der 3. Welt ist.
- Profitziele mit sozialen Zielen koppeln: Die Hoffnung, dass neben dem Profit auch andere soziale Ziele (wie Umwelt, soziale Verantwortung) gleichermaßen verfolgt werden können (sog. "pluralistisches Zielsystem"), ist eine seltene Ausnahme und meistens daher eine Illusion: Im Konfliktfall ist es immer nur die Profitlogik, der gefolgt werden muss, weil das Unternehmen sonst nicht am kapitalistischen Markt bestehen kann.
Yunus bietet nun eine dritte Alternative an: Soziale Unternehmen verpflichten sie gleich zu Beginn (bei ihrer Gründung) gegenüber den Investoren den Kapitaleinsatz zwar zurückzuzahlen, stellen aber von vornherein klar, dass die Maßstäbe, nach denen ihre Effektivität und Effizienz gemessen wird, nicht der kapitalistischen Profitlogik, dem sogenannten Shareholder Value, unterliegt. Vielmehr muss der Erfolg eines Sozialen Unternehmens daran gemessen werden, inwieweit es in der Lage ist mit den eingesetzten Mittel die gestellten soziale Ziele effektiv und effizient zu erreichen.
Soziale Unternehmen konkurrenzieren sogar am Markt mit den PMBs – müssen sie doch sowohl Kundenwünsche nicht nur befriedigen, sondern auch zu einem Preis anbieten, der gegenüber den profitmaximierenden Unternehmen bestehen kann. Yunus hebt hervor, dass Soziale Unternehmen eine enorme intellektuelle Herausforderung für junge, innovative UnternehmerInnen darstellen und will sie auch auf einer eigenen Börse – einem "Social Dow Jones Index" – handeln. Über erfolgreiche soziale UnternehmerInnen soll berichtet werden, sie sollen ebenfalls als Helden gefeiert werden, so wie es die Presse mit den erfolgreichen Führungskräften von PMBs macht.
So verrückt diese Idee für mich auf den ersten Seiten auch klang, desto mehr wurde ich mit fortschreitender Seitenanzahl überzeugt. Yunus ist kein Spinner, er hat bereits mit seinem Mikrokrediten riesigen Erfolg gehabt. Nicht nur hunderte Millionen Menschen haben weltweit bereits Mikrokredite in Anspruch genommen und Yunus hat nachweislich mit seiner Initiative in Bangladesh bereits zu einer wesentlichen und deutlich messbaren Reduktion von Armut beigetragen. (Nebenbei gemerkt, ist es nicht die bloße die Idee der Mikrokredite gewesen, die den Erfolg gebracht hat. Vielmehr war diese Initiative deshalb erfolgreich, weil die Grundidee der Mikrokredite mit einem riesigen, sehr differenzierten und auf die jeweiligen Verhältnisse angepassten Bildungsprogramm unterstützt bzw. begleitet wurde. - Doch das ist eine andere Geschichte und ein anderes Buch: Banker for the Poor.)
Habitate für eine andere Logik generieren
Interessanterweise lässt sich eine wesentliche Konsequenz aus der Idee der Sozialen Unternehmung von Yunus verallgemeinern: Es ist innerhalb der kapitalistischen Logik nicht möglich neben dem Ziel der Profitmaximierung gleichrangig und gleichwertig auch Ziele zu verfolgen. Die allgemeinen Rahmenbedingung unserer Wirtschaftsordnung sind so gestrickt, dass andere betriebswirtschaftliche Ziele nur soweit erfolgreich umgesetzt werden können, als sie der allgemeine Profitlogik nicht langfristig widersprechen.
Damit wie andere Ziele langfristig und mit aller Kraft verfolgen können brauchen wir – um in der Sprache der Ökologie zu sprechen – ein eigenes Habitat (Lebensraum), damit sich diese anderen – die sozialen – Ziele entwickeln und umsetzen lassen. Zwar können beide Ausrichtungen auf demselben Markt existieren, doch funktionieren sich nach einer unterschiedlichen inneren Logik. Daher müssen die "schwächeren" sozialen Ziele durch eigene Vereinbarungen (eine d.h. eigene innere Logik) geschützt werden.
Ich glaube, dass diese Idee der getrennten "Habitate" auch für Privatuniversitäten – und leider immer mehr auch für das gesamte Universitätssystem – von Bedeutung sind. Es ist kein Zufall, dass die Logik der Drittmittelfinanzierung immer dominanter wird und – wie Richard Münch in Die akademische Elite gezeigt hat – unbeabsichtigte nachteilige Folgen für die Entwicklung der Forschungsexzellenz mit sich bringt (Siehe auch meine Rezension dazu): Viele der von DrittmittelforscherInnen notwendigerweise entwickelten Kompetenzen (Screenen von Forschungsprogrammen, Anträge schreiben, Forschungsinteressen nach den Ausschreibungskriterien zurecht biegen, Forschungsmanagement etc.) haben sehr wenig mit dem Gewinnen neuer Erkenntnis zu tun. Die Drittmittelforschung folgt einer anderen inneren Systemlogik, die sich in einer endlosen Spiralbewegung immer mehr vom eigentlichen Ziel (dem Erkenntnisgewinn) entfernt – schließlich müssen sich ja die Drittmittelstellen immer wieder reproduzieren. Ähnlich wie bei den PMBs, die immer größer werden müssen um im Konkurrenzkampf zu bestehen (also das, was Marx die Kapitalakkumulation genannt hat), führt das von Münch kritisierte dominante naturwissenschaftliche Paradigma zu immer größeren und riskanteren Großforschungsprojekten.
In gewisser Weise ist der Trend nach einer Aufspaltung von Lehr- und Forschungskompetenzen, wie wir sie in europäischen Ländern immer stärker sehen, eine (falsche!) Anwendung dieser Habitat-Idee. Die finanzielle Aushungerung der Universitäten macht immer deutlicher, dass die Hochschulen ihren Aufgaben in vollem Umfange nicht mehr nachkommen können. Die Trennung von Forschung und Lehre kann selbstverständlich dieses Problem unter den gleichen finanziellen Rahmenbedingungen nicht lösen, sondern soll die Mittelzuweisung direkter gestalten helfen. Statt mit den Universitäten einen Globalhaushalt zu verhandeln, birgt die Trennung der beiden Bereiche die sich klar abzeichnende Gefahr in sich, dass die Forschungsressourcen auf Kosten der notwendigen Mitteln zur Bewältigung des steigenden Studierendenzahlen weiter relativ eingeschränkt werden. Es werden dann von staatlicher Seite die beiden Teile (Lehre und Forschung) direkt alimentiert. Und wer hier benachteiligt werden wird, ist jetzt schon klar. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass Investitionen in die Forschung langfristiger anzulegen sind und die erzielten Wirkungen sich nicht so klar quantitativ und direkt zuordnenbar messen lassen.
Und wieder sind wir bei der Ökonomie angelangt
Also auch hier von dieser Seite gesehen: Wir brauchen – und das ist eine Grundbedingung für jegliche weitere Diskussion, Um- oder Neuorientierung – eine ausreichende Finanzierung von Lehre und Forschung. Und dann stellt sich natürlich die Frage aus dem Liedtext von Gus Backus: Wer soll das bezahlen? Und wieder sind wir bei der Ökonomie angelangt (Vgl. meinen anderen Weblog-Eintrag: Uni-Forschung: It's the economy, stupid.)
Aber das ist eine andere Fragestellung, auf die ich später nochmals zurück kommen möchte. Nur eines möchte ich jetzt bereits pauschal deutlich machen: Ich halte die Forderung nach ein gebührenfreies Studium bzw. Abschaffung der Studiengebühren für die Zementierung einer soziale Ungerechtigkeit!
Nach wie vor sind die Kinder der ärmeren Schichten in der Studierendenpopulation unterrepräsentiert. Damit aber finanziert die breite Masse der Bevölkerung über die Steuern das Studium der Mittelschicht und der Reichen, die – nach erfolgreichem Abschluss des Studium – auch weiterhin zu den besser verdienenden Schichten gehören. Die scheinbar sozial-radikale Forderung nach gebührenfreien Hochschulzugang erweist sich so als eine Spirale der sozialen Ungerechtigkeit. Die immer wieder geäußerte Idee eines Darlehens für Studiengebühren, die von sozialkritischen Leuten ("Linken") stark angefeindet wird, halte ich – verbunden mit einem die sozialen Unterschiede abfedernden Stipendiumsystem für eine gute und auch sozial gerechtere Lösung. Aber wie gesagt: das hoffe ich später noch mal ausführlicher darstellen zu können (vgl. aber trotzdem jetzt schon den älteren Beitrag von Pechar und die Neuauflage der Diskussion Kommentare der Anderen im Zusammenhang mit der aktuellen Protestwelle auf derStandard.at)
Die Frage, die ich in diesem Beitrag aufgeworfen habe, jedoch vorerst unbeantwortet lassen muss, lautet: Wenn es richtig ist, dass die Forschung nach einer anderen inneren Logik funktioniert als es Lehre und Verwaltung tun, wie kann dann ein Habitat, Lebensraum, Biotop für die Forschung aussehen? Was muss getan werden, damit Forschung im Konfliktfall der sich verengenden Ressourcen trotzdem weiter gedeihen kann?
Natürlich wäre ich sehr froh, wenn ich von LeserInnen auf mögliche Lösungen hingewiesen werde! Aber das ist vielleicht zu unbescheiden, zu viel verlangt. Mir würde es schon reichen, wenn es eine Diskussion darüber gibt, ob überhaupt meine Ausgangsfrage richtig gestellt ist!
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Komplexe Forschungsergebnisse präsentieren
Auf der didacta 2011 in Stuttgart habe ich einen eingeladenen Vortrag zu "Lernen für kompetentes Handeln - Die Zukunft von Bildungsszenarien" gehalten. Zum ersten Mal habe ich dabei versucht meine bisherigen Ideen zum Thema E-Learning mit neueren Forschungsfragen zur allgemeinen Didaktik in einem einzigen Referat zu verknüpfen.
Schwierigkeiten der Popularisierung theoretischer Forschungsthemen
Meine inhaltlichen Ausführungen zum Aufbau der Taxonomie sind nicht nur komplex sondern auch recht umfangreich. Nicht umsonst arbeite ich an diesem Problem schon nunmehr - mit Unterbrechungen - seit mehr als sieben Jahren. Dementsprechend wird das geplante Buch "Plädoyer für didaktische Vielfalt - Eine Taxonomie von Unterrichtsmethoden" (Arbeitstitel) etwa 400 Seiten Umfang oder sogar darüber haben. Obwohl ich mich mit vielen Grafiken und Tabellen bemühe die Thematik verständlich aufzubereiten, wird das Buch kaum Redundanzen haben, d.h. sehr dicht geschrieben sein. Als allgemeiner Rahmen wird es Potential für einige Folgebände haben (z.B. zu den einzelnen Grundkategorien der Taxonomie).
Es ist aus diesem Grund nicht ganz einfach so ein komplexes und umfangreiches Forschungsprogramm, das auf 10-15 Jahre angelegt ist, in 15 Minuten so zu referieren, dass es "knackig" einem gemischten Publikum vermittelt werden kann. Dazu kommt noch, dass ich in vielen Punkten selbst noch Unklarheiten habe und einige wichtige Forschungsfragen noch immer ungeklärt sind.
Trotzdem glaube ich, dass das Wechselspiel von spezialisierter Forschung und Popularisierung sehr wichtig ist. Es zeigt mir z.B. deutlich, wo ich grundlegende Ideen noch nicht so klar ausgearbeitet habe, dass sie entsprechend gewürdigt werden können. Ich meine hier damit nicht, dass dies eine Zustimmung bedeuten muss, sondern nur, dass darüber diskutiert wird. Ich glaube nämlich, dass es zwei Voraussetzungen für eine anregende Diskussion bedarf:
- Die Präsentation des Themas muss motivierend und involvierend sein
- Die Gedanken müssen so klar und deutlich (vielleicht auch sogar provozierend) sein, dass es genügend Anknüpfungspunkte für Kommentare, Anregungen, Kritiken gibt.
Von der Gestaltung von E-Learning Szenarien zum Blended Learning Design
Es ist natürlich leichter für mich persönlich bei Einladungen für Referate auf bekanntem Terrain zu bleiben. Das bedeutet, dass bereits ein bewährtes Gerüst von Gedankengängen referiert wird und immer nur ein paar Folien (1-2 Argumentationsstränge) neu in die Diskussion gebracht werden.
Ein Thema komplett neu zu öffnen ist auch deshalb schwierig, weil die Erwartungshaltung der einladenden Organisation und des Publikums enttäuscht werden können. Sie verbinden sowohl mit der Einladung als auch mit den Namen bestimmte Themenstellungen. Es gibt hier einen unvermeidlichen Time-Lag in der Rezeption: So wurde ich nach meiner Schwerpunktsetzung zu Evaluierung von mediengestützten Lehr- und Lernprozessen Ende der 90er-Jahre immer noch 2005 mit diesem Thema assoziiert und zu Vorträgen eingeladen, obwohl mich bereits ganz andere - mehr bildungstechnologische - Fragestellungen interessierten.
Eine ähnliche Situation erlebe ich jetzt wieder: Meine Fragestellung knüpfen zwar nach wie vor bei E-Learning an, sind aber nun allgemeiner gefasst indem sie sich nun auf die Gestaltung von Blended Learning beziehen und damit automatisch auch die Planung und Gestaltung von "traditionellen" Präsenzunterricht stärker in den Fokus kommt. Mein Interesse ist nun – vor allem durch die intensivere DoktorandInnen-Betreuung und den neuen Aufgaben an der Donau-Universität Krems - stärker von Themen aus den Bereichen der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie geprägt. Vor allem aber behandle ich Fragen der didaktischen Gestaltung nicht mehr fokussiert auf E-Learning, sondern integrativ auf Blended Learning Szenarien bezogen. Das führt automatisch zu einer stärkeren Fokussierung von allgemeiner Didaktik bzw. zu Fragen des generellen didaktischen Designs.
Nur weiß das offensichtlich noch niemand so recht - weil ich dazu noch recht wenig publiziert habe ;-)
PS.: Ich habe jetzt eine neue Kategorie für Beiträge zur "Taxonomie" eingerichtet, die ich bisher unter "Forschung" oder unter "Musteransatz" eingeordnet habe. Wer sich mehr für Beiträge zum Musteransatz interessiert: Ein Klick auf die entsprechende Kategorie in diesem Artikel listet alle bisherigen Weblog-Beiträge zur Musteransatz auf.
Mustertheorie
Größe:
1 kB
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File type
text/plain
Handlungsmuster und Ganzheitlichkeit – Implikationen des Muster-Ansatzes von Christopher Alexander für die Didaktik
Größe:
472.8 kB
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File type
application/pdf
Unterrichtsmethoden als Handlungsmuster - Vorarbeiten zu einer didaktischen Taxonomie für E-Learning
Größe:
220.4 kB
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File type
application/pdf
Lernen für kompetentes Handeln
Größe:
4.9 MB
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Strategien
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Musteransatz


Lieber Peter Baumgartner,
Wenn – wie Sie in diesem Beitrag schreiben – die Lektüre von Richard Münchs “Globale Eliten …” für Sie anregend, geradezu erschütternd war, dann gefällt Ihnen womöglich auch das Buch “Globale Immunität oder Eine kleine Kartographie des europäischen Bildungsraums” von Jan Masschelein und Maarten Simons – erschienen bei Diaphanes 2005 (http://tinyurl.com/ybrmhh3). Dieses kleine, m.E. gut lesbare Büchlein versucht, im Anschluss an Foucault (auf den sich ja auch Münch bisweilen bezieht, worauf wiederum Sie hinweisen) und im Anschluss an die ihrerseits an Foucault anschließenden Gouvermentalitäts Studien den neu entstehenden europäischen Hochschulraum zu vermessen. Anders als Münch haben die Autoren dabei insbesondere die darin zunehmend zur Wirkung kommenden Subjektivierungsweisen im Blick, mit denen sich die beteiligten Akteure konfrontiert sehen. Damit stehen u.a. auch Fragen der Selbststeuerung, -kontrolle, -bestimmung und -des Selbstmanagements im Zentrum der Studie. Auch das Portfolio (was ja jüngst in Hamburg unser gemeinsames Thema war) wird auf S. 39 explizit benannt.
Vielleicht haben Sie Freude dran. Mich würde es freuen.
herzlichen Gruß
Stephan Münte-Goussar
Vielen Dank für den Literaturtipp. Soeben bestellt!