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Hast Du schon "gedoodled"?

Doodle: Ein praktisches Online-Werkzeug zur Koordinierung von Terminen

Doodle - Beispiel

Kennen Sie das Problem? Sie senden Terminvorschläge an ihre Arbeits- bzw. Projektgruppe. Wenn Sie Glück haben, dann bekommen sie von der Mehrheit der Gruppe recht schnell Antworten. Abgesehen davon, dass Sie mit Mails überhäuft werden, bleibt es häufig undurchsichtig, welcher der nun vorgeschlagenen Termine der Beste wäre. Die einen können bei ersten Terminvorschlag nicht, der dritte ist zwar machbar, am Besten wäre aber der zweite. Bei anderen ist es gerade umgekehrt. Diese und andere Probleme können Sie mit dem kostenlosen Online-Umfragewerkzeug Doodle lösen.

Doodle kann aber noch vieles mehr: Sie können das Werkzeug auch für anderen Arten von Umfragen (z.B. zur Auswahl eines Restaurants aus einer Liste, oder eines Tagungsortes, eines Logos etc.) verwenden. Das Schöne daran ist, dass die TeilnehmerInnen den Stand der Umfrage mitverfolgen können und ihre Präferenzen entsprechend abändern können. Wenn ich sehe, dass meine Terminpräferenz keine Chance hat eine Mehrheit zu gewinnen, so kann ich sie auf einen Termin abändern, der zwar nicht ganz so günstig ist für mich, wo ich aber - trotz einiger Unannehmlichkeiten – immerhin immer noch teilnehmen könnte. – Das ist aus meiner Erfahrung besonders hilfreich bei den häufig emotional geführten Logo-Diskussionen, die nicht selten zu Pattstellungen führen und gleich zu Beginn von Projekten unnötige Energien verschwenden ;-)

Mit Doodle können Sie als Administrator (die Person, die die Umfrage begonnen hat) auch die Geschichte des Verlaufs der Entscheidung verfolgen. Wenn Sie die admin-URL auch den anderen TeilnehmerInnen einer gleichberechtigten Arbeitsgruppe zur Verfügung stellen, so kann dies jeder tun. Das Ergebnis lässt sich fein säuberlich als Excel-Datei herunter laden und ist gleichzeitig eine Dokumentation der Entscheidung: Wer hat für was gestimmt.

Ein Vorteil ist nicht nur die Übersichtlichkeit des Ergebnisse auch während des Auswahlprozesses sondern auch die Vermeidung von Mails. Zwar ist es vorstellbar, dass jemand die Hauptverantwortung der Terminkoordination übernimmt. Das bedeutet, dass jeder seine möglichen Termine nur an diese eine Person sendet. Meistens werden aber diese Mails immer an die ganze beteiligte Gruppe gesendet. Doodle verhindert den unangenehmen Push-Charakter der Umfrage (Weil die Mails zu einem Zeitpunkt kommen, den ich nicht bestimmten kann, bin ich mit dieser Terminabfrage zu Zeitpunkten beschäftigt, die ich nicht selbst steuern kann.) und wandelt ihn in einem Pull-Prozess um (d.h. ich wähle selbst den Zeitpunkt, wann ich mich mit diesem Problem beschäftigen will, indem ich auf die Umfrage URL gehe und meinen Eintrag mache, bzw. nachschaue, wie der aktuelle Stand aussieht.)

Ich habe diesen Hinweis im Rahmen des GMW-Vorstandes – als wir im Nachklang der Tagung in Hamburg einen gemeinsamen Termin suchten - kennen gelernt. Ursprünglich wollte ich den Hinweis zu diesem Werkzeug auf unsere Plattform des Departments bildungstechnologie.net stellten. Peinlich: Dort gab es bereits dazu einen Artikel zu Doodle! Man (ich!) sollte die eigenen Webauftritte ständig und regelmäßig mitverfolgen.... (Dieser Beitrag ist aber keine Doppelung, sondern eine inhaltliche Ergänzung mit anders gelagerten Überlegungen zu Doodle.)

Doodle - Ein Werkzeug für Online-(Termin)Umfragen Doodle - Ein Werkzeug für Online-(Termin)Umfragen
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Werkzeuge Werkzeuge
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Zotero: Research, not re-search

Zotero - DER persönliche Forschungsassistent

Zotero Annotieren
Zotero Grundfunktion
Zotero Server

In den letzten Tagen habe ich einige persönliche Erfahrungen mit Zotero gesammelt. Je mehr ich es benutze, desto mehr bin ich begeistert von diesem Werkzeug! Es ist nicht nur ein fantastisches Instrument zur Forschungsunterstützung, sondern das Management von (Web-)Quellen ist wohl erst der Anfang einer vielversprechenden Entwicklung – wie es in auch einem der sich wechselnden Sprüche auf der Titelseite nicht zu unrecht verheißungsvoll heißt.

Ursprünglich hatte ich Zotero zu Weihnachten im Zusammenhang meiner Recherchen zu wissenschaftlich.arbeiten.buch wahrgenommen. Dabei ist es mir vor allem im Kontext des Sammelns von webbasierten Literaturquellen untergekommen. Möglicherweise ist deshalb mein Wahrnehmung anders fokussiert – um nicht zu sagen: beschränkt – gewesen ;-).  Zotero kann nämlich viel mehr. Es ist wirklich eines der Programme, wo sich die Empfehlung RTFM wirklich auszahlt – insbesondere auch deswegen weil es als wunderschöne screencasts als Tutorials dazu gibt.

See it. Save it. Sort it. Search it. Cite it.

Das war in etwa meine erste Wahrnehmung von Zotero: Ich kann Literaturquellen im Internet aufsuchen (angefangen von amazon.com, über Google Scholar und Google Books bis hin zu lokalen Universitätsbibliothekskatalogen wie z.B. der Uni Wien) und gleich Bibliografie- bzw. zitierfähig im Firefox Browser abspeichern. Es gibt eine sehr umfassende Liste von mit Zotero kompatiblen Websites, bei der allerdings die hiesigen Bibliothekskataloge leider noch kaum vertreten sind. Trotzdem aber lässt sich mit Zotero – gerade auch in Zusammenhang von einschlägigen Social Software Websites wie Bibsonomy, CiteULike oder LibraryThing – nicht nur so ziemlich alle Literaturquellen erfassen, sondern auch gleich serienweise übernehmen.

Diese Bibliografiedaten können nun mit den verschiedensten Methoden (darüber weiter unten noch genauer) strukturiert, annotiert und in Literaturdatenbanken exportiert werden. Nach der Installation spezieller Erweiterungen (PlugIns) für MS Word und OpenOffice (bzw. NeoOffice am Mac) verwaltet Zotero auch noch die Literaturstellen im (Offline) Text (Kurzbeleg und Literaturverzeichnis). PlugIns für weitere Textverarbeitunsprogramme sing geplant. Und das Ganze steht zur freien (kostenlosen) Verfügung und ist Open Source Software.

Forschungswerkzeug mit neuer Qualität

Soweit - so gut. Sind ja schon diese Features phänomenal. Aber der Gag liegt im Detail, nämlich wie strukturiert und annotiert wird. Es sagt sich so leicht "annotiert". Ich dachte zuerst, damit ist vor allem das hierarchische Gliedern in Ordner bzw. mit Schlüsselwörter sowie das Erstellen von (beliebig vielen) Notizen gemeint. So nach dem Motto: "Goodbye 3x5 cards, hello Zotero." - noch einer der Sprüche, die auf im Banner erscheinen. Der Vergleich mit den Karteikarten ist leider extrem irreführend, weil er gerade nicht zeigt, worin Die Macht der neuen digitalen Unordnung liegt.

Es ist meiner Ansicht nach vor allem die nahtlose Integration von Informationen, die Zotero als digitales Persönlicher InformationsManager (PIM) so vortrefflich löst - und die eben gerade nicht mit den guten alten Karteikarten funktioniert: Alle digitalisierte Informationen haben den gleichen (Bit-)Charakter. Egal von woher die Information ursprünglich stammt, auf welchen physikalischen Substanzen sie transportiert und damit auch welche physikalische Form sie daher annehmen muss - auf der Bitebene gibt es keine Unterschiede. Während das Buch und die dazugehörige Karteikarte des Bibliothekskatalog eine sauber getrennte (atomare) Identität in der physikalischen Welt führen, ist in der digitalen Welt das Buch und die dazugehörige Karteikarte prinzipiell austauschbar. Wer verweist auf wen, was ist der Kommentar und was der "eigentliche" Text - das alles ist nicht mehr unterscheidbar. Weil alle Informationen auf ihrer Bitebene gleichwertig sind können sie beliebig manipuliert und zu neuen Informationseinheiten integriert werden. Das ist nicht nur ein Add-On sondern damit entsteht eine völlig neue Qualität in der Informationsverarbeitung, die ich am Beispiel von Zotero aufzeigen möchte:

Alles ist immer und überall

  • In Zotero können Sie Ihre Bibliografie-Einträge (Karteikarten) nicht nur annotieren (ein dazugehörige Notiz schreiben) sondern auch mit Dateien auf ihren PC verknüpfen. Und das schöne dran: Wenn Sie die Datei in einen anderen Ordner kopieren, findet sie Zotero weiterhin. Der physikalische Aufenthaltsort ist in der digitalisierten Welt nicht mehr relevant.
  • In Zotero können Sie einen screenshot von einer Website erstellen und haben daher sowohl den Informationsstand (z.B. für spätere Referenzierbarkeit) "eingefroren"  als auch alle Referenzen und Materialien (z.B. alle  Grafiken) zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung. Sie können diese lokale Website wie mit einem traditionellen Markierstift gelb auszeichnen und Notizen im PostIt-Stil dazu schreiben und an den entsprechenden Stellen anhängen. Abgesehen, dass die lokale Website der originalen Website täuschend ähnelt und alle Funktionalität wie z.B. aktive Links beibehaltet, entsteht durch die Integration Ihrer Ergänzungen ein komplett neues Informationselement, das wiederum annotiert, mit Dateien verknüpft werden kann usw. usf.
  • In Zotero können Sie Ihre Informationen in einer hierarchisch gegliederten Ordnerstruktur abspeichern. Zum Unterschied von einer normalen Bibliothek wo eine Kopie eines Buch nur auf einem Standort stehen kann oder aber mehrere Kopien dann auch entsprechend teurer und mehr Platz beanspruchen, können Sie die digitalisierte Information beliebig kopieren und in beliebig viele Ordner legen. Jede Änderung in einer dieser Kopien ist auch in allen anderen Kopien dieser Information sichtbar.
  • In Zotero können die verschiedendsten und sehr umfangreichen Arten von biografischen Informationen (z.B. Buch, Artikel, Website etc.) selbst wieder als Sammlung zusammengehöriger Informationselemente organisiert werden (Links, Screenshots, Notizen, Dateien). Wiederum können Sie jedes dieser Elemente mit Tags versehen.
  • In Zotero können Sie durch das Anhängen von Schlüsselwörtern (Tags) quer über Ihre hierarchische Informationsstruktur neue Kollektionen Ihrer Informationselemente zusammen stellen.

    Ein interessantes (theoretisches wie praktisches) Problem sei hier am Rande erwähnt: Weil die Informationselemente in alle Ordner kopiert werden können und andererseits jedes Informationsitem mit beliebig vielen Tags versehen werden kann, sind die Tags in gewisser Weise mit den Ordnern austauschbar. Wann verwende ich am Besten was? Oder brauche ich überhaupt beide Gliederungssysteme? Könnte ich z.B. nach dem Motto von David Weinberger "Alles gehört in die Kategorie Verschiedenes" nicht bloß mit Tags das Auslangen finden?


    Ich habe das probiert aber dann bald bemerkt, dass die Listen der Informationseinheiten zu lang und unhandlich werden. Ich bin jetzt dazu übergegangen Ordner für klar ersichtliche und gut abgrenzbare Sammlungen von Items anzulegen. Also z.B. einen Ordner "Tools" für Softwarewerkzeuge mit verschiedenen Unterordnern wie "Bibliografie", "Textverarbeitung" etc. "Tools" selbst wiederum ist selbst ein Unterordner von "wiss.Arb" und damit Teil meiner Sammlung zum derzeit aktuellen Buchprojekt. Es gibt natürlich auch Werkzeuge, die nichts mit wissenschaftlichen Arbeiten zu tun haben. Diese Items ordne ich  in den entsprechenden Ordner z.B. "Mac" ein und hänge ihnen das Schlüsselwort "tool" an. Tags sind flexibler und lassen sich daher leichter – im Nachhinein ! – mit beliebig viele UND-Operator verknüpfen. Während ich für jede logische UND-Verknüpfung auf Ordnerebene einen entsprechende differenzierte Suche durchführen muss bzw. einen speziellen intelligenten Suchordner anlegen muss, brauche ich bei den Tags nur die betreffend Kombination der Tags anklicken.

  • In Zotero können Sie außerdem auch noch jedes Informationselement mit einem anderen Item individuell in Beziehung setzen und damit eine Art Zusammengehörigkeit ausdrücken. Sie bekommen dann für jedes Item auch gleich die Hinweise zu anderen relevanten anderen Items und zwar unabhängig von der bestehenden Ordnerstruktur und den verwendeten Tags.

Und wie geht es mit Zotero weiter?

Zotero ist vom Center for History and New Media der George Mason University entwickelt worden. Das Projekt wurde durch das United States Institute of Museum and Library Services, der Andrew W. Mellon Foundation, und der Alfred P. Sloan Foundation finanziert.

Erst kürzlich (im Dezember 2007) wurde dass Projekt mit weiteren 1.2 Millionen Dollars von der Andrew W. Mellon Foundation gefördert und das Center for History and New Media soll gemeinsam mit dem Internet Archive neue Services entwickeln. Der wesentliche neue Entwicklungssprung von Zotero 2.0 werden Web 2.0 Server Features sein. Es soll damit ein gemeinschaftliches  Managen von Forschungsresosurcen ermöglicht werden:

  • Kooperatives Sammeln und Zusammenstellen von forschungsrelevanten Quellen und Public Domain Dokumenten
  • Bilden von Forschergruppen in allen möglichen (und unmöglichen) Fachcommunites (Ich hoffe, dass man wie in CiteULike solche Gruppen selbst eröffnen wird können)
  • Gemeinschaftliches Bewerten der Ressourcen durch einen Empfehlungsmechanismus
  • Anbieten von bibliografischen Feed (Ich hoffe, dass solche Feeds nach allen möglichen Kriterien (Forschungsgruppen, Tags, Empfehlungen) und deren Kombinationen einrichten wird können.
  • Einrichten und Bekanntgabe von Programmierschnittstellen (APIs) für die Integration anderer Services mit Zotero (sog. Mash-Ups)

All das klingt sehr vielversprechend und es ist daher keine Übertreibung, wenn es in einen der Bannerslogans heißt: "Citation management is only the beginning" und Zotero als "The next-generation research tool" bezeichnet wird.



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LEO Übersetzungsdienst integrieren

Eine Übung im Persönlichen Informationsmanagement (PIM)

LEO 1
LEO 2
LEO 3
LEO 4

Müssen Sie nicht auch ständig ein englisches Wort nachschlagen oder suchen eine Übersetzung für ein deutsches Wort? Meine bevorzugte Adresse dafür ist LEO (Link Everything Online). Natürlich weiß ich die Adresse von LEO schon längst auswendig. Wegen der häufigen Verwendung brauche ich in meinem Browser bloß den Wortanfang einzugeben, und schon wird mir die vollständige Adresse (http://dict.leo.org) vorgeschlagen. (siehe Bild LEO 1). Trotzdem ist mir das zu langsam: ich möchte gerne einfach das betreffende Wort direkt aus meinem Firefoxbrowser-Arbeitskontext suchen können.

Die nachfolgenden Beispiele beziehen sich auf (meinen) FireFox Browser. Mir ist bewusst, dass diese eine wesentliche Einschränkung darstellt; alle Vorschläge sollten – ähnlich wie das weiter unten beschriebene Bookmarklet – für alle Browser gleichermaßen gelten. Aber erstens bin ich von FireFox überzeugt und begeistert – und ich habe bereits viele Browser verwendet bzw. ausprobiert. Manche Dienste, die für meine tägliche Arbeit inzwischen unverzichtbar geworden sind (wie z.B. Zotero -> siehe dazu auch meinem Weblog-Eintrag) laufen eben nur mit der Erweiterungsschnittstelle als Add-On für FireFox. Zweitens geht es mir bei dieser Art von Beirägen hier vor allem praktische Hilfen – und da höre ich auf ein politischer Purist zu sein ;-)

1. Vordefinierte Suchmaschine installieren

Auf der LEO-Website findet man das Angebot eine vordefinierte Suchmaschine in das Suchfeld rechts oben im Browserfenster zu installieren. Das ist sehr praktisch - und ich habe dementsprechend auch bereits eine ganze Reihe solcher vordefinierter Suchmaschinen integriert (siehe Bild LEO 2). Über "Suchmaschinen verwalten" (ganz unten im Menü der installierten Suchmaschinen, das mit einen Klick auf das kleine Dreieck im Suchfenster aufgeklappt wird) lässt sich die Reihenfolge ändern, bzw. nicht benötigte Suchmaschinen auch wieder entfernen.

Mit einer Reihe von Tastaturbefehlen kann sowohl Suchtext als auch die Suchmaschine ausgewählt werden. Das ist sehr praktisch, weil durch diesen "Shortcut" nicht die Tastatur verlassen und mit der Maus dieses Fenster angesteuert werden muss.

  • Befehlstaste K: Texteingabe im Suchfeld
  • Befehlstaste K gefolgt von Wahltaste + "Pfeil nach unten" (bzw. "Pfeil nach oben") kann im Menü die gewünschte Suchmaschinen  eingestellt werden.
  • Befehlstaste K gefolgt von Befehlstaste "Pfeil nach unten" bzw. "Pfeil nach oben": Die vordefinierte Suchmaschine wird geändert. Die Auswahl wandert um eines nach unten bzw. nach oben. Dazu muss man natürlich die (ungefähre) Reihenfolge der Suchmaschinen auswendig wissen.

2. Abfrage per Kontextmenü

Wenn Sie ein Wort markieren und dann mit der rechten Maustaste das Kontextmenü aufrufen, können Sie eine Abfrage über die voreingestellten Suchmaschine starten. Wirklich praktisch! (Bild Leo 3)

3. Suche über die Seitenleiste

Ein weitere Möglichkeit besteht darin, dass eine Abfrage über einer eigenen Suchmaske in der FireFox-Seitenleiste starten (Bild Leo 4). Der Vorteil dabei ist es, dass eine feiner granulierte Suche aller drei verfügbaren Sprachen möglich ist. Ein Nachteil aus meiner persönlichen Sicht ist es jedoch, dass zuerst die Seitenleiste aufgerufen werden muss und damit die verfügbare Fläche zur Darstellung der Ergebnisse kleiner wird. Ich ziehe daher die Methode 1 oder zwei vor.

4. Bookmarklet

Eine Methode, die für alle Betriebssysteme und Browser gilt, ist die Suchabfrage über ein Bookmarklet. Bookmarklet sind eine besondere Art von Lesezeichen für Internet Adressen (Bookmarks), die mit JavaScript Programmbefehle ergänzt wurden. Sie können daher automatische Aktionen – entsprechenden dem Kontext, für den Sie geschrieben wurden – ausführen. Das ist sehr praktisch und es sind hunderte kostenlose Boomarklets erhältlich. Allerdings muss das Lesezeichen ausgewählt  bzw. angeklickt werden und das ist wegen der vielen bereits gesammelten Bookmarks oft gar nicht so einfach einfach.

5. Widget (nur Mac)

Auf den Mac gibt es auch noch die Möglichkeit über ein eigenes LEO-Widget die Suche zu starten. Widgets sind kleine praktische Heflerleins, die in das Macintosh-Betriebssystem integriert sind. Es gibt bereits eine mehrere hundert Stück zur Auswahl und sie lassen sich sehr einfach installieren und sind auch relativ schnell erreichbar: Über Funktionstaste 12 kann auf den Widget-Modus umgeschaltet werden. Trotzdem: Der normale Arbeitsfluss muss unterbrochen werden um den Widget-Modus aufzurufen. Und dann muss auch noch mit der Maus das Eingabefeld des entsprechenden Widets gesucht werden – ich zumindest weiß dafür keinen Tastaturbefehl –, wodurch auch diese Methode mir etwas zu umständlich ist.

6. LION - ShareWare (nur Windows)

Für Window gibt es auch noch als  ShareWare das Programmpaket LION  ShareWare (Einzellizenz 10 € + MwSt). Damit können Sie in nahezu allen Windows-Anwendungen das zu übersetzende Wort markieren und per Mausklick die Resultate aus LEOs Wörterbüchern erhalten.


Zusammenfassung

Es wurden hier mehrere Möglichkeiten vorgestellt, wie der Übersetzungsdienst LEO in den normalen Arbeitsprozess am Rechner integriert werden kann. Wenn Sie gerade in einem bestimmten Arbeitsmodus sind (z.B. etwas schreiben. bzw. Webseiten lesen) und dabei öfters auf LEOs Übersetzungsdienste angewiesen sind, dann empfiehlt es sich meiner Meinung nach LEO als aktuelle Suchmaschine zu definieren und dann über das Kontextmenü die entsprechenden Abfragen zu stellen. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten, die vielleicht Ihrem Arbeitstil besser entsprechen.


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LEO Nachtrag - Drag de Go

Eine sehr praktische Sucherweiterung für den FireFox Browser

LEO 5

Soeben habe ich in Zusammenhang meiner Nachforschungen zu internetbasierten Möglichkeiten der Literaturrecherche eine weitere einfache Möglichkeit der Integration des Übersetzungsdienstes LEO in den Arbeitsprozess am PC gefunden. Wenn Sie sich das FireFox Plugin Drag de Go installieren, dann können Sie eine Reihe vordefinierter Aktionen einfach über die Bewegungen der Maus steuern.

So können Sie z.B. einstellen, dass eine Bewegung nach links eine Suche in Google auslöst, eine nach rechts die Suchergebnisse in der deutschen Wikipedia darstellt; nach oben wird in Leo übersetzt und nach unten in Amazon.de gesucht (siehe die Drag De Go Einstellungen auf dem Bild LEO 5).

Sie müssen natürlich die dazugehörigen Suchmaschinen auch in FireFox installiert haben. Eine Liste von 21 häufig verwendeter Suchmaschinen findet sich auf der FireFox-Website, das komplette Angebot von derzeit sagenhaften 14.855(!) Suchmaschinen kann auf der Mycroft Projektseite der Mozilla Entwicklerseite eingesehen und bei Bedarf installiert werden.

Wie die Ergebnisse dargestellt werden (z.B. in einem eigenen neuen Reiter, der automatisch gleich auch aktiv wird), lässt sich in Drag de Go ebenfalls konfigurieren. Sie brauchen also nurmehr den Suchbegriff auf der Website markieren, dann mit der Maustaste gedrückt die markierte Stelle ein Stück in die gewünschte Richtung bewegen. Einfacher geht es nicht mehr! Probieren Sie es einmal aus mit Library of Babel, einem Begriff der für alle 4 angeführten Suchmaschinen ein sinnvolles Ergebnis bringt.

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WorldCat - Wie geht das?

Ein Tutorial mit Screencasts

Inzwischen gibt es bereits viele Recherchemöglichkeiten im Internet (z.B. mit den traditionellen Web-Suchmaschinen, über Google Scholar, Google Books, Buchhändler Amazon etc.). Bevor ich jedoch in einer Gesamtschau ein Urteil über die Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme fälle, hoffe ich in den nächsten Tagen und Wochen (Osterfeiertage!) jene Zeit zu finden, um diese verschiedenen Möglichkeiten ihren Potentialen auszuloten und hier auf diesen Seiten darüber zu berichten. Ich beginne heute hier diese geplante Serie von Rezensionen mit WorldCat.

Nach dem gestrigen allgemein gehaltenen Beitrag WorldCat - Was ist das? möchte ich nun zeigen, wie mit WorldCat gearbeitet werden kann. Ich habe zwar im obigen Artikel bereits zwei Literaturstellen angegeben, doch beschreiben diese Artikel vor allem das Arbeiten mit WorldCat aus bibliografischer Sicht. Sie konzentrieren sich daher vor allem auf dem Rechercheprozess selbst und werden z.T. dann auch sehr speziell: Wie kann die Suche verfeinert werden? Welche Sortier- und Ausgabemöglichkeiten der Trefferliste gibt es? usw.

Im nachfolgendem Tutorial versuche ich einen Überblick von einer anderen Perspektive zu geben. Ich verschiebe meinen Fokus von der Recherche in und mit WorldCat auf die Integration von WorldCat in den ForscherInnenalltag. Das Ziel dabei ist es dabei, den Forschungsprozess möglichst produktiv und effektiv zu gestalten. Fragen, die mich beispielsweise interessieren sind:

  • Wenn ich in meiner Recherche ein brauchbares Ergebnis erhalten habe, was mache ich damit?
  • Mit welchen Werkzeugen kann ich die Ergebnisse wie weiter verarbeiten?
  • Wie sollte ich meine Arbeitsweise ändern, damit ich WorldCat optimal nutzen kann?

1. Eine erste Übung zum Aufwärmen

Für das Verständnis von WorldCat ist es wichtig zu verstehen, dass der prototypische Fall die Suche nach einem Medienobjekt ist, das von einer nahe gelegenen Bibliothek ausgeliehen werden kann. Deswegen findet man als Synonym für WorldCat häufig auch: Find in a Library.

Geben Sie in das WorldCat-Suchfeld auf meiner Homepage links unten den Suchbegriff "The Library of Babel" ein - mit oder ohne Anführungszeichen, das ist für diese erste Übung mal egal. Klicken Sie dann auf die Schaltfläche WorldCat. Sie sollten in Ihrem Browser nach kurzer Zeit eine Ergebnisliste im WorldCat Katalog sehen. Was zeigt dieses Beispiel: Sie können WorldCat sofort verwenden, ohne irgendwelche Verpflichtungen. Sie müssen sich für eine erste grobe Recherche nicht einmal bei WorldCat anmelden.

2. Finden Sie ein Buch in einer Bibliothek in Ihrer Nähe

Der nachfolgende kurze Video zeigt Ihnen, wie Sie aus der Trefferliste zu einem Bestandsnachweis in einer Bibliothek in Ihrer Nähe kommen.



3. WorldCat meets Library 2.0

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einige Details im Umgang mit WorldCat zeigen. Sie sollen dabei sehen, wie Sie WorldCat sowohl für Ihre individuelle Forschungsarbeit nutzen können, aber wie Sie Ihre Gedanken und Wissen auch mit anderen NutzerInnen teilen können. Leider ist auf WorldCat noch nicht viel los, bzw. verschwinden die bisher relativ wenigen Einträge bezogen auf die riesige Datenmenge. Auch wenn es in WorldCat einige Ansätze gibt, ist es noch meilenweit davon entfernt ein gutes Beispiel von Social Software darzustellen. Trotzdem: Die Möglichkeiten sind interessant:

  • Sie können in Ihrem Browser automatisch ein Lesezeichen von der betreffenden Seite abspeichern.
  • Sie können die Seite bei Ihrem bevorzugten Social Bookmarker (del.icio.us, Furl, Etc.) eintragen.
  • Sie können einen permanenten Link von der Seite generieren, wobei URL auch das gerade ausgewählte Detail erfasst (Bibliotheken, Einzelheiten, Ausgaben, Rezensionen)
  • Sie können Bewertungen vornehmen, Rezensionen, Kommentare und Inhaltsverzeichnisse eintragen
  • Vor allem aber können Sie die biografische Information in einem Format Ihrer Wahl in verschiedenen Varianten für die Weiterverarbeitung exportieren.
  • Sie können Ihre Recherche-Ergebnissen in Listen abspeichern und haben damit die Möglichkeit ganze Literaturverzeichnisse über WorldCat verwalten zu können. (Sorry, diese wichtige Funktion habe ich vergessen im nachfolgenden screencast vorzuzeigen.)

Um die vollen Schreibrechte im Sinne von Web2.0 (= Mitmach-Web) ausnützen zu können, müssen Sie sich jedoch vorher einen (kostenlosen) Account bei WorldCat.org anlegen. Ich erwähne im nachfolgenden Screencast auch Zotero. Falls Sie nicht wissen, was Zotero ist und wozu man es braucht, dann lesen Sie meinen Beitrag auf diesem Weblog oder gehen Sie am Besten gleich direkt auf die Zotero-Seite und schauen sich die dortigen Screencasts an. (Die sind weit besser und professioneller gemacht, als die von mir erstellten. Sorry, ich bin noch ungeübt; habe aber trotzdem den Eindruck, dass sie mehr und besser erklären als lange Textstücke.)

Um die Details besser sehen zu können, musste ich für diesen Screencast den Bildschirmausschnitt größer wählen, als es in YouTube üblich ist. Weil YouTube nochmals komprimiert - und damit die Qualität verschlechert – biete ich die große Datei (15 MB) direkt hier auf meiner eigenen Website an.

Video IconWorldCat als Library 2.0 (mov, 15.1 MB, 4:48 min) oder auch als QuickTime Download. Dazu brauchen Sie allerdings auf Ihrem Rechner den QuickTime Player, den Sie sich kostenlose von der Apple-Seite runterladen können (linke Hälfte der Seite, nicht die rechte Seite = kostenpflichtiger Upgrade).

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WorldCat in den Arbeitsalltag integrieren

WorldCat 01
WorldCat 02
WorldCat 03

In zwei früheren Beiträgen habe ich beschrieben, was WorldCat ist und wie WorldCat verwendet werden kann. Hier stelle ich nun einige Werkzeuge zur Integration von WorldCat in den Arbeitsalltag von ForscherInnen vor. Sie brauchen  nicht immer auf die offizielle Seite von WorldCat zu gehen, um eine Suche starten zu können. Sie können die Suche auch von Ihrem eigenem Browser bzw. von Ihrer eigenen Homepage starten.


1. Integration der Suchbox in den Browser

WorldCat bietet verschiedene Möglichkeiten an, direkt aus dem Browser heraus eine Suche in den angeschlossenen Bibliotheken durchzuführen.

  • Wenn Sie FireFox verwenden, dann können Sie eine eigene Suchmaschine als Erweiterung direkt in den Browser installieren. Das geschieht ganz einfach dadurch, dass Sie den entsprechenden vorbereitenden Link auf der Browser-Plugin Seite von WorldCat anklicken. Klicken Sie dann auf das kleine Dreieck im Suchfeld oben recht und Sie werden sehen, dass die WorldCat Suchmaschine zur Liste Ihrer Suchmaschinen hinzugefügt worden ist. Wählen Sie Option "Suchmaschinen verwalten…" ganz unten im Popup-Menü um die Reihenfolge zu verändern - oder auch wieder Suchmaschinen zu entfernen. (Siehe Bild WorldCat 01).
    Im Zusammenhang mit einer anderem FireFox Add-on Drag de Go können Sie direkt von der markierten Stelle in Ihrem Browser die WorldCat-Suche starten. (Siehe dazu meinem Beitrag zu LEO und Drag de Go in diesem Weblog.)
  • Eine weitere Möglichkeit WorldCat in den Browser zu integrieren, wird mit Google Toolbar und einer Intergration in FaceBook (siehe Bild WorldCat 02) angeboten. Diese beiden Möglichkeiten sind vom jeweils verwendeten Browser unabhängig. Trotzdem empfehle ich Ihnen mit FireFox zu arbeiten, weil nur dann die Ergebnisse Ihrer Arbeiten mit dem überaus praktischen Literaturmanagementsystem Zotero weiter verarbeitet werden können (Darüber werde ich noch in einem späteren Artikel schreiben.)

2. Integration der Suchbox in die eigene Homepage

Eine weitere Möglichkeit WorldCat in Ihre Arbeiten zu integrieren, besteht darin, dass Sie die Suchbox von WorldCat direkt auf Ihrer eigenen Homepage installieren. Ein Beispiel sehen Sie auf meiner eigenen Website links unten. (Aus Platz- und Usability-Gründen biete ich die WorldCat Box gleich mit der Suchmaschine von Google Scholar in einem gemeinsames Portlet "Literatursuche" an.

Um den HTML-Code für die Suchbox zu erhalten (Bild WorldCat 03), müssen Sie sich allerdings als Partner (Affiliate) von WorldCat registrieren. Die Registrierung und Nutzung ist jedoch frei und kostenlos. Als Privatperson müssen Sie damit zusätzlich zur "normalen" Registrierung eine Institution und Land sowie Ort angeben. Sie werden damit praktisch wie eine Bibliothek behandelt, bei der diese beiden Angaben für das Zusammenspiel der Services natürlich unumgänglich sind. Es entstehen Ihnen dadurch aber keine Verpflichtungen oder Kosten.

Wenn Sie sich mit HTML auskennen, dann können Sie die Suchbox grafisch dem Design Ihrer Homepage anpassen. Allerdings muss dabei das Logo von WorldCat unverändert beibehalten werden. Außerdem dürfen Sie natürlich den Suchdienst nicht auf eigene Rechnung an Dritte weiter verkaufen.


3. Integration spezieller Suchlinks auf Ihrer Homepage

Auch dieser Dienst erfordert die (einmalige und unproblematische) Registrierung als WorldCat Partner (siehe oben). Nachdem Sie sich registriert bzw. angemeldet haben, erhalten Sie Codesnippets mit Beispielen, wo sowohl Ihre Partner Identifikation als auch die Suchausdrücke eingebettet sind. Sie müssen die angebotenen Beispiele natürlich auf Ihre Anforderungen anpassen, indem Sie Ihre eigenen Suchbegriffe einsetzen.

Mit dem nachfolgenden Link beispielsweise wird eine WorldCat-Suche nach dem Stichwort Zotero ausgelöst. Wenn Sie sich die URL der Trefferseite anschauen, werden Sie nach dem Fragezeichen meine registrierte Partner ID "Danube_baumgartner" erkennen. WorldCat schreibt die Nutzung des Dienstes mit (siehe auch die WorldCat-Datenschutzbestimmungen).

Dieses Service macht vor allem dann Sinn, wenn Sie als Bibliothek registriert sind und diese Suche mit eigenen Diensten verbinden wollen. Als "normaler" Nutzer werden Sie natürlich - was weit einfacher ist - die Suche selbst durchführen und die daraus resultierende URL sich abspeichern und in Ihre Homepage integrieren.
Andere spezielle Dienste, die nur für Bibliotheken Sinn machen, beschreibe ich hier nicht. Interessierte möchte ich jedoch auf die entsprechende WorldCat Webseite der Werkzeuge für Partner verweisen.


Nachtrag

Vor lauter Beschäftigung mit eigenen Screencast habe ich ganz vergessen auf zwei Video zu WorldCat hinzuweisen. Ich habe Sie in meiner Bibliography YouTube-Playlist gesammelt. Der letzte Video dieser Playlist (Law Library) gehört zwar themenmäßig dazu, ist aber schrecklich langweilig.


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Recherchieren - Mein Basis Toolkit

Werkzeuge für den Alltag des wissenschaftlichen Arbeitens

openthesaurus.org
synomizer.com
canoo.net

In den letzten Tagen habe ich mich – wie auch aus meinen letzten Einträgen ersichtlich ist ;-) – eingehend mit neuen Möglichkeiten der Recherche beschäftigt. Einige der Ergebnisse habe ich gleich auf diesen Seiten veröffentlicht. Dabei habe ich mich vor allem auf die praktische Nutzung konzentriert, die inhaltlichen Zusammenhänge im Rahmen von Forschungsprozessen sollen dann im Buch wissenschaftlich.arbeiten.buch dargestellt und vermittelt werden. Die entsprechenden Webseiten könnten dann entsprechend adaptiert als praktisches Anschauungsmaterial das Buch online begleiten.

Der Browser als Kommandozentrale?

Die Ergebnisse meiner Recherche wirken in gewisser Weise auch auf mein eigenes Recherche-Verhalten zurück und es. (Welch schöner und reflexiver Kreislauf!) Alte Gewohnheiten – wie z.B. vom Arbeitsplatz aufstehen und im Duden Wörterbuch die Rechtsschreibung oder Synonyme suchen – finde ich nicht mehr so richtig zeitgemäß. Wenn ich schon gerade an einen Artikel für das Weblog schreibe – und dabei ständig zwischen recherchieren und schreiben im Browser hin- und herspringe – dann wäre es doch praktisch, dies auch beim Konsultieren von Nachschlagwerken tun zu können. Der Browser sozusagen als Kommandozentrale für das wissenschaftliche Arbeiten.

Bisher hat mich die Integration aller Arbeiten unter einer einzigen Programmoberfläche (dem Browser als Allroundwerkzeug) noch kaum beschäftigt. Schließlich ist es ja auch kein großes Malheur wenn zwischen einem (spezialisierten) Programm zu einem anderen gewechselt wird (z.B. vom Schreiben mit einem Textverarbeitungsprogramm zur Internetrecherche mit einem Browser). Freien Speicher vorausgesetzt, ist es ja (meistens) nur ein Klick auf ein anderes Fenster.

Für mich hat die Vorstellung einer einzigen und einheitlichen Arbeitsoberfläche derzeit noch einen utopischen Charakter. Warum eigentlich? Zeigt nicht z.B. Google mit seiner ständig wachsenden Werkzeugkiste an Diensten, dass viele Tätigkeiten über das Web zu erledigen sind? Und viele Arbeitsprozesse werden durch die problemlose Integration mit anderen Services auch noch effizienter, als dies vorher mit einer Kombination von Standalone Programmen der Fall war.

Meine Werkzeugkiste

Wenn heute vielleicht die obige Vorstellung sich praktisch noch nicht ganz realisieren lässt, so müssten doch zumindest die lästigen Medienbrüche, die das Nachschlagen in einem Lexikons verursacht werden, minimiert werden können? Im normalen Arbeitstag konsultiere ich Lexika vor allem aus 4 Gründen: Übersetzung, Hintergrundinformation, Rechtschreibung & Grammatik, Thesaurus.

1. Übersetzung

Das ist einfach. Hier verwende ich ausschließlich Leo und bin sehr zufrieden damit.

2. Hintergrundinformation

Für eine Erstinformation – sozusagen als Basis für eine weitergehende Recherche – ist hier natürlich die Wikipedia zu nennen. Ich verwende sowohl die deutsche als auch englische Version, weil es doch häufig beträchtliche Unterschiede im Umfang der Information gibt. Übrigens ist es ein Vorurteil zu glauben, dass immer die englischen Artikel die besseren und ausführlicheren sind!

Für eine weiterführende Internet-Recherche verwende ich dann Google. (Auf die Verwendung speziellerer Suchdienste für z.B. Literatur, Online Ressourcen, Tutorials etc. gehe ich hier nicht ein.

3. Rechtschreibung und Grammatik

Hier wird es schon schwieriger: Im Leben vor dem Internet war hier für mich der DUDEN die erste Adresse. Der entsprechende Dienst im Internet ist jedoch empörend teuer (20 Euro für bloß 3 Monate) und für mich nicht akzeptierbar. Ich wäre ja bereit 10 Euro, vielleicht auch noch 20 Euro pro Jahr zu zahlen. Aber das 4 fache?!

In The Cult of the Amateur - How today's Internet is killing our Culture weist Andrew Keen darauf hin, dass durch den großen Erfolg von Web 2.0 viele renommierte Verlage in Schwierigkeiten kommen und Leute entlassen müssen [1]. Er warnt eindringlich davor, dass damit auch die Qualität der angebotenen Ressourcen leidet, weil das "Mit-Mach-Web" wo Amateure und Laien die Hauptarbeit leisten, das Know How von ausgebildeten Experten nicht völlig ersetzen können.

Ok, richtig! Aber soll ich deswegen eine unverschämte Hochpreispolitik unterstützen? Oder ist es nicht viel mehr an der Zeit, dass auch diese renommierten Verlage sich bewegen und umdenken? Und es wäre wünschenswert, wenn sie das tun, bevor sie größere wirtschaftliche Probleme bekommen. Ein aktuelles Beispiel, das mich persönlich ziemlich überrascht – um nicht zu sagen – schockiert hat, ist der angesehen Verlag Brockhaus. Der Mannheimer Verlag gibt sich dem Internet (der Wikipedia ?) geschlagen und will sich nun über Werbeeinnahmen finanzieren. Ab 15. April wird die "Brockhaus Enzyklopädie" (30 Bände, 300.000 Stichwörter, rd. 24.500 Seiten, 2670 Euro) online kostenlos angeboten [2].

Ich bin überzeugt, dass es auch noch der DUDEN-Verlag billiger geben wird. Bis dahin müssen andere Wege gefunden werden. Eine heutige Recherche hat mich auf das frei zugängliche Service Cancoo einer Schweizer Firma stoßen lassen. Der Dienst entstand in Kooperation zwischen Mitarbeitern der Universität Basel, der Vrije Universiteit Amsterdam, des IDSIA Lugano und der Canoo Engineering AG. Das Online-Service basiert auf dem Deutschen morphologischen Wörterbuch von Canoo. Das Wörterbuch enthält über 250 000 Schlagwörter und generiert rund 3 Millionen Wortformen. Erste Testversuche sind für mich durchaus zufrieden stellend gewesen.

4. Thesaurus

Die Arbeit an Synonymen ist mit dem Wikipedia-Ansatz erst ganz am Anfang. Der sogenannte WikiSaurus ist im wiki-basierten freiem Wörterbuch Wiktionary noch erst ganz am Anfang. Außerdem ist der dabei verfolgte Ansatz noch recht umstritten: Statt ein eigenes Thesaurus aufzubauen, werden die verschiedenen Wortbedeutungen innerhalb des Wikitionary bloß mittels einer eigene Kategorie "WikiSaurus" zu den betreffenden Seiten verlinkt.

Eine gewisse Zeit habe ich mit OpenThesaurus gearbeitet, aber ich muss gestehen, mich stoßt die hässliche Oberfläche ab (Siehe Bild OpenThesaurus.org). Ich weiß, das Design sollte nicht das Wichtigste sein, aber trotzdem kann ich zu dieser lieblosen Seite keine positive Beziehung aufbauen. Da ist mir selbst die Synomizer! Seite lieber, die ebenfalls auf den Wortschatz von OpenThesaurus basiert. Allerdings ist die extrem enge Integration mit Google-Ads ärgerlich und sehr gewöhnungsbedürftig. So erweckt die oberste Zeile der Werbelinks direkt unter der Suchmaske den Eindruck noch ganz zum Programm zu gehören. Nicht nur die grafische Anordnung sondern auch die Wortwahl dieser Werbelinks (Word Frequency, Word Diagram) stellt eine gezielte Täuschung dar (Siehe Bild Synomizer.com).

Außerdem – und das ist der Hauptgrund warum ich mich ständig nach Alternativen umschaue – scheint mir der Wortschatz (z.B. gegenüber dem Thesaurus von Word) deutlich geringer zu sein. Dies ist mir schon beim Arbeiten mit NeoOffice (die Mac-Version von OpenOffice) aufgefallen. Das hat zur absurden Situation geführt, dass ich trotzdem immer auch noch MS Word offen habe, damit ich fallweise meine Recherche nach Synonymen im – meiner Meinung nach – besseren Thesaurus von MicroSoft vornehmen kann.

Im Augenblick experimentiere ich mit dem Wortschatz-Portal der Universität Leipzig. Allerdings interessieren mich viele der dort angebotenen Informationen nach Häufigkeitsklassen, Bedeutungsgruppen, Kookurrenten usw. herzlich wenig. Ich verwende daher den Zugang über das oben unter Rechtschreibung bereits beschriebene Canoo Portal. Wenn die aller erste Information (Bedeutung und Oberbegriff) für mich nicht ausreichend ist, steige ich unter "Mehr" in das Wortschatzlexikon der Uni Leipzig ein (siehe Bild Canoo.net)

Zusammenfassung und ein Tipp zur Integration

Auch wenn ich mit der Grundausstattung der online Services noch nicht rund herum zufrieden bin, so zeigt sich doch, dass Medienbrüche größtenteils bereits vermeidbar sind. Ich habe den Eindruck, dass die Zeit der gedruckten Lexika langsam aber sicher einem Ende zugeht. und die Zukunft den frei zugänglichen Online-Diensten gehört. Zu meiner persönlichen Grundausstattung von Online-Nachschlagwerken gehören Ende März 2008:

Mein Basic Tool Kit
Übersetzung Deutsch <-> Englisch
LEO
Hintergrundinformation Wikipedia dtsch.
Wikipedia engl.
Google
Rechtschreibung und Grammatik
Canoo
Thesaurus Wortschatz-Portal
(über Canoo)

Welches Toolkit verwenden Sie? Anregungen und Kommentare erwünscht!

Als Draufgabe noch ein kleiner Tipp: Ich habe mir in meinem Browser einen Ordner mit Lesezeichen dieser grundlegenden Arbeitswerkzeuge zusammengestellt. Wenn ich eine Sitzung zur Recherche starte, dann lasse ich meinen Browser (FireFox) meine Homepage und alle Booksmarks dieses Ordners gleichzeitig öffnen. Jede Werkzeug wird in einem eigenen Reiter (Tab) geöffnet. Ich kann nun zwischen den verschiedenen Diensten mit den jeweiligen Kurzbefehlen (bei mir am Mac CMD-1 bis CMD-9 hin- und herspringen.

Im Artikel erwähnte Literatur

[1]Keen, Andrew. 2007. The Cult of the Amateur: How Today's Internet Is Killing Our Culture. Currency.

[2] Clausen, Sven, Jenniver Lachmann, Lutz Knappmann, und Matthias Lambrecht. 2008. Brockhaus kapituliert vor dem Internet. Financial Times Deutschland (FTD) Online Ausgabe. http://www.ftd.de/technik/medien_internet/316489.html (Zugegriffen März 22, 2008).

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LibX - Wie geht das?

Zur Integration von Web- und Bibliotheksrecherche

LibX 1
LibX 2
LibX 3
LibX 4
LibX 5
LibX 6
LibX 7

Im vorigen Artikel LibX – Was ist das? habe ich die allgemeine Strategie erläutert, wie LibX die Bibliothek im Verhältnis zum Internet anders positionieren möchte. In diesem Beiträge gehe ich nun auf die verschiedenen Funktionen von LibX genauer ein. Der Beitrag ist sehr praktisch orientiert in der Form eines Tutorials geschrieben. Folgerichtig werden auch Hinweise gegeben, wie jeder LibX in Zusammenspiel mit WorldCat im Alltag nutzen kann. (Lesen Sie dazu auch die thematisch damit zusammen hängenden Beiträge: WorldCat - Was ist das?, WorldCat - Wie geht das? und WorldCat in den Arbeitsalltag integrieren.) (Screenshots am Ende der Datei)

Ich beschreibe nachfolgend 8 Funktionen von LibX, die jeweils – mit einer Ausnahme – mit Screenshots exemplarisch belegt werden:

1. Toolbar

LibX installiert sich in den Browser als Erweiterung in Form einer Werkzeugleiste (Toolbar). Im Suchfeld der Werkzeugleiste kann direkt in einer Bibliothek gesucht werden. Dies kann entweder einzeln nach Autor, Schlüsselwort, Titel oder ISBN/ISSN erfolgen oder es können aber auch diese Suchzugänge in Form einer UND-Verknüpfung für eine speziellere Suche verknüpft werden (siehe Bild LibX 1).

In welcher Bibliothek LibX dann tatsächlich sucht, das richtet sich nach der betreffenden Edition von LibX, die im Browser installiert ist. D.h jede Bibliothek, die dieses Hilfsmittel einsetzt, muss es für ihre eigene Bedürfnisse anpassen und dann zum Download für ihre Kunden anbieten. Für die Anpassung gibt es einen über das Internet frei zugänglichen Lib X Edition Builder, der die Anpassung menügeführt relativ leicht möglich macht. Bisher haben 307 Bibliotheken ihre Edition öffentlich zugänglich gemacht. Es ist aber durchaus möglich, sich auch als private Person eine eigene Edition (mit eigenem Logo und Funktionalitäten) für nicht kommerzielle Zwecke anzulegen.

Mit dem Toolbar kann eine Literaturrecherche gestartet werden, ohne die Website der eigenen Bibliothek aufsuchen zu müssen. LibX unterstützt Millennium, Voyager, Aleph, Sirsi, Dynix/IPAC, Serials Solutions E-Journals und Central Search, SFX, Sirsi Web2, aber auch vom Benutzer definierte Kataloge. Über den Edition Builder kann jede Webressource als Katalog definiert werden.

2. Proxy Server Support

BibliotheksnutzerInnen können damit die Online Ressourcen Ihrer Bibliothek auch von zu Hause am PC nutzen.

3. Adaptive Kontextmenüs

Wird Text auf einer Webseite markiert, dann lässt sich über das Kontextmenü (rechte Maustaste bzw. CTRL Maus am Mac) eine Suche mit dem ausgewählten Text direkt starten (siehe Bild LibX 2). Das Menü passt sich dem jeweils ausgewählten Text an. Neben einer "normalen" Textsuche werden ISBN, ISSN, DOI und PubMed IDs erkannt.

4. Automatische Verlinkung

LibX erkennt wenn im Text auf der Webseite eine direkte bibliografische Referenz in Form einer ISBN, ISSN, DOI oder PubMed ID vorkommt. Basierend auf einem Skript von Jesse Ruderman wandelt LibX den Text im Browser automatisch in einem aktiven Hyperlink um, der direkt auf die Ressource in der entsprechenden Bibliothek verweist! Sie brauchen bloß mit der Maus über diesen aktiven Link streichen und bekommen bereits als Tooltip den Titel der Ressource angezeigt. Und das Schöne: Es funktioniert mit jeder beliebigen Webseite, also auch auf Ihrer eigenen Homepage! Sie brauchen bei Ihrer Literaturangabe nur die ISBN (ISSN oder DOI) anführen und alle BesucherInnen Ihrer Website, die LibX installiert haben, können sich das Material dann mit bloß einem einzigen Mausklick aus deren Bibliothek holen! (siehe Bild LibX 3)

5. xISBN Service

Wenn eine Ressource über eine ISBN aufgerufen wird, werden auch alle ähnliche Ausgaben (Auflagen, Paperback, Hardcover, AudioBooks etc.) des Buches angezeigt. Das ist häufig sehr sinnvoll, weil es normalerweise BibliotheksbenutzerInnen egal ist, welcher Ausgabe sie habhaft werden können. LibX verwendet hierbei einen OCLC xISBN Webdienst, der die Ergebnisse der Anfrage in XML, XHTML, Python, Json or Ruby Format zurück gibt. Bis zu 500 Anfragen pro Tag sind für nicht-kommerzielle Zwecke kostenfrei.

Das Bild LibX 4 zeigt den die Arbeitsweise des Webservice an Hand eines extremen Beispiels. Aufgerufen wurde aus Amazon.com eine sehr spezielle Großdruck-Ausgabe des Da Vinci Code von Dan Brown. Der Dienst gibt aber gleichzeitig in der linken Browserleiste auch alle ISBN-Links zu den anderen 59 englischen Ausgaben an. Die verschiedenen Editionen können unter dem Reiter "Ausgaben" (ungefähr Mitte des Bildes) einzeln durchgesehen werden um eine geeignete Auswahl zu treffen. Es ist aber auch möglich mit jener Version vorlieb zu nehmen, die es in der am nächsten liegenden Bibliothek gibt1.

6. OpenURL Support

Wenn LibX auf einer Webseite eine spezielle formatiere URL (sog. OpenURL, siehe weiter unten) erkennt, dann fügt es einen visuellen Hinweis (z.B. einen kurzen Text oder das Logo der Hochschulbibliothek) ein. In meinem Fall ist es die färbige Spirale des WorldCat LogosWorldCat Icon, das als kleines Icon mit 16x16 Pixel vom Browserzusatz in die Darstellung der Webseiten eingefügt wird. Die mit JavaScript vorgenommene Einfügung fungiert als aktiver Link auf die Ressource im Bestand der jeweiligen Bibliothek, für die LibX editiert worden ist.

Mit dieser Funktion ist Ihre Bibliothek im Internet omnipräsent! Egal ob in Amazon, Wikipedia, CiteULike, bei der Suche mit Google, Google Books, Yahoo, oder in WorldCat (siehe Bild LibX 5): Überall können Sie das Symbol Ihrer Bibliothek antreffen. Das Icon soll alle LeserInnen der betreffenden Website darauf hinweisen, dass in diesem Link eine genormt beschriebene Ressource eingebettet ist, die sofort in einem dafür vorgesehen Bibliothekskatalog gesucht werden kann. Damit kann die Ressource in Ihrer Bibliothek mit bloß einem einzigen Klick nicht nur gesucht – sondern abhängig vom angebotenem Service Ihrer Bibliothek – auch gleich automatisch eine Vorbestellung bzw. Download ausgelöst werden!

Natürlich ist es nicht jeder Person gestattet, direkt auf die Bestände aller möglichen Bibliotheken zuzugreifen. Und genau hier kommt OpenURL ins Spiel: OpenURL ist ein genormtes Protokoll, das ein geordnetes Zusammenspiel zwischen Informationsobjekten und lokalen Webservices ermöglichen soll. Mit dem Upgrade von Version 0.1 auf 1.0 wurde OpenURL ein ANSI/NISO Standard (Z39.88-2004). Es ist hier nicht der Ort genauer auf den Aufbau und die Funktionsweise von OpenURL einzugehen. Nur soviel (vgl. genauer [1]): Es werden neben der Kennzeichnung des Informationsobjektes via Metadaten auch kontextsensitive Daten über das Internet übermittelt. Das sogenannte Kontextobjekt besteht aus Userdaten (E-Mail Adresse) und Daten zur Quelle des Links (URL der Website). Damit kann ein spezieller Server (sogenannten OpenURL resolver software) feststellen ob und in welcher Bibliothek eine Zugangsberechtigung besteht und auf die betreffende Kopie verweisen.

7. COinS Support

Der volle Funktionsumfang von OpenURL ist leider erst dann gegeben, wenn (a) Ihre Bibliothek das LibX Service unterstützt und (b) Sie dafür auch eine Zugangsberechtigung haben. Trotzdem aber können Sie das OpenURL Konzept auch auf Ihrer Website verwenden. LibX unterstützt nämlich auch die auf den OpenURL Standard beruhende COinS Konvention. COinS beschreibt wie bibliografische Metadaten in HTML Webseiten unsichtbar (d.h. versteckt innerhalb einem <span></span> Ausdruck) eingebunden werden können.

Die daraus konzipierte URL ist ziemlich lang und das Format recht komplex kompliziert, wie aus der Anleitung für Zeitschriftenartikel bzw. BücherCOinS Generator, der ein Formular zur Verfügung stellt. Doch mit Zotero – einer Browser-Erweiterung für FireFox und Flock – wird selbst diese Arbeit automatisiert: Zotero fügt zu jeder bibliografische Angabe, die Sie in eine Webseite kopieren bzw. mit drag und drop hineinziehen, automatisch die COInS-Daten hinzu! – Auf das Zusammenspiel von LibX und Zotero werde ich noch in einem eigenen Artikel zu sprechen kommen (siehe Bild LibX 6).

8. Google Scholar Support

Im Bild LibX 1 sieht man rechts, dass die Suche mit dem "Google Scholar ebenfalls in die Werkzeugleiste integriert wurde. Die Bedienung dafür aber ist ein wenig umständlich. Es handelt sich nämlich nicht um einen Schaltfläche, sondern der markierte Suchbegriff muss per drag und drop auf die den LibX Toolbar gezogen werden. Glücklicherweise kann auch über die letzte Zeile des Kontextmenüs (siehe Bild LibX 2) Google Scholar aufgerufen werden. (Unter Windows geht das auch für PDF-Dateien, am Mac unter OS X aber leider nicht <grrrr>.) Bei der Integration von Google Scholar sind gleich drei Dinge besonders bemerkenswert, stellen sozusagen Webschmankerln dar:

Wenn Google Scholar mit dem Suchbegriff einen Treffer landet und die Ressource frei zugänglich ist, dann werden im Browser zwei (!) Webseiten gleichzeitig geöffnet: In einem Fenster wird (immer) das Resultat der Suchanfrage dargestellt, in dem anderen wird (fallweise) direkt der Volltext des gefundenen und frei erhältlichen Artikel angezeigt. Das kann die Suche nach dem Volltext eines Artikel dramatisch reduzieren. Very, convenient! (Falls es bei Ihnen nicht funktioniert, kann es daran liegen, dass Ihr Artikel zwar frei zugänglich ist, Google aber Homepages im allgemeinen nicht als Repositorien, die wissenschaftliche Standards entsprechen, qualifiziert. Deshalb findet Google Scholar diese Artikel nicht und öffnet nur ein einziges Fenster mit der "normalen" Trefferliste. Wenn Sie LibX installiert haben (siehe unten), dann probieren Sie es mal mit meinem Artikel The Zen Art of Teaching: Markieren Sie den Artikeltitel und rufen Sie über das Kontextmenü Google Scholar auf.)

Wenn Ihre Bibliothek sich am Google Library Link Programm beteiligt, dann sehen Sie in der Trefferliste am Campus (oder außerhalb des Campus mit der betreffenden Edition von LibX inkl. dem bereit erwähnten Proxy Server Support) visuelle Hinweise auf einen OpenURL Links. Sie erhalten damit von Google Scholar heraus einen direkten Zugang zur Ressource in Ihrer Bibliothek.

Wenn sich Ihre Bibliothek am Open WorldCat Projekt der OCLC beteiligt (vgl. dazu meine oben erwähnten Beiträge zu WorldCat), dann können Sie dies Google Scholar in den EInstellungen mitteilen. Es erscheint dann für jedes Buch, das in der Google Scholar Trefferliste vorkommt, ein Link "Bibliothekssuche" bzw. "Library Search" zur WorldCat Datenbank (siehe Bild LibX 7). – Und wiederum hat sich Ihre Bibliothek als Webguerilla getarnt und unter die WebnutzerInnen gemischt… (zu Guerrila-Metapher siehe meinen Beitrag: LibX - Was ist das?)

Zusammenfassung

Ich hoffe, dass ich Sie mit der Beschreibung der attraktiven Funktionalitäten von LibX überzeugen konnte. Wenn Sie jetzt Lust bekommen LibX auszuprobieren, dann werden Sie wahrscheinlich – so wie ich – feststellen müssen, dass Ihre Bibliothek dieses praktische Werkzeug (noch ?) nicht einsetzt. Sie können sich aber trotzdem LibX in der WorldCat Edition installieren!

Der erste Teil eines (englischen) Tutorials zur Nutzung von LibX und Zotero – entstanden aus einer Serie von Workshops der University of Michigan (UM) – hilft Ihnen mit den ersten Schritten und stellt Ihnen auch einige Übungen zusammen. Beachten Sie aber, dass darin nicht alles 100% stimmt, weil sich die UM von der WorldCat Edition ein wenig unterscheidet. (Wenn ich dazukomme, dann möchte ich gerne selbst einen Screencast als Tutorial zur WorldCat Edition erstellen. Den könnte ich dann auch gleich für meine Studierenden  zusammen stellen. Gute Vorsätze zu Ostern…

Literaturhinweis

[1] Apps, Ann, und MacIntyre Ross. 2006. Why OpenURL? D-Lib Magazine 12, no. 5. http://www.dlib.org/dlib/may06/apps/05apps.html (Zugegriffen März 23, 2008).

Fussnote

{1} Interessanterweise zeigt mir mein Browser an, dass die nächsten Ausgaben der Reihe nach in Slowenien, Tschechische Republik und dann erst in Deutschland liegen (vgl. Bild LibX 4). (Österreich hat sich am WorldCat Projekt bisher noch kaum beteiligt, siehe dazu auch meinen Beitrag WorldCat - Was ist das?) Eine Überprüfung zeigt mir, dass die nächste registrierte deutsche Bibliothek mit einer englischen Ausgaben des Da Vinci Codes in Nürnberg (474 km) liegt und das ist tatsächlich von Krems wesentlich weiter weg als Maribor (335 km) und Prag (285), wo eine am WorldCat-Programm teilnehmende Bibliothek dieses Buch ebenfalls in ihrem Bestand gemeldet hat. Allerdings sind die Entfernungsangaben nur ungefähre Richtwerte, weil nur für USA nach Postleitzahlen differenziert wird, während sonst bloß das Land (wahrscheinlich mit der Hauptstadt) als Berechnungsbasis genommen wird. So zumindest erkläre ich mir, dass die Liste Maribor vor Prag reiht. (Wien-Maribor=253km; Wien-Prag=325 km; Wien-Nürnberg=498km – wahrscheinlich wird aber sogar mit Wien-Berlin=683km gerechnet.)

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Das Internet archivieren - eine gigantische Aufgabe

Zahlen und Daten zum Internet und die Rolle des Internet Archives

Beim Lesen eines Buchbeitrags zum persönlichen Informationsmanagement (PIM) bin ich erstmals auf die ganz große Problematik der Erhaltung, Langzeitsspeicherung und Wiederauffindung von Internet Ressourcen gestoßen [1]. Obwohl es Catherine Marshall in diesen interessanten - und über das Internet frei erhältlichen – Artikel How People Manage Personal Information Over a Lifetime (PDF, 84 kB) – vor allem um den Umgang mit persönlichen (An)sammlungen von digitalisierten Daten geht, wird in einer Stelle prominent auf das Internet Archive verwiesen.

Im Zusammenhang mit Zotero hatte ich bereits vor einigen Wochen erstmals vom Internet Archive gelesen [2]. Jetzt jedoch – im Zusammenhang meiner Recherchen zu den neueren Entwicklungen der Bibliotheken und der damit zusammenhängenden Entwicklung von digitalen Repositorien – gewann dieser Hinweis eine andere Bedeutung. Was ist das Internet Archive? Was will es und wozu brauchen wir es?

Error 404 - Site Not Found

Eine normale Webseite – so analysierte eine Studie aus dem Jahr 2000 – hat nur eine durchschnittliche Lebensdauer von 44 Tagen. Woher ich diese Zahl habe? Nun: Diese Zahl wird im obigen Artikel [1:68] mit Verweis auf Lyman 2002 [3] erwähnt. Sucht man dann jedoch diese referenzierte Studie auf, so erfährt man, dass die Zahlen aus einer 2000 im Internet veröffentlichen Studie stammen, die allerdings selbst bereits das Zeitliche gesegnet hat und nicht mehr im Netz ist. Catch-22! Kein Wunder auch, sind doch 44% aller Webseiten von 1998 bereits ein Jahr später bereits verschwunden.

Glücklicherweise ist Peter Lyman selbst ein Autor dieser Studie gewesen und hat (a) nicht nur die originalen Quellen und Daten von 2000 samt Exceltabelle reproduziert, sondern (b) auch die Studie 2003 mit einer Gruppe von Forschern wiederholt [4]. (Allerdings ohne nochmals auf die durchschnittliche Lebensdauer von Webseiten einzugehen.)

Es gibt eine konzeptionelle und damit letztlich unvermeidliche Ursache für das Error 404 Problem: Die schrittweise "Linkverwesung" (link rot) ist der Struktur des Internet inhärent. Sie ist auf die damalige Entscheidung von Tim Berners-Lee zurück zu führen, das Internet so einfach wie möglich zu gestalten. Der Hyperlink wurden unidirektional (statt bidirektional) konzipiert. Damit ist das Generieren von Außenlinks (Outbound Links) unabhängig von jenen Stellen, auf die die URLs verweisen. Im Normalfall weiß also die Stelle auf die der Link verweist, nichts davon und kann daher auch nicht etwaige Änderungen mitteilen. Berner-Lees Konzept hat daher zu einer sich selbst organisierenden, nicht-hierarchischen aber auch chaotischen Struktur des WWW geführt. Diese einfache Struktur war aber auch dafür verantwortlich, dass sich das Web innerhalb kürzester Zeit weltweit durchsetzen konnte. (Ich habe kürzlich irgendwo gelesen, dass Berners-Lee gefragt wurde, ob er aus heutiger Sicht etwas anders machen würde. Seine Antwort: Ja die doppelten Schrägstriche bei der Adresse http://… würde er heute weglassen. Sie haben zu Millionen Stunden verlorener Lebenszeit geführt, wenn man bedenkt, wie viele Leute sie wie häufig ständig eingeben müssen.)

Langlebigkeit und/oder Archivieren?

Dem Problem der Flüchtigkeit von Webseiten lässt sich mit zweierlei Strategien zu Leibe rücken:

  1. Langlebige (persistente) Kennzeichnungen: Hier tut sich in letzter Zeit sehr viel und es ist noch nicht ganz klar, welcher Ansatz sich hier durchsetzen wird. Es ist hier nicht der Platz darauf näher einzugehen. Stellvertretend und unvollständig möchte ich aber doch die Idee beschreiben und einige Fachbegriffe wie DOI, ARK, PURL und OpenURL erwähnen. Die prinzipielle technische Idee besteht von persistenter Identifikation besteht darin, dass zwischen URL,URN und URI unterschieden wird. Statt direkt auf den Ort (Location) der Ressource zu zeigen (URL = Unified Resource Locator), wird die Ressource (a) mit einem eindeutigen Kennung bzw. Identifizierungskennzeichen versehen, das (b) über eine spezielle Resolver Software "aufgelöst" wird, indem auf die aktuelle URL verwiesen wird. Diese technische Lösung funktioniert aber nur dann, wenn die Eigentümer der Ressource auch tatsächlich jede Änderung auch immer in die Resolver Datenbank eintragen. Letztlich kommt es bei Lanlebigkeit (Persistenz) von Internet Ressourcen also nicht bloß auf die technische Lösung an, sondern auf die Verläßlichkeit der dahinterstehende(n) Person(en) oder Organisation(en). Ein guter Überblick zu dieser gesamten Problematik findet sich in Implementing Persistent Identifiers (PDF, 588kB) [5].
  2. Archivierung: Auch dieser Lösungsansatz ist nicht trivial, wenn man die enormen Ausmaße und Wachstum des Internets berücksichtigt: Bereits Anfang 2005 wurde die Größe auf 11,5 Milliarden Seiten geschätzt [6:81]. Und selbst diese damalige Zahl bezieht sich nur auf das "flache" Web, also jene Seiten, die öffentlich zugänglich sind und nicht durch Passwörter in einem Intranet verdeckt sind oder durch Datenbanken dynamisch generiert werden (sog. "deep Web"). Das Wachstum der Webseiten hat sich zwar etwas eingebremst gegenüber 1993 als noch alle 3 Monate eine Verdoppelung erreicht wurde. Der Grund für diese kurze Verdoppelungszeit lag natürlich in der damaligen relativ geringen Menge an Webseiten. Heute sind etwa 77 Mio. Websites online, eine Zahl, die sich jährlich um etwa 13 Mio erhöht. (eigene Extrapolation einer Tabelle bei [6:82] Ende Dezember wurden lt. Internet World Stats 1,32 Mrd. InternetbenutzerInnen geschätzt, was einem Wachstum von über 265% zwischen 2000-2007 entspricht. Heute ist jeder 5. Erdbewohner bereits mit dem Internet verbunden. Insgesamt werden

Das Internet Archive - eine wichtige Initiative

Eine wesentliche Rolle bei der Archivierung von Internetressourcen spielt das 1996 von Brewster Kahle gegründete Internet Archive. Als gemeinnützige Organisation hat es sich die Aufgabe gestellt, einen Beitrag zur Bewahrung unseres kulturellen Erbes – das sich zunehmend auch über die Internet Resourcen manifestiert – zu leisten. Mit der speziell für Archivzwecke entwickelten Open Source Software (sog. "Crawler") Heritrix werden in Zusammenarbeit mit der Suchmaschine Alexa ständig weltweit die Webseiten durchsucht und archiviert. Alexa stellt die Webseiten nach einer 6-monatigen "Schonfrist" – also dann, wenn die Daten kommerziell nicht mehr besonders interessant und verwertbar sind - dem Internet Archive zu Verfügung. Über eine spezielle Software der sogenannten Wayback Machine kann dann auf diese archivierten Seiten zugegriffen werden. So finden Sie z.B. alte Versionen meiner Homepage unter: http://web.archive.org/web/*/http://www.peter.baumgartner.name.

Bereits 2006 hatte das Internet Archive über 2 petabyte (!) Daten archiviert. Das ist eine unvorstellbare Datenmenge, die sich aus der Reihenfolge Kilo-Mega-Giga-Teray-Peta oder auch durch 1015 (eine 1 mit 15 Nullen hinten dran: 1,000,000,000,000,000) erahnen lässt. Das Arhciv wächst mit mindestens 20 terabytes pro Monat, womit es sogar die Wachstumsrate der Library of Congress – der weltweit größten Bibliothek – übertrifft. Das Internet Archive war nicht unumstritten und es gab in den USA auch bereits einige Musterprozesse bezüglich Copyright, die aber alle inzwischen gewonnen bzw. beigelegt wurden: BetreiberInnen einer Webseite können ja über den robots.txt Standard Suchmaschinen den Eintritt in die eigene Webseite verbieten. Tun sie das nicht, dann haben sie indirekt der Archivierung zugestimmt.

Nach einer turbulenten Zeit ist das Internet Archive (IA) inzwischen vom Staat Californien als Bibliothek anerkannt und Mitglied der American Library Asociation (ALA).Die enormen Datenbestände des IA werden in der Bibliothek von Alexandrien (Ägypten) gespiegelt. Das IA ist somit die einzige Bibliothek weltweit mit einer Spiegelung d.h. Verdoppelung ihrer Datenbestände. Eine sehr gute Einführung in die Idee des IA gibt ein Interview (englisch, jedoch mit deutschen Untertiteln) von Brewster Kahle im Elektronischen Reporter (ein übrigens sehr witziger und trotzdem gleichzeitig informativer Videokanal oder Vodcast des Handelsblatt).

Literaturliste

  • [1] Marshall, Catherine C. 2007. How People Manage Information over a Lifetime. In Personal Information Management, Hg. v. William Jones und Jaime Teevan, 57-75, Seattle, Washington, United States: University of Washington Press http://www.csdl.tamu.edu/~marshall/PIM%20Chapter-Marshall.pdf (Zugegriffen März 26, 2008).
  • [2] Owens, Trevor. 2007. Zotero and the Internet Archive Join Forces. Zotero: The Next-Generation Research Tool. http://www.zotero.org/blog/zotero-and-the-internet-archive-join-forces/ (Zugegriffen März 30, 2008).
  • [3] Lyman, P. 2002. Building a National Strategy for Preservation: Issues in Digital Media Archiving, chapter Archiving the World Wide Web. 100, Washington, D.C. http://www.clir.org/pubs/reports/pub106/pub106.pdf (Zugegriffen März 28, 2008).
  • [4] Lyman, Peter, Hal R. Varian, Kirsten. Swearingen, und Peter Charles. 2003. How much information? 2003. University of California: Berkeley. School of Information Management and Systems. http://www.sims.berkeley.edu/research/projects/how-much-info-2003/.
  • [5] Hilse, Hans-Werner, und Jochen Kothe. 2006. Implementing Persistent Identifiers. Consortium of European Research Libraries http://www.knaw.nl/ecpa/publ/pdf/2732.pdf (Zugegriffen März 13, 2008).
  • [6] Witten, Ian H., Marco Gori, und Teresa Numerico. 2006. Web Dragons: Inside the Myths of Search Engine Technology. Academic Press.

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9 Kompetenzen der Arbeitsorganisation

Review des Buches von Julie Morgenstern: Never check E-Mail in the morning

Buch Cover

Im Zusammenhang meiner laufenden Recherchen für wissenschaftlich.arbeiten.buch bin ich bei der thematischen Beschäftigung zu Personal Information Management (PIM) auf das Buch von Julie Morgenstern Never check E-Mail in the Morning gestoßen. Sicherlich war auch der Titel für mich meine Kaufentscheidung wichtig – suche ich doch schon seit Monaten nach Ideen, wie sich die Flut von E-Mails beherrschen lässt.

Das Buch selbst hat außer einigen eingestreuten Bemerkungen kaum etwas mit Neuen Technologien zu tun. Insofern war das Buch für mich eine Enttäuschung. Andererseits habe ich jedoch überraschenderweise und in ganz unerhofften Ausmaß von diesem Buch profitiert. Inzwischen bin ich fast schon zu einem Werbeträger für dieses Buch geworden –sog. Virales Marketing :-), da ich es in meinem Bekanntenkreis bereits mit recht großem Erfolg beworben habe.

Is it me … or is it them?

Der wesentliche Grund, warum mir dieses Buch so gut gefallen hat, liegt in seiner pädagogisch-didaktischen Konzeption. Julie Morgenstern geht davon aus, dass professionelles Organisieren ein Set von 9 Kompetenzen umfasst. Sie spricht also von Kompetenzen – und nicht etwa von Tricks, die angewendet werden müssen oder von einigen organisatorischen Maßnahmen, die es umzusetzen gilt.

Das Faszinierende für mich an diesem Buch für mich war es, dass diese Kompetenzen überzeugend mit einer Reihe (insgesamt 34!) unmittelbaren, dh im stressigen Alltag anwendbaren Strategien schrittweise umgesetzt werden können, die alle insgesamt auf eine persönliche Verhaltensänderung abzielen. Das Buch bietet eine Fülle von strategischen Ideen wie man/frau trotz ständiger Unterbrechungen im Arbeitsalltag die gestellten Aufgaben zielgerichtet und effizient erfüllen kann.

Im Mittelpunkt steht dabei häufig die Frage, ob es gilt sich gegen äußere Störungen und Bedingungen zu erwehren bzw. diese Rahmenbedingungen zu gestalten sind ("Is it them?") oder ob es darum geht, dass die eigene Arbeitsweise geändert werden muss ("Is it me?"). Mit vielen Beispielen aus ihrer Praxis als persönlicher Coach werden praktische Probleme anschaulich dargestellt, nach dem Motto "Is it me opr is it them" analysiert und Lösungsstrategien präsentiert.

9 Kompetenzen aneignen

Die im Buch beschriebenen und sich anzueignenden 9 Kompetenzen sind:

1. Work/Life Balance

Entwickle ein ausgewogenes Verhältnis von Berufs- und Privatleben, das eine gute Vereinbarkeit von Familie und Karriere ermöglicht (engl.: Work/Life Balance).

Dieses erste Kapitel war für mich ein Eye Opener: Eindringlich und überzeugend wird argumentiert, dass gerade dann, wenn der Stress am größten ist, Berge von Arbeit mit unaufschiebbaren Deadlines warten, eine ausgeglichene Work/Life Balance entscheidend ist. Nicht nur um wieder Kräfte zu gewinnen sondern damit die zu leistende Arbeit mit einer gewissen Leichtigkeit des Seins effizient, fehlerfrei und nachhaltig erledigt werden kann.

Es werden einfache Übungen vorgestellt, wie der eigene Widerstand gegen diese scheinbar kontra-intuitive Verhalten "ausgetrickst" werden kann. Bereits kleine "Einspengsel" von PEP-Strategien – Physical health, Escape (wie z.B. Lesen, Fernsehen, Kurzurlaube) und People ("Socialising") haben große Wirkungen auf die allgemeine physische und psychische Verfassung.

Im letzten Kapitel greift Julie Morgenstern diese für sie zentrale Kompetenz nochmals auf und schlägt vor: Immer wenn Du verzweifelst bist, das Gefühl hast, dass Du Deine Arbeitssituation nicht mehr im Griff hast, dann wende Dich in erster Linie wieder Deiner Work/Life Balance zu. Das ist der zentrale Hebel, wo Du die Kraft und den Überblick gewinnst, auch wieder die anderen Kompetenzen zu verbessern bzw. ins Lot zu bringen.

2. Unternehmensgeist entwickeln

Entwickle einen unternehmerischen Geist, dh sieh Dich nicht bloß als Opfer sondern als mitverantwortlich für Situation. Gestalte Deine Umgebungsbedingungen und bewusst (mit).

Als "Unternehmen" ist hier gemeint der Auf- und Ausbau der eigenen Karriere. Der erste Schritt für die Entwicklung der Entrepreneur-Kompetenz ist es, sich klar zu werden, warum man/frau diesen Job ausübt. Es geht darum, sich diesen Grund zu vergegenwärtigen; er muss nicht gegenüber andere gerechtfertigt werden. Geht es um soziale Beziehungen, Autonomie, fachliche Herausforderung, sinnvolle Arbeit, Leitungstätigkeit, hoher Gehalt, kreative Tätigkeit, angenehme Arbeitszeiten/Freizeitmuster, Anerkennung …?

Bei dieser Kompetenz soll ein Selbstwertgefühl entwickelt werden, das verhindert, dass man sich immer bloß als Opfer in einer deprimierenden Abhängigkeit sieht ("Ich muss leider diesen Job ausüben, mir bleibt keine andere Wahl"), sondern sich zu einer bewussten Wahl zu bekennen ("Ich mache diesen Job, weil…"). Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der eigenen Karriere, die Kultivierung und der Ausbau des eigenen Werts (Selbstwert), die Förderung des eigenen Reifeprozesses. Unter dieser Prämisse werden selbst unangenehme Arbeitssituationen nicht nur bloß passiv erduldet, sondern können als Mosaikstein bzw. Herausforderung des eigenen Wachstumsprozesses interpretiert werden. Im Zentrum dieser Kompetenz steht der Aufbau einer persönlichen Vision aus deren Sicht die augenblickliche Situation untersucht wird.

Natürlich kann sich eine Arbeitssituation auch so gravierend verschlechtern oder auf eine Fehlentscheidung beruhen, dass es besser ist, sich einen anderen Job zu suchen. Auch für diese Strategie gibt Morgenstein Tipps, macht aber deutlich, dass es häufig vorher noch ganz anderen Möglichkeiten gibt, wie zB. die eigenen Stärken ausbauen, sich um ein anderes Tätigkeitsprofil bemühen, eigene Ideen einbringen bzw. scheinbar sinnlose Arbeitsaufträge zu hinterfragen um die eigenen Vorstellungen mit der Firmenvision abgleichen zu können.

3. Die wichtigsten Aufgaben auswählen

Lerne aus der Fülle von Aufgaben die wichtigsten Aufgaben auszuwählen.

Häufig ist durch die schiere Arbeitsmenge es praktisch unmöglich, immer alle Arbeiten vollständig zu erledigen. Dann ist es entscheidend, sich den wichtigsten Aufgaben vorrangig zuzuwenden. Dies gilt auch dann, wenn es sich um schwierige bzw. zeitaufwendige Aufgaben handelt und eine Reihe kleinerer bzw. leichterer Aufgaben schneller erledigt werden können. Letzteres würde nur zu kurzsichtigen und letztlich falschen Erfolgserlebnissen führen. Es gilt immer und überall: Wichtig vor schnell!

Für Julie Morgenstern ist nicht nur das Wichtigste sondern letztlich sogar einzige Kriterium das die Wichtigkeit einer Aufgabe bestimmt, die Nähe zum Firmenerlös ("Revenue"). Zumindest für den Bildungsbereich ist das wohl ein wenig anpassungsbedürftig und sollte vielleicht durch "Firmenziel" ersetzt werden.

Die Idee ist aber klar: Allgemeine Büroarbeiten, Dateien einordnen, Manuskripte lesen ist weniger wichtig (3 Schritte vom Firmenerlös/Firmenziel entfernt) als Offerte schreiben, an Public Relations Meetings teilzunehmen (2 Schritte entfernt). Am Wichtigsten ist demnach der direkter Kundenkontakt, das Kundenservice und Arbeiten am Produktdesign bzw. an der Produktentwicklung (1 Schritt entfernt).

Doch häufig ist es nicht einfach, zu entscheiden, was die wichtigste Aufgabe ist. Da es eine relative Beziehung ist (wichtig, wichtiger, am wichtigsten) müssen alle (ausnahmslos alle) Aufgaben in einer einzigen Checkliste gesammelt werden. Nur dann kann eine relative Abwägung getroffen werden. Andererseits kann es zu konfligierenden Prioritäten, unvorhergesehenen Krisen, Störungen/Unterbrechungen kommen. Morgenstern schlägt zur Entscheidung die Methode der 3Qs und 4 Ds vor. Damit sind einerseits 3 Fragen (Questions) gemeint:

  1. Wie lange braucht diese Aufgaben?
  2. Wie hoch ist der return of investment (ROI), dh. was bringt die Erledigung der Aufgaben?
  3. Wann ist die Deadline?

In der kombinierten Betrachtung dieser 3 Fragen lässt sich häufig eine rationale Priroritätensetzung vornehmen. Oft reicht das nicht aus, weil trotzdem viele wichtige Aufgaben nicht bis zur Deadline abgearbeitet werden können. In diesem Falle helfen dann die 4 Ds (Delete, Delay, Delegate, Diminish) =

  1. Aufgabe streichen bzw. stornieren: Überlege, was im schlimmsten Fall passieren kann, wenn Du die Aufgabe nicht erledigst. Geht die Firma Bankrot, verlierst Du den Job? Oder ist alles nur halb so schlimme und wieder reparierbar?
  2. Aufgabe verzögern, dh Deadline nach hinten verschieben: Hier ist nicht eine endlose Verschleppung gemeint, sondern es sollte geprüft werden (Gespräch mit MitarbeiterIn, Chef, Kunde, etc.) ob es eine Möglichkeit gibt die Erledigung der Aufgabe ohne großen Schaden aufzuschieben.
  3. Aufgabe delegieren, dh an andere MitarbeiterInnen weiterreichen: Nicht vergessen, dass auch hier für die Übergabe (zB. Erklärung der Arbeitsaufgabe) Zeit eingeplant werden muss.
  4. Aufgabe verkleinern, dh. aus der Aufgabe "Luft rausnehmen", sich auf die wichtigsten, aller notwendigsten Punkte beschränken

4. Zeitsouveränität entwickeln

Schaffe Dir den Zeitrahmen, der notwendig ist, um die Aufgaben abzuarbeiten.

Hier gibt Morgenstern eine Reihe von Tipps, wie Unterbrechungen vermieden werden können. Darauf baut auch der Titel des Buches auf, weil sie vorschlägtr, dass man sich eine tägliche Routine aufbaut, wo konzentriert und ungestört 1-2 Stunden gearbeitet werden kann. Für viele Leute ist dies wahrscheinlich ganz in der Früh am leichtesten realisierbar – wenn noch nicht alle am Arbeitsplatz sind, der Arbeitstag erst langsam anläuft und man selbst noch frisch und ausgerastet ist. Deshalb der Tipp diese Zeit nicht mit E-Mail Lesen zu vergeuden, sondern sich auf wichtige strategische und planerische Aufgaben zu konzentrieren.

Morgenstern rät eindringlich von Multitasking ab, weil das ständige "geistige Umrüsten" (sich auf die andere Aufgabe wieder einstellen) ineffizient ist. Das Gruppieren und Abarbeiten ähnlicher Arbeiten hintereinander ist jedoch sehr sinnvoll.

Eine Reihe von Tipps soll helfen die Störungen minimieren oder zumindest in Grenzen halten. Ein Trick gefällt mir da besonders gut: Wenn ein Mitarbeite in Dein Büro – sagen wir um 9:35 –kommt und fragt ob Du 5 Minuten Zeit hättest, es wäre etwas ganz wichtiges zu besprechen, dann antworte: "Ja, ist in Ordnung, ich habe sogar 10 Minuten Zeit", schau und weise auf die Uhr hin und setzte fort: "Also bis 9:45, dann muss ich ein wichtiges Telefonat führen."

5. Beseitige Deine Schwächen

Lerne Deine blinden Flecke kennen und bekomme Deine Schwächen in den Griff.

Hier spricht Morgenstein Perfektionismus, Aufschieben, Unterbrechungen und ineffiziente Meetings an. Für mich besonders interessant war das Kapitel zu Unterbrechungen.

Erster Schritt um diesesn Problem in den Griff zu bekommen ist eine genaue Beobachtung (Aufzeichnung) der täglichen Unterbrechungen: Wann, Wer, Wie (Mail, Telefon, persönliches Erscheinen), Grund der Unterbrechung, Länge und Bewertung (A: kritisch und dringend, B: wichtig aber nicht dringend, C: unnötig). Daraus lässt sich dann erstens feststellen, wie viel Zeit für notwendige Unterbrechungen (Typus A und B) täglich einzuplanen ist und zweitens das Muster analysieren (ungünstige Zeit, zu lange, zu kurz hintereinander, unklares Problem etc.) und Überlegungen zur Verbesserung anstellen.

Ein guter Tipp ist es, einen Zeitrahmen für alle anzukündigen, sog. "Sprechstunden" um die Unterbrechungen ein wenig kanalisieren zu können.

6. Büroorganisation

Passe Deine (Büro)Organisation den (geänderten) Anforderungen an und mache sie effizienter.

Dieses Kapitel geht auf näher auf eine effiziente Büroorganisation. Die Thematik wird aber meiner Meinung nach nur recht rudimentär behandelt, hier empfehle ich ein anderes Buch: "Getting Things Done. The Art of Stress-Free Productivity" von David Allen, das auch als "Wie ich die Dinge geregelt kriege. Selbstmanagement für den Alltag" in Deutsch erhältlich ist.

7. Delegieren

Delegieren lernen ist eine kritische Kompetenz.

Richtiges Delegieren erfordert

  1. Zeit (für das Übertragen der Arbeitsaufgabe, für ihre Kontrolle, für die Möglichkeit auch Fehler zu machen, sich verbessern zu können)
  2. eine Analyse der zu übertragende(n) Aufgabe(n): Die Arbeitsaufgaben müssen zusammengestellt, analysiert und klar aufgeteilt werden. Wichtig ist auch die Frage an wen die Arbeit übertragen werden soll: An Experten also an Personen, In-house oder auch extern, die die Arbeit auf Grund ihrer Erfahrung, Ausbildung etc. schneller und besser als Du können? Oder an Kollegen (Peers), die die Arbeitsaufträge aber höchstwahrscheinlich anders als Du erledigen oder an Anfänger, die Du anleiten und denen Du eventuell auch helfen musst?
  3. Vertrauen. Delegieren ist eine Vertrauensbeziehung. Du gehst damit unvermeidlich eine Abhängigkeit ein, weil Du Dich auf andere verlassen musst. Delegieren erfordert sowohl Mut zum Loslassen als auch Sorgsamkeit beim Nachverfolgen der Aufgabe.

8. Kooperieren

Lerne gut mit anderen zusammen zu arbeiten.

Häufig herrscht eine falsche Selbsteinschätzung vor. Auch das ist eine Kompetenz die erlernt werden kann und auf 6 Verhaltensweisen aufbaut:

  1. Verfügbarkeit: Können Dich Leute ansprechen und um Hilfe bitten? Bist Du ausreichend (zeitlich gesehen) verfügbar? Kümmerst Du Dich rasch (Rückruf, kurzfristiger Termin etc.)?
  2. Zuverlässigkeit: Kann man sich auf Dich verlassen? Haltest Du was Du versprichst? Bist Du pünktlich?
  3. Anpassbarkeit: Kannst Du Dich rasch auf neue Situationen einstellen? Kannst Du improvisieren? Bist Du bereit auch zusätzliche Arbeit, zusätzliches Risiko zu übernehmen?
  4. Respekt: Gehst Du inhaltlich und zeitlich respektvoll mit Kollegen um? Sschätzt Du deren Kompetenzen, bist freundlich und stiehlst Ihnen nicht dauern die Zeit mit Deinen eigenen Problemen?
  5. Klarheit: Wissen Deine Kollegen was Du willst/brauchst? Drückst Du Dich klar aus, damit andere wissen woran sie sind?
  6. Fairness: Versuchst Du Win-Win Situationen herzustellen? Nimmst Du nicht nur, sondern gibst Du auch?

Zu all diesen 6 Verhaltensweisen gibt Julie Morgenstern Umsetzungsstrategien und Tipps an.

9. Betone Deine Stärken

Lerne Deine Stärken kennen und setze sie richtig ein.

Das letzte Kapitel schließt den Kreis, indem – ausgehend von der eigenen Vision – strategische Aspekte der eigenen Positionierung im Arbeitsleben beleuchtet werden und nochmals die Notwendigkeit der ausgewogenen Work/Liefebalance betont wird. Es werden vier wichtige Fragen unter dem Gesichtspunkt "Is it me or is it them?" behandelt:

  1. Workload: Wie verhalte ich mich, wenn meine Workload einfach nicht zu schaffen ist? Wie wenn sie zu wenig herausfordern ist? Keine Perspektive für mich innerhalb der Firma hat?
  2. Firmenkultur: Wie verhalte ich mich, wenn ich merke, dass die Firmenkultur nicht meiner eigenen Vorstellung von Arbeit und Arbeitsorganisation entspricht?
  3. Wandel: Wie verhalte ich mich bei drohenden bzw. bereits vor sich gehenden Änderungsprozessen, die das Risiko von persönlichen Nachteilen beinhalten?
  4. Vergütung: Wie verhalte ich mich wenn ich mit dem Gehalt oder und anderer Belohnungs- und/oder Entschädigungsmechanismen nicht zufrieden bin. 

Zusammenfassung

Das Buch von Julie Morgenstern ist ein Fundgrube von nützlichen Tipps und Tricks für das Arbeitsleben. Das ist an und für sich schon ein großes Plus und sollte für eine Empfehlung ausreichen. Es sind aber zwei ganz andere Punkte warum mir dieses Buch so gut gefallen hat:

  1. Es werden Strategien vorgestellt, wie diese Tipps und Tricks im normalen Alltagsstress auch tatsächlich umgesetzt werden können. Außerdem werden auch einige Instrumente vorgestellt, die helfen sollen, den Erfolg der Umsetzung kritisch einzuschätzen bzw. zu bewerten. Damit ist es möglich sich schrittweise zu verbessern.
  2. Alle Tipps und Tricks werden als Bestandteile einer sich anzueignenden Kompetenz betrachtet. Das halte ich aus pädagogisch-didaktischen Gründen für äußerst wichtig. Es wird damit nicht nur signalisiert, dass sich die Kompetenzen erlernen lassen, sondern es wird auch die einfältige und kurschlüssige Vorstellung von richtig/falsch überwunden. Eine Kompetenz kann gut, besser und noch besser angeeignet werden. Eine binäre Beurteilung von richtig oder falsch ist in solchen komplexen Dingen, die sich graduell entwickeln, meist nicht angebracht.


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Kooperatives Brainstorming mit MindMeister

Web 2.0 Technology at its best

MindMeister in Aktion

Vor einigen Tagen erhielt ich eine Einladung MindMeister zu testen. Normalerweise kann ich auf solche ad hoc Einladungen nicht gleich reagieren (und vergesse es dann nach einiger Zeit <grin>). In diesem Fall aber kam dieser Tipp wie gerufen: Ich suche nämlich nach wie vor ein praktisches Werkzeug zum Erstellen von Mindmaps auf dem Mac. FreeMind über das ich schon einmal berichtet habe, hat sich bei mir aus verschiedenen Gründen (langsam, komplex in der Bedienung) nicht durch gesetzt. Es scheint, dass Mindmeister diese Lücke bei den Arbeitswerkzeugen bei mir schließen kann.

Ein recht guter Überlick über aktuelle Mindmap Software findet sich übrigens bei: Needleman, R., 2008. Map your mind 2.0. Webware – Webware : Cool Web apps for everyone - CNET. http://news.cnet.com/8301-17939_109-9934898-2.html [Zugegriffen August 6, 2008].

Web 2.0 Anwendung

Was mich besonders an MindMeister fasziniert ist die kompromisslose Umsetzung von Web 2.0 Möglichkeiten. Ich fahre ja schon seit einiger Zeit landauf und landab und werbe für die neuen didaktischen Möglichkeiten der Web 2.0 Technologien für E-Learning. Aber ich muss gestehen, dass ich bei MindMeister gleich mehrmals vor Überraschung bzw. Begeisterung in die Hände geklatscht habe. Offensichtlich habe ich da technologisch noch nicht alles verstanden, insbesondere was die Möglichkeiten von AJAX betrifft. Ich vermute zumindest, dass es mit AJAX zusammenhängt (siehe auch das AJAX Einführungstutorial von w3schools, wo sich eine sogar für mich recht verständliche programmtechnische Einführung findet). Nur so ist es für mich erklärbar, dass LeserInnen dieser Seite mit der nachfolgenden Grafik praktisch unmittelbar also mit sehr schnellen Reaktionszeiten interagieren können.

  • Klicken Sie z.B. auf die +Lupe um das Mindmap zu vergrößern,
  • Klicken Sie auf die Mindmap und verschieben Sie die Grafik bei gedrückter Maustaste
  • Klicken Sie auf die - Symbole bei den Ästen um die Darstellung zusammen zu klappen
  • Halten Sie den Mauszeiger auf die Symbole rechts innerhalb der zentralen Idee "Wikipedia Fact Sheet". Die ersten beiden funktionieren (Anzeigen meiner Notiz und einer damit verknüpften Internet Adresse. Die beiden anderen – das kleine Häkchen (Status der Aufgabe) und die Büroklammer (angehängte PDF-Datei) – zeigen nichts an. Entweder habe ich da irgend was falsch gemacht, oder es ist ein Fehler der Software.

Neben der direkten Einbettung in Webseiten kann auf die Mindmap mit einen Link über E-Mail oder auf einer Website eingebunden (wie hier) verwiesen werden. Alle Optionen können auch mit einem Passwort versehen werden.

Die Mindmap lässt beim Erstellen – ebenfalls unter Verwendung von AJAX – sehr leicht positionieren. Man braucht bei der Erstellung nur einen Ast anzuklicken und auf die neue Position verschieben. Oder auf die Stelle, wo man den Ast haben will, doppelt zu klicken.

Besonders interessant ist es natürlich, dass über das Internet bei der Erstellung der Mindmap kooperiert werden kann. Dazu wird eine Einladung verschickt. Es kann dabei festgelegt werden, ob die Einladung nur zum Ansehen oder auch Mitarbeiten bzw. Verändern berechtigt. Etwa 3 Sekunden nachdem meine Frau nach der Eingabe die Bestätigungstaste gedrückt hat, erschien bei mir bereits die Änderung. Oder falls man asynchron arbeitet, kann man/frau sich über E-Mail oder über SMS via Twitter verständigen lassen.

Weitere Funktionen

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer wichtiger Funktionen. Einige davon sind allerdings nicht gratis sondern nur im Premium Modus (3,21 €/Monat) erhältlich (siehe dazu genauer die Vergleichstabelle der Funktionen bei unterschiedlichen Versionen.)

  • Sie können Mindmaps aus MindMeister natürlich ausdrucken, aber auch in PDF oder RTF Format abspeichern.
  • So können Mindmaps aus MindJet MindManager (ab Version 6) und FreeMind (ab Version 0.9) importiert (frei) bzw. exportiert (Premium) werden.
  • Anhängen von Dateien (Premium)
  • Eine Bearbeitung der Mindmaps ist in der Premium Variante auch offline möglich. MindMeister verwendet dazu das noch im Experimentierstadium befindliche Google Gears, eine gewisse Vorsicht ist also geboten. Bei mir hat alles bisher jedoch Bestens funktioniert; man/frau darf nur nicht vergessen, die im Cache noch gespeicherte (Web)Seite (bzw. lokale Seite) zu löschen.
  • Geistesblitz: Darunter wird die Möglichkeit verstanden, ganz schnell von verschiedenen Orten aus seine Ideen auf MindMeister zu übertragen. Es können entweder kleine Zusätze der Benutzeroberfläche (Widgets bzw. Gadgets) für Mac OS X, Windows Vista, Yahoo!, iGoogle und iPhone bzw. Browserzusätze (Plugins) für Firefox 2.x bzw. Internet Explorer 7/8 installiert werden. Für unterwegs bietet MindMeister an die Ideen über Handy per E-Mail (z.B. mit Blackberry bzw. SMS (über einen Twitter Account) an MindMeister zu schicken. Das ist offensichtlich für die ganz Eiligen (oder Super-Kreativen) gedacht; ich werde wahrscheinlich weiterhin Papier als "Zwischenablage" verwenden, bis ich wieder einen "normalen" Internet Zugang habe.

Zusammenfassung

Alles in allem ein sehr ausgeklügeltes Werkzeug und vor allem relativ leicht zu bedienen. Es lässt sich sofort damit die erste Mindmap erstellen, die Bedienung ist recht intuitiv. Die Hilfe ist einfach und verständlich aufgebaut. Einigen deutschsprachige AnwenderInnen fehlt vielleicht noch die deutsche Lokalisierung. Aber ich vermute, die wird nicht lange auf sich warten lassen. Wie es sich für Web 2.0 Anwendungen gehört, können die Mindmaps mit Tags versehen werden. Ein öffentlicher Webspace und ein User Forum runden das Angebot ab.

Um alle Funktionen einmal durchzutesten, habe ich ca. 3 Stunden gebraucht. Für die obige Mindmap hatte ich bereits eine Papiervorlage. Sie in MindMeister zu übertragen hat mich etwas über eine Stunde gekostet. Dabei habe ich dann - wie es ja der Sinn von Mindmaps ist - aber auch gleich Ergänzungen und Änderungen vorgenommen!


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Dokumentenmangement online

Hinweise auf interessante Websites

Kosmix
Onstage
Posterous
Labmeeting
ManualsMania
Lulu
Scribd

Beim Durchsehen des Scribd-Weblogs bin auf viele interessante Webseiten gestoßen (siehe meinen Beitrag zu Scribd: Neue Funktionen). Weil es sich offensichtlich bei iPaper um eine sehr innovative Technologie ich Bereich webbasierter Dokumentenverarbeitung handelt, arbeiten zunehmend viele andere Plattformen, die sich mit Dokumentenmanagement bzw. Online Publizieren beschäftigen (Museen, Bibliotheken usw), mit Scribd zusammen. Das regelmäßige Lesen des Scribd-Blogs zahlt sich daher auf jeden Fall aus. So bin ich beispielsweise auf die folgende hoch interessanten Websites gestossen:

  • Die neue Suchmaschine Kosmix - derzeit noch etwas zu US-lasting – sucht in verschiedenen Quellen (z.B. auch in Scribd) und sortiert die Ergebnisse recht übersichtlich nach Kategorien. Probieren Sie es mal aus z.B. mit Peter Baumgartner. (Ja ich weiß, leider ein sehr häufiger Name…)
  • OnStage ist ein Website, der speziell für Projektkooperationen gedacht und daher eine Reihe von Werkzeugen zum Projektmanagement inkudiert.
  • An Posterous können Sie einfach per Mail ein Weblog eröffnen, das alle Ihre Dokumente in der Mail in iPaper Format veröffentlicht. Und das Beste daran: Sie brauchen sich nicht einmal einzuloggen!
  • Lulu - einer der größten Websites zum selbständigen Publizieren und Vermarkten von Büchern – habe ich schon vorher gekannt.
  • Labmeeting: Ein weiter Social Software Website für WissenschaftlerInnen zum Austauschen von Ideen und Papers (natürlich in iPaper Format)
  • ManualMania der weltgrößte Website zum Hochladen von Manuals, Bedienungsanleitungen usw. Die Idee ist nicht die passende Information von überall zu finden, sondern auch die riesigen Papiermengen zur Entlastung der Umwelt zu entsorgen, d.h. zu recyclen.
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Die Welt ist eine Google

Kritisches Buch zur "unkontrollierten Weltmacht im Internet"

Über einen Kommentar von Martin bin ich auf das Buch von Gerald Reischl (Die Google Falle) aufmerksam gemacht worden. Das Buch ist interessant, wenn auch der Stil, wie es geschrieben ist, nicht ganz mein Fall ist. Es war mir ein wenig zu locker geschrieben – ich hätte mir an manchen Passagen mehr Analyse erwartet. (Aber wahrscheinlich bin ich schon zu stark akademisiert und liegt der Fehler an mir - und nicht an dem Buch…)

Insgesamt vermittelt das Buch aber einen ganz guten Gesamteindruck von Googles Macht. Gegen Ende des Buches gab es auch zwei für mich neue Informationen:

  1. Einerseits hat der Autor marktagent.com eine Studie im Auftrag gegeben, die zum Teil ernüchternde bzw. verblüffende Ergebnisse brachte: So meinten beispielsweise 17,6% dass Microsoft das Internet erfunden habe, kaum 2% tippten (richtig) auf Tim Berners-Lee (163). Google wird als europäische Firma gesehen und hat ein äuerst positives Image. Jeder 7. Internet-Benutzer sieht zu Google keine Alternative, 4,3% wollen bei einem Ausfall von Google so lange warten, bis es wieder online ist, usw. usf. Diese Umfrage stimmte mich sehr betroffen und nachdenklich.
  2. Es werden im Buchtext verstreut einige interessante Internetadressen angegeben. Besonders interessant für mich dabei waren die Links zu altnerativen Suchmaschinen (150ff.) und Anonymisierungsdienstenn (160ff.). Darauf hoffe ich in gesonderen Beiträgen noch einmal näher eingehen zu können.

Ein besonderer Gag stellt die Eingangsseite der zum Buch gehörigen Website dar! Der Blog ist relativ aktuell und ist vielleicht wert über RSS abonniert zu werden - obwohl ich glaube, dass es umfassendere - jedoch englisch-sprachige - Anti-Google Website gibt. Die entsprechenden Links muss ich noch sichten und sortieren. Ich möchte gerne eine Linksammlung zusammenstellen, die hilft, ohne Google aus zu kommen. (Das würde ich persönlich auch brauchen, der ich fast täglich Googles Diensten benutze...)


Reischl, Gerald. 2008. Die Google-Falle. Die unkontrollierte Weltmacht im Internet. Ueberreuter Verlag. http://www.librarything.de/work/5113786/book/35605636.

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Universitätsprofessur – Forschungsmanagement statt Forschungsinhalte

Überlegungen zum Karrierebild "Universitätsprofessur" und mögliche persönliche Lösungsansätze

Mein Blog dümpelt schon die die letzten Wochen, ja Monate!, wieder dahin. Diesen Beitrag habe ich bereits am 23. August begonnen und ich komme erst heute (Mitte Oktober) dazu ihn fertig zu stellen. Seit Mai gab es nur einen – allerdings wie ich meine: wichtigen – inhaltlichen Beitrag von mir in meinem Blog. Etwas besser läuft die Nachrichtenseite, obwohl ich auch dort bei weitem nicht dazukomme über alles Wissenswerte und Interessante zu berichten. Es fehlen wichtige Keynotes (z.B. Fernausbildungskongress der Bundeswehr) genauso, wie wichtige Informationen zu Projektterminen.

Zwar wird die 20-wöchige Pause durch eine bewusste Abstinenz von 6 Wochen im Sommer relativiert; doch ändert das nichts am grundsätzlichen Problem: Ich bin immer mehr mit organisatorischen Tätigkeiten voll ausgelastet und komme nicht mehr dazu die sporadischen inhaltlichen Aktivitäten – die es durchaus auch gibt – kontinuierlich zu reflektieren. Neben einigen individuellen bzw. lokalen Gründen (ich kann schwer nein sagen, wenn ich zu Vorträgen eingeladen werde, die heiße Phase der Ziel- und Leistungsvereinbarungen) drückt sich darin meiner Ansicht ein ganz generelles Problem akademischer Führungspostionen aus: Immer mehr werden wir Professoren zu artfremden Tätigkeiten verpflichtet. Wir haben immer weniger Zeit für inhaltliche Arbeit und müssen im Rahmen der viel gerühmten Autonomie der Universitäten immer mehr Verwaltungs- bzw. Leitungstätigkeiten übernehmen.

Forschung managen statt selber forschen

So muss ich beispielsweise um mein Department "am Laufen zu halten" 2 Mio € an Drittmittel aufstellen - und zwar jedes Jahr! Diese Drittmittelakquise hat aber nicht nur nichts mit inhaltlicher Forschungsarbeit zu tun, sondern bringt – insbesondere bei Erfolg! – automatisch auch eine Reihe anderer "artfremder" Tätigkeiten mit sich: Personal anstellen, Verträge aushandeln, Räume innerhalb der Institution erkämpfen etc etc. Die akademische Elite von Richard Münch hat mich gerade deshalb so betroffen gemacht (siehe meinen Kommentar dazu), weil ersichtlich wird, dass in den deutschsprachigen Ländern diese Verarmung von Forschungstätigkeiten inzwischen ein ganz genereller Trend geworden ist. Dort wo wir ProfessorInnen eigentlich gut sind und warum wir diese Karriere als ProfessorIn angestrebt haben – und worin auch unsere hauptsächliche intrinsische Motivation liegt –  dürfen bzw. können wir gar nicht mehr tätig sein.

Ein bereits länger zurück liegendes Beispiel soll die Absurdität der Situation verdeutlichen: Als Professor für Wirtschaftspädagogik hatte ich in Innsbruck mein Institut in einem langen Gang untergebracht. An dem einen Ende des Gangs war die "normale" Institutssekretärin für die Studierendenbetreuung angesiedelt. Mit einer Professur, 3 wissenschaftlichen MitarbeiterInnen und 600 Studierenden in Wirtschaftspädagogik kann man sich vielleicht den Arbeits- und Organisationsaufwand vorstellen. Auf dem anderen Ende des Gangs war meine Projektsekretärin untergebracht. Dazwischen saßen die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der Planstellen und der über Drittmittel finanzierten Projektstellen. Weil ich viele organisatorische Details direkt und persönlich klären musste, bin ich häufig den Gang auf- und abgelaufen und habe dabei gesehen wie meine MitarbeiterInnen in den Zimmern lesen, schreiben oder anderen wissenschaftlichen Tätigkeiten nachgehen – während ich mit organisatorischen Agenden beschäftigt war, unter anderem auch deshalb um die Gelder für die Beschäftigung der MitarbeiterInnen aufzustellen!

Selbst renommierte "professorale" Tätigkeiten, wie Begutachtungen, Gremien und Kommissionen stützen sich vor allem auf bereits vorhandene Erfahrung und Wissen und bringen – wenn überhaupt – neue Erkenntnisse auf einer Meta- bzw. Prozessebene und weniger zum eigentlichen Fach- und Spezialgebiet. Ehrenamtliche Vorstandsarbeit in wissenschaftlichen Gesellschaften, Expertenbeiräte und Beratungsgremien greifen in ihren Entscheidungen und Empfehlungen häufig auf Konzeptpapiere und Studien von wissenschaftlichen MitarbeiterInnen zurück, die mit der inhaltliche Recherche beauftragt wurden und dann entweder vor Ort oder durch Desk Research selbst aktiv werden.

Mögliche Lösung:

Mir scheint hier eine mögliche Lösung darin zu liegen, dass man/frau ganz bewusst für mehrere Jahre die Schwerpunkte der Arbeit von der Kontextebene (Metaebene) zur Inhaltsebene wechselt. Also für mich würde es jetzt wahrscheinlich stimmen und mich persönlich mehr Spass machen, wenn ich mich für bei Auftritten und Gremienarbeit in den nächsten Jahren zurücknehme und mehr selbst in die inhaltliche Arbeit einsteige. Das ist aus mehreren Gründen allerdings nicht ganz einfach:

  1. Das unmittelbare Erfolgserlebnis des konkreten Auftritts, der sozialen Vernetzung geht verloren. Das was Manager Quick Wins nennen wird durch die Mühe der langen Ebene (z.B. beim Schreiben eines Buches) ersetzt.
  2. Es muss ein Mittelweg gefunden werden, weil völlige und dauerhafte soziale Abstinenz – gerade auch aus inhaltlichen Gründen – selbst wieder kontraproduktiv ist. Schließlich muss man/Frau auch schauen, dass einem die KollegInnen in der Zwischenzeit nicht das Wasser abgraben <smile>. Auch haben wir natürlich auch eine gewisse Gestaltungsverantwortung sowohl auf der inhaltlichen Ebene als auch auf der personellen Ebene (z.B. Nachwuchsförderung). Es ist gar nicht so einfach, sich aus diese Verantwortung heraus zu ziehen, weil man/frau ja eben schon sehr tief eingebunden ist und Lücken bzw. Rückschläge der bisherigen Arbeit entstehen könnten.

Wie könnte so ein Mittelweg für mich in den nächsten Jahren ausschauen? Mir ist vor 30 Jahren die Strategie "Rauchen aufhören" viel leichter gefallen als mein ständiger Kampf das Gewicht zu halten <grin>. Beim Rauchen geht es letztlich "bloß" um völlige Abstinenz, beim Reduzieren von Gewicht jedoch um eine differenzierte - im Alltag zu implementierende und konsequent zu verfolgende – Verhaltensweise.

Sensible Informationen

Auf der anderen Seite ist ja die Arbeit in den Kommissionen selbst ein Teil der inhaltlichen Arbeit auf der Metaebene. Allerdings mit einem großen inhaltlichen Problem: Man/Frau ist selbst Teil des Systems, hat vertrauliche, bzw. politisch brisante Informationen und kann darüber nicht mehr so ganz beliebig öffentlich reflektieren. Ich versichere, dass ich öfters ganz spannende Dinge und lustige Anekdoten zum Besten in meinem Weblog geben könnte. Aber leider sind die Dinge sehr heikel, würden Personen unter Umständen desavouiert werden, würde ich meine eigene Institution "anpatzen" etc. etc. Also schweigt der kluge Mensch lieber!

So konnte ich die letzte beiden Jahre über bestimmte Ereignisse, die sich aus meiner Arbeit als wissenschaftlicher Leiter des MedidaPrix ergaben (Gespräche mit Verantwortlichen in den Ministerien, laufende z.T. kontraversielle Diskussionen im Vorstand der GMW etc.) nicht öffentlich berichten. Oder es gibt neue interessante Inhalte, die sich aus meiner Arbeit im Steirischen Forschungsrat ergeben, die zwar selbst als Informationen unproblematisch sind, aber in einem vertraulichen Kontext generiert wurden und ohne diesen (erklärenden, erläuternden) Kontext nicht sinnvoll vermittelt werden können.

Manchmal habe ich mit schon mit anderen KollegInnen überlegt, ob wir nicht gemeinsam einen anonymen Blog eröffnen sollten. Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht nicht darum, sich bloß seinen Frust von der Seele zu schreiben. Das mache ich öfter so, dass ich etwas schreibe, was ich dann intern nur ausgewählten, engen Vertrauten schicke. Oder ich nutze verklausulierte Metabetrachtungen ("Weisheiten"), wie es aus meiner Sicht witzig und aktuell in abstrakten Sprüchen, wie z.B. den mit den Toten Pferden,  zusammengefasst ist. Die Frage ist also nicht (nur) wie Frust abgeladen werden kann, sondern wie über diese Dinge konstruktiv reflektiert werden kann um die darin enthaltenden Probleme inhaltliche weiter zu bringen bzw. aufzulösen.

Mögliche Lösung:

Eine mögliche Lösung wäre es nach einen unverfänglichen Rahmen zu suchen, wo die entsprechende Information aus dem entsprechenden sensiblen Kontext herausgenommen wird. Das ist aber nicht ganz einfach und erfordert in zusätzliches Recherchieren und Abstrahieren. Kontext und Inhalte müssen gewissermaßen verfremdet werden.

Ein gutes Beispiel ist die Diskussion E-Learning am Scheideweg im e-Denkarium von Gabi Reinmann: Hier greift Gabi am Beispiel eines Beitrags von Gudrun Bachmann, Antonia Bertschinger, Jan Miluška "E-Learning ade – tut Scheiden weh?" (Download als PDF auf der Website des Wamann-Verlags) ein heikles Thema auf, mit dem wir in vielen mit E-Learning Gremien zu ganz bestimmten Fragestellungen bereits konfrontiert sind: Die Situation zu E-Learning Projekten und Initiativen hat sich geändert. Das Alleinstellungsmerkmal E-Learning gibt es so nicht mehr, der Umweg den wir HochschuldidaktierInnen im Interesse der Qualität der Lehre gegangen sind – nämlich die tröge und vor sich hinschlummernde Hochschuldidaktik durch die dynamische und innovative E-Learning Communtiy aufzuwecken – greift so nicht mehr. Wir müssen uns (wieder) einen anderen Zugang überlegen, wenn wir die Qualität der Lehre E-Learning befördern wollen. E-Learning ist und war ja aus meiner (unserer) Perspektive nie ein Selbstzweck. –  Das mache aber Leuten klar, der mit E-Learning groß geworden ist, in E-Learning ihre professionelle Perspektive bzw. Karriere entwickelt haben!

Gabi rollt aus meiner Sicht eine allgemeine Frage auf, mit der wir in den letzten beiden Jahren in unterschiedlichen Gremien konfrontiert sind, die wir aber nicht aus diesen Kontexten alleine heraus diskutieren können. Der Artikel von Bachmann et al. ist eine Abstraktion und Verfremdung der in sensiblen Kontexten erlebten Erfahrungen. Es braucht nicht nur viel Zeit sondern vor allem eine gehörige Portion an Kreativität und Fingerspitzengefühl um solche Fragestellungen allgemeiner angehen zu können.

Wem von uns brennen nicht täglich gewisse Diskussionen in der eigenen Institution, über die wir gerne reflektieren möchten, unter den Nägeln? Wie ist aber eine Reflexion darüber aktuell - also in einer gewissen zeitlichen Nähe und nicht erst, wenn bereits alles gelaufen ist – möglich? Ich vermute, dass Abstraktion und Verfremdung des Kontexts hier vielleicht eine Abhilfe schaffen könnten. Leider sind wir WissenschaftlerInnen häufig in der Verfremdung nicht besonders gut ausgebildet. Die Abstraktion (oder Entcontextualisierung) alleine birgt hingegen die Gefahr, dass die Diskussion ihren realen Bezug und damit die beabsichtigte Wirkung verliert.

Selbst Teil des Establishement sein - seinen eigenen Kontext reflektieren

Ein Teil der Kommunikationsproblematik liegt natürlich auch darin, dass ich (wir ProfessorInnen) selbst Teil des zu kritisierenden Forschungsestablisment bin (sind). Die Rahmenbedingungen, die ich manchmal kritisieren möchte, sind ja zum Teil selbst von mir mit geschaffen bzw. mitgetragen. Es gilt dabei nicht nur der Spruch Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, der auf ethische bzw. soziale Problemstellungen verweist, sondern es gibt auch objektiv einen blinden Fleck, der durch die eigene Position im System bedingt ist, und eine kritische Reflexion schwierig macht. Bestimmte Dinge sind nur von einer anderen Perspektive sichtbar.

Wie können wir uns also – quasi wie der Baron Münchhausen – an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen? (Siehe dazu auch das etwas anders gelagerte Münchhausen Trilemma)

Mögliche Lösung:

  1. Eine Möglichkeit ist es natürlich die eigene Verstricktheit selbst zum Forschungsthema zu machen. Das ist meiner Ansicht nach Richard Münch mit der schon zitierten "Die akademischen Elite" sehr gut gelungen. Aber das ist normalerweise kaum möglich, weil das Metathema eben ein Metathema ist und nicht selbst der eigentliche Gegenstand unserer Forschung bzw. unserer Expertise. 
  2. Aus meiner Sicht bleibt daher nur das vorsichtige und z.T.  (bildlich gesprochen) blinde Tasten im Dunkeln. Wir können das Bezugssystem nämlich nicht einfach wechseln. Auch wenn wir den Kontext "herunter holen" und zum Thema machen, entsteht ein neuer Kontext als blinder Fleck, als Rahmenbedingungen, die wir unkritisch voraussetzen. Ich habe mich zu dieser Frage ausführlich und theoretisch in meiner Habilschrift der Hintergrund des Wissens auseinandergesetzt.
Mir fallen hier als mögliche – aber vielleicht etwas unbefriedigende – Antworten nur zwei Sprüche von Wittgenstein in "Über Gewißheit" ein:

"Ich glaube, einen Philosophen, einen der selbst denken kann, könnte es interessieren, meine Noten zu lesen. Denn wenn ich auch selten ins Schwarze getroffen habe, so würde er doch erkennen, nach welchen Zielen ich unablässig geschossen habe.“ (ÜG §387) Und weiter: „Ich bin hier geneigt gegen Windmühlen zu kämpfen, weil ich das noch nicht sagen kann, was ich eigentlich sagen will.“ (ÜG §400)

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Re:Universitätsprofessur – Forschungsmanagement statt Forschungsinhalte

Kommentar von reinmann am 10.10.2009 16:25

Peter: Du hast meine volle Zustimmung in deiner Diagnose. Was die Therapie angeht, habe ich noch keine abschließende Meinung. Weil meine Überlegungen dazu etwas länger geworden sind, bitte ich zum Weiterlesen, in mein Blog zu wechseln http://gabi-reinmann.de/?p=1457
Gabi

Re:Universitätsprofessur – Forschungsmanagement statt Forschungsinhalte

Kommentar von Frank Vohle am 10.10.2009 17:06

Danke für diesen offenen Beitrag, indem du über die verzwickte Lage der wissenschaftlichen Manager sprichst. Mir ist dieser „Typ“ zum ersten Mal aufgegangen, als wir 2004 am frisch gegründeten Institut für Wissensmedien in Tübingen waren, um über unser Analogietraining zu sprechen. Herr Professor Hesse sagte lapidar zur Einleitung, dass er sich auch mal mit Analogien beschäftigt hat, damals, als er noch „W i s s e n s c h a f t“ betrieben habe. Dieser Satz klingelte mir noch lange in den Ohren, verstanden habe ich ihn erst viel später.

Interessant finde ich an deinen Ausführungen, dass du den r e f l e x i v e n Charakter jedweglichen Handelns als Wissenschaftlers beschreibst, also dass du selber Teil des von dir beschimpften Systems bist und dass man eigentlich diese antizipierte Wirkung bei jedem Handeln berücksichten müsse. So schön das Systemische ist, p r a k t i s c h bleibt die Frage, ob man überhaupt Alternativen hat und wie die aussehen. Diese systemischen Betrachtungen haben ja auch etwas Erlahmendes, man fühlt sich machtlos und nur Soziologen haben die Kraft, über diese Selbstverstrickungen noch zu schreiben, weil es Teil ihrer Forschungsagenda ist.

Bei dir finden sich zwei Lösungswege. A) Reduktion der Last, durch thematische Fokussierung (Weniger machen, auch wenn das kostet) und reflexive Distanz durch Vefremdung. Die Reduktion der Last (also A) ist, meine ich, not… wendig: Wer 200 kg auf den Schultern trägt, der bekommt Rückenschmerzen, das ist anatomisch zwingend, das sieht jeder ein. Wer dagegen „subtile Gewichte“ wie Forschungsanträge, Verantwortung für Mitarbeiter, Nachwuchsförderung, Stand und Stellung der eigenen Wissenschaft "hebt", der kann immer noch was draufpacken, meint man. Fazit 1: Mann/Frau muss die Ökonomie ernst nehmen und sich knapp machen! :-) .

Deinen zweiten Lösungsansatz B) finde ich deshalb spannend, weil er mich an das narrative Wissensmanagment bei Siemens erinnert. Schon 2001 sprach man da von „Toten Pferden“, um ganze Abteilungen zur humorigen Selbstreflexion zu stimulieren. Das war also Teil einer Interventionsstrategie. Weitergedacht auf den Kontext Wissenschaft hieße das, dass wir so etwas brauchen wie ein Wissenschaftstheater, welches einmal im Monat im Netz oder als Wanderbühne (von Stadt zur Stadt) den aktuellen Uniwahnsinn bespiegelt. Also eine Art wissenschaftliches K a b a r e t t, gibt es das?

Das klingt ja alles nach Symptombekämpfung, oder? Hmm, teils ja, teils nein. Fazit 2: Gerade dein letzter Hinweis in Richtung „Distanznahme“, gern mit Humor oder Kabarett, schafft meines Erachtens erst wieder Raum für kreative Ideen, eine gewisse Bewusstseinhaltung und zwar auf der Ebene von Münchhausen.

Frank

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