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Context is king versus Learner is king
Ist meine Position radikal genug?
In der Diskussion, die meiner Keynote auf der EDEN Konferenz am 15. Juni folgte, wurde die provokante Frage wufgeworfen, warum ich auf halben Wege stehen bleibe. Wenn nicht mehr Content die Hauptsache ist, warum dann die Lernsituation und nicht die Lernenden selbst? Statt also zu sagen: "Kontext is king" müsste es heißen "Learner is king".
Diese Frage ist nicht trivial. Es scheint sich um eine berechtigte
Kritik meines Ansatzes zu handeln, der als nicht genügend radikal
eingestuft wird. Und tatsächlich stimme ich den dahinter stehenden
Voraussetzungen und Annahmen vorbehaltslos zu:
- Natürlich sind es letztlich die Lernenden um die es geht.
- Natürlich betone ich gerade in den fortgeschrittenen didaktischen Setting die Selbstorganisation der Lernenden.
Formelles und informelles Lernen bilden eine Einheit, beide Lerntypen sind in unserer Kultur wichtig. Die Tatsache, dass informelles Lernen meist unterschätzt wird, darf nicht dazu verleiten, jetzt umgekehrt die andere Seite zu ignorieren und das Kind mit dem Bade auszuschütten.
Es ist eine Frage der Perspektive und Generalisierung: Letztlich geht es um die Lernenden und daher hat der Satz "The Learner is the king!" eine gewisse Stimmigkeit. Das ist aber nur richtig von einem sehr allgemeinen Standpunkt, sozusagen einer Vogelperspektive. Ein Nachteil einer so allgemeinen Sichtweise ist es jedoch, dass die wichtigen Differenzierungen im Detail verwischt werden. Wenn wir unseren Globus aus dem Weltall sehen, können wir keine einzelnen Landschaften (Wälder, Häuser, Strassen etc.) mehr ausmachen.
Aus meiner wissenschaftstheoretischen Perspektive, die von Polanyis Theoire der ontologischen Schichtung inspiriert ist, ist es zwar wichtig, dass wir alle sturukutruell unterschiedlichen Ebenen in Betracht zu ziehen. Falsch aber wäre es nurmehr eine Ebene für die einzige richtige Perspektive zu halten. Ich bleibe daher bei meiner Aussage, dass in Lehrsituationen Context der King ist. Aus dieser (eingeschränkten) Perspektive sind nämlich Lernende selbst Teil des didaktischen Kontextes (z.B. Co-Learner mit unterschiedlichen Rollen im Lehr- und Lernprozess).
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David Wiley: Content ist bloß das Lagerfeuer, um das wir uns sammeln (OER, Seminar 1)
Das ist der erste Teil meines Berichtes über das Seminar "Open Educational Resources - Institutional Challenges", das an der Universitat Obertate de Catalunya (UOC) vom 22.-24. November 2006 stattfand. Das Seminar wurde vom UNESCO Lehrstuhl für E-Learning organisiert (siehe auch Pressemeldung der UOC).
Das Seminar begann mit einem Beitrag von David Wiley, der mit seinem Open Content Blog sowie seiner zahlreichen Artikel zu wiederverwendbaren Materialien ("Lernobjekten") und zur Open Access/Open Content Fragen bereits weltweit bekannt ist. Sein Vortrag war sehr professionell vorgetragen und ich fand ihn auch inhaltlich sehr spannend, besonders was den ersten Teil betraf.
Sein Hauptargument - das ich teile - war, dass Content alleine ist nicht ausreichend für Bildung, andernfalls würden ja Bilbiotheken genügen und wir würden keine Schulen oder Universitäten brauchen. Content ist für ihm bloß das Lagerfeuer (Campfire), um das wir uns sammeln. Entscheidend ist aber, was wir dann tun. Content ist notwendig für Bildung aber nicht ausreichend. (Das hängt meiner Meinung nach davon ab, was unter "Content" verstanden wird. Wenn wir Content als vorfabrizierten Inhalt verstehen, den wir für die Lerner entwickeln, dann stimme ich nicht zu. Wenn wir jedoch unter Content ganz allgemein Inhalt, Problem oder Fragestellung verstehen, dann stimme ich zu.)
Nach Wiley sehen wir uns von 6 großen Veränderungen herausgefordert:
- Wandel von Analog zu Digital
- Wandel von Fixem, Festverbundenm zu Mobilität
- Wandel von Isoliertheit zu Verbundenheit
- Wandel von Allgemeinem zur Personalisierung
- Wandel von Konsum zum Generieren, Erzeugen, Gestalten
- Wandel von Geschlossenheit zur Offenheit ("Openness")
Nach Wiley nun ist es notwendig, dass wir bei wirklichen Innovationen alle 6 Dimensionen gleichzeitig beachten. So sind beispielsweise Online-Selbstlernkurse nicht besonders innovativ, da dabei nur die ersten beiden Dimensionen geändert sind (digital und mobil).
Mit Ausnahme des letzten Punktes finde ich David's Denkfigur interessant. Beim letzten Punkt meine ich aber wird der Wunsch zum Vater des Gedanken. Nicht umsonst brachte er hier keine Beispiele und deshalb war für mich auch der zweite Teil seines Referat weniger überzeugend. Er beschwor "Openess" herauf ohne klar zu machen, worin denn die treibenden (sozialen) Kräfte bestehen, die diesen Trend forcieren:
"Openness" (Offenheit?) ist für ihn der entscheidene, alles ins Lot bringende Katalysatpr: Ohne Offenheit lässt sich Wandel 3 (Verbundenheit) nicht errreichen, weil eben nicht verknüpft werden kann. Ohne Offenheit lässt sich nicht personalisieren, weil nicht die notwendigen Rechte vorhanden sind um die entsprechenden Änderungen vorzunehmen. Und ohne Offenheit lässt sich natürlich schon gar nicht etwas neues schaffen, weil es dann keine Prozedure und Platz gibt, wo neue Sachen entstehen können bzw. hinaufgeladen werden können.
Ja, wie gesagt ein interessanter Gedanke. Offenheit ist unter all den von David erwähnten Gesichtspunkten sehr wichtig, ist vielleicht tatsächlich so eine Art zentrales Bindeglied für die anderen fünf Punkte. Nur: Worin zeigt sich dass Offenheit ein unumkehrberer Trend geworden ist? Muss sich Offenheit einfach alleine deshalb durchsetzen, weil es einen Trend in den anderen 5 Faktoren gibt?
In seinem Referat gab noch drei weitere interessante Punkte:
- Er brachte die Geschichte von einem Polo-Trainer (Polo mit Pferden) der sehr erfolgreich war und nun von seinem Manager aufgefordert wird, die Wasserballmannschaft (Water Polo) zu trainieren. Schließlich geht es ja um dieselben Dinge: Tore dem Gegner schießen, eigene Tore verhindern - und schließlich ist ja beides Polo. Er wollte damit demonsgtrieren, dass traditioneller Präsenzunterricht nicht dasselbe ist wie Online-Unterricht. Zwar verfolgen wir dieselben Ziele aber mit ganz anderen Mitteln und Strukturen. Es ist notwendig, dass wir gerade diese Besonderheiten, berüksichtigen, die jeweilige Kultur respektieren. Erst dann werden unsere Bemühungen erfolgreich sein.
- Er setzte sich von seinen eigenen Beiträgen zu Lernobjekten (LOs) ab "I have to confess, I'm guilty in this respect!" und will nun statt der Wiederverwendbarkeit vor allem die Lokalisierung (Personalsiierung) von Content forcieren. Wenn immer wir die berühmt-berüchtige Abkürzung LO sehen, sollen wir dies nicht mehr "Learning Object" sondern als "Localized Object" interpretieren. [Das passt wunderbar in meine eigene Theorie, wo das Didaktische Szenario, diese "Lokalisierung" darstellen würden. Siehe später meinen eigenen Beitrag]
- David stellte die Gleichung auf: Education = Content + Help + Jemand der sich darum sorgt (Eltern, Lehrer etc.). In der Diskussion wird er von Niall Sclatter darin richtigerweise kritisiert: Das dritte Ingredenzium ist nicht notwendige Bedingung. Wenn wir die sich selbst organisierenden Lernenden vor Augen haben, dann entfällt der dritte Faktor bzw. liegt in der Motivation der Lernenden selbst. Aus meiner Sicht würde mich besser die folgende Gleichung gefallen: Education = Content + Practices + Support (Help, Feedback etc.). Diesen Gedanken muss ich mal bei Gelegenheit - ganz im Sinner von Bourdieus sozialer Praktiken genauer verfolgen um soetwas vielleicht wie "Offene Praktiken" identifizieren zu können. Das wäre dann nämlich vielleicht der gesuchte entscheidende Katalysator für den von David (bzw. allen TeilnehmerInnen des Seminars) angepeilten Kulturwechesel.
Wie gesagt - und ich glaube das sieht man auch an der Länge und Detailliertheit meiner Aufzeichnungen: Ein wirklich sehr inspirierender Vortrag!
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Sidney Burrus: Connexions (OER Seminar, 2)
Das ist der zweite Teil meines Berichtes über das Seminar "Open Educational Resources - Institutional Challenges", das an der Universitat Obertate de Catalunya (UOC) vom 22.-24. November 2006 stattfand. Das Seminar wurde vom UNESCO Lehrstuhl für E-Learning organisiert (siehe auch Pressemeldung der UOC).
Sidney Burrus, ein pensionierter Mitarbeiter und jetziger Consultant der Rice University sollte eigentlich über pädagogische Aspekte sprechen. Das tat er aber nicht, sondern stellte statt dessen das von der Hewlett Foundation geförderte Connexions Projekt der Rice University vor. (Nebenbemerkung: Fast alle vorgestellten Projekt wurden bzw. werden mit sehr beträchtlichen Summen von der William and Flora Hewlett Foundation gesponsert, die ein eigenes Programm für OER ausgeschrieben hat.).
Für Burrus gibt es vier verschiedene Modelle von Offenen (Freien?) Bildungsprojekten ("Open Educational Projects")1.
- Softwareplattformen wie Sakai, Moodle, eduCommons
- Institutionelle Modelle wie OpenCourseWare vom MIT
- Ressourcen mit einem spezifischen Fachfokus wie die Stanford Encyclopedia of Philosophy
- Allgemeine Ressouren wie die Wikipedia und eben Connexions
Diese Einteilung finde ich persönlich ein wenig problematisch, weil ich einerseits den Nutzen nicht ganz verstehe und andererseits die Kategorien nicht eindeutig sind. So ist doch auch Connexions in gewisser Weise ein institionelles Projekt der Rice University, bzw. geht OpenCourseWare ja mit de OpenCourseWare Consortium weit über das MIT hinaus.
Eine radikale Idee
Burrus verbindet die Idee mit Connexions mit dem Workflow von create-rip-mix-burn, das sowohl auf die eigene Arbeit – aber eben auch auf die Arbeit von anderen! - sich gründet. Es wird nämlich die "attributable"-Creative Commons Lizens verwendet, also jene mit den geringsten Restriktionen. Es muss nur der Autor erwähnt werden. Die Texte können aber beliebig verändert und sogar für den eigenen Nutzen kommerziell eingesetzt werden!
Das ist in meinen Augen eine wirklich unterschiedliche Philosophie zu all den anderen mit bekannten "Open Content"-Projekten. Connexions beietet Unterstützungen sowohl für veränderte Kopien (Versionen, bzw. Versionsäste von Inhalten) als auch für einen hochqualitativen Buchdruck. Wenn ich das Konzept richtig verstanden habe, dann lässt sich die Grundidee folgendermaßen beschreiben: Jeder kann sich in Connexions registrieren und kann dann
- Inhalte entwickeln
- Inhalte anderer NutzerInnen verändern, d.h. seine eigene Version kreieren
- Inhalte (zu Kursen) zusammenstellen
- Inhalte (kostenlos) runterziehen und in jeder beliebigen Art verwenden, also z.B. auch unter eigenem Namen und Rechnung verkaufen
AutorInnen haben die Möglichkeit ihren Namen von geänderten Versionen (mit denen sie nicht einverstanden sind) zurückzuziehen.
Besonderheiten von Connexions
- Post-Publication Review: D.h. alle Inhalte sind sofort für alle NutzerInnen frei verfügbar. Es gibt keine Verzögerungen durch ein vorlagertes Review-Verfahren (Pre-Publication Review). Die Idee ist, dass einerseits durch die Community eine erste Evaluierung stattfindet (z.B. durch die Anzahl der Downloads durch Rückmeldungen von NutzerInnen - dies wird allerdings nicht besonderen z.B. mit eigenen Werkzeugen unterstützt), andererseits NutzerInnen selbst eine gewisse Sorgfalt aufbringen müssen und im wesentlich eigenverantwortlich agieren müssen.
- Evaluationslinsen: Es ist angedacht (und intern bereits implementiert), dass es möglich ist auf die Inhalte im Repositorium unter einen speziellen Aspekt zu fokusieren. Also wenn z.B. eine Institution unter bestimmten Kriterien die Inhalte bewertet, dass dies für die NutzerInnen dieser Institution praktisch so wirkt wie ein Review/Bewertungsverfahren.
- Es gibt ein eigenes XML Derivat (CNXML), das printing on demand unterstützt. Das Portal ist in Plone aufgesetzt.
- Eine Vereinbarung mit einer Druckerei (QOOP) ermöglicht das billige Drucken von Büchern. Sidney brachte hier Textbooks mit, die wirklich sehr professionell aussehen und sehr billig in kleinen und kleinsten Auflagen gedruckt werden können. Die URLs werden dabei in der Buchversion in Fußnoten übertragen. Dahinter steckt dann auch das eigentliche Geschäftsmodell: Connexion schneidet mit einem kleinen Beitrag (etwa 1 US $) bei diesem Drucken on Demand mit. Die Preise sind vor allem deshalb billig - ein 300 Seiten Buch mit Farbcover und in einer Auflage von 50 Stück kostet beispielsweise 22 US$ – weil QOOP hier kein Monopol hat, es ist auch möglich einer anderen Druckerei die XML-Datei zu schicken. QOOP druckt nicht selbst aus, sondern sucht sich Druckereien, die gerade freie Kapazitäten haben, in der örtlichen Nähe des Bestellers. Das Lieferservice soll sehr schnell gehen (2-3 Tage!). (Ich konnte allerdings dieses Feature auf der Website nicht finden).
Im Augenblick (10.12.2006) gibt es 3640 Module (das sind kleine Bausteine, z.T. bereits auch bereits Variationen von Originalinhalten), die zu 191 Kursen zusammengestellt wurden. Beim Vortrag in der dritten Novemberwoche waren es noch 3567 module mit 186 Kursen. Von diesen 3600 Modulen sind etwa 1600 Versionen (andere Sprache, kleine Änderungen etc.), 27% dieser varrierten Module haben sogar mehr als 5 Versionen. Pro Tag kommen etwa 6 neue Module hinzu.
Geschäftsmodell?
Es ist ein recht überraschendes Modell und es fragt sich was eigentlich das dahinter stehende Geschäftsmodell ist. Für die Rice Universität rechnet sich das sicher aus dem Betrieb und den niedrigen Royalities beim einem Druckauftrag sicherlich (noch?) nicht. Ein Staff von 14-16 Leuten hält das Portal am Laufen und kann darüber sicherlich nicht finanziert werden.
Derzeit gibt es allerdings riesige Fördersummen von verschiedenen Institutionen. Das ist mal in erster Linie die schon erwähnte Hewlett Foundation aber auch IMB hat das Projekt mit 700 Mio. US $ Award im Oktober 2006 ausgezeichnet bzw. gefördert.
Warum sollte aber ein Autor, eine Autorin mitmachen? Welches Interesse könnte ich z.B. daran haben, dass andere Leute mit meinen Inhalten Geld machen? Sidney brachte das Beispiel von Catherine Schmidt-Jones, eine sehr populäre Autorin von Musikbüchern. Sieh hat auf ihren Websiten mehr als 600.000 Hits pro Tag und ist inzwischen weltbekannt. "Sie's making impact, no money!"
1 Vielleicht sollte als deutsche Übersetzung für "Open" nich "offen" sondern "frei" verwendet werden. Allerdings nicht im Sinne von Freibier (kostenloses Bier) sondern im Sinne von freie Menschen, freie Gesellschaft, freie Gedanken. Im Spruch "Gedanken sind frei!" sind die Gedanken nicht für jedermann/jederfrau "offen", sie sind auch nicht kostenlos (sie kosten nämlich Mühe, Anstrengung, Zeit). Der Spruch signalisiert eher, dass jeder diese Gedanken haben darf.
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Niall Sclater: OpenLearn (OER Seminar, 3)
Das ist der dritte Teil meines Berichtes über das Seminar "Open Educational Resources - Institutional Challenges", das an der Universitat Obertate de Catalunya (UOC) vom 22.-24. November 2006 stattfand. Das Seminar wurde vom UNESCO Lehrstuhl für E-Learning organisiert (siehe auch Pressemeldung der UOC).
Niall Sclater berichtet, dass Open University (OU) in Großbritannien (UK) etwa 200.000 Studierende hat, 40.000 davon leben nicht im UK. 150.000 sind Undergraduates, 10.000 Studierende haben Behinderungen.
Die OU verwendet moodle und hat für die open source Moodle Community
auch viele eigene Entwicklungen und Verbessserungen beigetragen.
Der OpenLearn Website LearnSpace ist - viele andere Initiativen zu "Open Content" – ein durch die William und Flora Hewlett Foundation gefördertes riesiges Programm (100 Mio US $). Ziel ist es 5400 Stunden Kursmaterial zu produzieren; 900 Stunden sind bereits vertig.
LearnSpace enthält damit frei verfügbare Inhalte, die aus den OU Kursen kommen, also speziell für eigenverantwortliche LernerInnen - mit wenig formaler LehrerInnen-Unterstützung - entwickelt wurde. Er ist mit dem speziell für die Lehrenden- Community entwickelten LabSpace verknüpft, wo Inhalte hinauf geladen, getauscht, kooperiert und experimentiert werden kann.
LabSpace
Der LabSpace stellt Werkzeuge, die z.T. im Rahmen der Förderung eigens entwickelt wurden, zur Verfügung:
- Kontaktnahme:
- Jeder Modul hat zwei Diskussionforen: Eines für Lernende und anderes für Lehrende
- Web-basiertes Videoconference System: Registrierte NutzerInnen können in jedem Modul ein Videokonferenz-System buchen. Die Konferenzen werden aufgezeichnet und können später wieder abgespielt werden. Es wird dazu ein Link zur Verfügung gestellt, der dann gemailt, gepostet, veröffentlicht werden kann. Eine Webcam und Mikrofon muss die NutzerInnen natürlich selbst lokal installiert haben. Das Konferenzsystem Flashmeeting wurde von der OU eigens entwickelt.
- Awareness Werkzeug und Instant Massages: Es wurde mit MSG eigens ein "persönliches Radard" entwickelt, das anzeigt wer in dem betreffenden Modul gerade online ist. Mit diesen Personen ist sofortige Chat-Kontaktnahme möglich.
- Download:
- Alle Kurse der Open University werden gespiegelt - und zwar als eigenständige Versionen. Damit soll ein Remixing (Vermischen der Module) - unabhängig von den "offiziellen" Kursen ermöglicht werden.
- Zusätzlich soll - in Zukunft - hier weiteres Material aus OU (auch auch anderen) Quellen auf diesem Webspace versammelt werden.
- Ein eigens entwickeltes Mindmapping Werkzeug namens Compendium: Compendium ist ein Werkzeug, das die visuelle Darstellung von Argumenten und Begriffszuammenhängen erlaubt (-> Beispiel für eine Compendium-Anwendung). Es kann kostenlos heruntergeladen werden und plattformunabhängig (Windows, Mac oder Linux) installiert werden. Es funktioniert dann auch ganz unabhängig von LapbSpace. Indem die Mindmap in HTML konvertiert wird, kann sie als Orientierung für andere LernerInnen in LabSpace hinaufgeladen werden.
- Remix:
- Während LearingSpace nur gelesen werden kann, haben registrierte NutzerInnen von Labspace auch Schreibrechte und können damit Inhalte verändern.
- Remix Einheiten: Die strukturierten Datenfile die man in moodle sieht, können heruntergeladen werden und dann mit einem beliebigen XML-Editor oder Text-Editor geändert werden.
- Remix Wissenslandkarte: Die mit Compendium entwickelte grafische Mindmap kann heruntergeladen werden und mit neuen (anderen) Websites verknüpft, erweitert etc. werden.
- Die Ergebnisse sollten natürlich wieder auf LabSpace hinaufgeladen werden, damit auch andere NutzerInnen davon profitieren.
Über eine eigene Research Zone können aktuelle Entwicklungen und Diskussionen mitverfolgt und Feedback gegeben werden.
Strategische Überlegungen
Für die OU wird das OpenLearn Programm vor allem durch die Exploration in neue Geschäftsmodelle motiviert. Obwohl die Kurse frei verfügbar sind, können damit natürlich Abschlüsse erworben werden und gibt es auch keine tutorielle Unterstützung. Die Initiative zielt gerade darauf ab in Zukunft die Vermarktung der tutoriellen Unterstützung und die Zertifizierung bzw. Akkreditierungendurch die OU zu verbessern. Letztlich geht es darum mehr Einnahmen durch Studiengänge zu erzielen.
Die OpenLearn Initiative geht davon aus, dass Content sich zu Aktivität wandelt (indem vorgefertigte Inhalte nicht bloß übermittelt werden, sondern vor allem Lernaktivitäten motivieren) und umgekehrt Aktivitäten zu Content werden (indem z.B. ein Vortrag aufgenommen wird und als Podcast in die Lernplattform gestellt wird.)
Fragen die für Niall relevant sind:
- Können FernUniversitäten in einer Welt mit frei verfügbaren Content überleben? Wenn ja, wie?
- Sollten wir nicht mehr Gewicht darauf legen, dass Studierende Inhalte verändern und wiederverwenden können statt uns auf die eigene Entwicklung von spezieller Lernressourcen zu konzentrieren?
- Wie können sich selbst organisierende und erhaltende
Lerngemeinschaften gebildet werden, die sich um Freie Bildungsresourcen
sammeln und in ihren jeweiligen Lehr-/Lernprozessen die Inhalte weiter
entwickeln?
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Shigeru Miyagawa: OpenCourseWare (OER Seminar, 4)
Das ist der vierte Teil meines Berichtes über das Seminar "Open Educational Resources - Institutional Challenges", das an der Universitat Obertate de Catalunya (UOC) vom 22.-24. November 2006 stattfand. Das Seminar wurde vom UNESCO Lehrstuhl für E-Learning organisiert (siehe auch Pressemeldung der UOC).
Shigeru Miyagawa ist Linguistik-Professor am MIT und seit Anfang der OpenCourseWare Initiative an ihr beteiligt. Er erzählte die Geschickte der Initiative seit 1999 - als am MIT verschiedene Geschäftsmodelle diskutiert wurden. Es war die Zeit der "dot.coms". Das MIT wurde durch die Beraterfirma Hamilton in der Enwicklung eines eigenen Geschäftsmodelles unterstützt. In 6 Monaten wurden 5000 Fragebogen an Studierende und Faculty ausgesandt und bei einem Rücklauf von 10% ausgewertet, soweie 70 Fallstudien durchgeführt. Daraus wurden 10 unterschiedliche Geschäftsmodelle entwickelt.
Es war insbesondere für die Beraterfirma überraschend als klar wurde, dass ein kommerzielles Modell keine Mehrheit gewinnen kann. 4 Jahre zu investieren und dann immer noch einige Jahre Verluste zu schreiben und dann vielleicht (nur 5% erreichen diese Phase) Gewinne zu schreiben, war für die MIT kein Modell für den Bildungsbereich. In der Suche nach Alternativen entstand dann die OpenCourseWare Idee. Sie wurde unter anderem durch großzügige Förderungen durch die Mellon aber auch von der bereits schon mehrfach erwähnten Hewlett Foundation in diesem Ausmaß ermöglicht.
Content frei zur Verfügung stellen heißt auch große Summe zu investieren. Es müssen nämlich nicht nur das Repositorium aufgebaut, betrieben und der eigene Staff beraten werden; die hauptsächlichen Kosten entstehen durch das Screening und "Freikaufen" von Copyright geschützten Material. Innerhalb der eigenen Institution ist durch die in den USA übliche "Fair Use" Regelung die Verwendung von geschützten Material in geschlossenen Bildungssettings möglich. Wird dieses Material jedoch nun weltweit frei zu Verfügung gestellt, so müssen die Inhalte entsprechend "bereinigt" werden. Etwa ein 1/3 Drittel des gesamten Material konnte so erst nach Klärung mit den AutorInnen freigegeben werden. Die Summen, die dafür bezahlt werden mussten, waren eher marginal. Meistens verzichteten die Autoren auf Geld, wollten nur erwähnt bzw. verlinkt werden. Einiges Material (wie z.B. Szenen aus Hollywood-Filmen) konnten überhaupt nicht frei verfügbar gemacht werden. ("You can't clear Hollywood films!")
Content freischalten als Eigennutz
Das Material ist von sehr unterschiedlicher Qualität. Shigeru zeigte natürlich die Highlights, gab aber zu, dass bloß ein Syllabus und Lecture Notes (z.B. in Form von PowerPoint Dateien oder Worddokuments) verpflichtend sind. Die Beteiligung an OCW ist für die MIT Lehrenden freiwillig. Inzwischen beteiligen sich jedoch bereits 80%, so dass nun indirekt ein entsprechender Gruppendruck erzeugt wird. Aus einer Studie geht hervor, dass 40% die Initiative für ihre eigene Lehre sehr hilfreich finden, weil so leichter das Kursmaterial verwaltet und überarbeitet werden kann. 38% der Faculty verwenden den OCW-Website als Referenzwebsite für Studierendenberatung.
Das Freischalten von Inhalten bringt enorme Vorteile für das MIT:
- Es erhöht weltweit das Image des MIT.
- Es wird ein Communitystolz erzeugt, der insbesondere in der Bindung der Absolventen (Alumni) an das MIT sichtbar wird.
- Es unterstützt die Kooperation innerhalb der Hochschullehrenden.
- Es unterstützt die Bildungsmission, der das MIT verpflichtet ist.
Dazu kommen auch noch die Vorteile für das jeweilige Department:
- Die Materialien fungieren als Anschauungsmaterial für die Institute und deren Curricula (Showcase)
- Sie erleichtern dadurch das Werben um neue Studierende (Akquise)
- Neue Kompetenzen werden in der Faculty verbreitete (Personalentwicklung)
Aus einer Studie (Herbst 2005) geht hervor, dass bereits 35% aller StudienanfängerInnen (freshmen) sagen, dass OCW eine wesentliche Hilfe für ihre Entscheidung an das MIT zu gehen, war. (Interessanterweise kennen und nutzen nur 75% aller freshman überhaupt von der OCW-Initiative).
Weitere Pläne
Nach Shigeru kann die MIT Strategie in drei Phasen unterteilt werden:
- Ergreifen der Initiative und Entwicklung des OCW Modells
- Andere Institutionen ermuntern dieser Initiative beizutreten (siehe dazu das bereits recht große OpenCoursware Consortium, dem interessanterweise die Universität Klagenfurt als einzige deutschsprachige Universität angehört!)
- Hier zeig Shigeru wie Studierende aus Übersee (z.B. aus Afrika) im Rahmen von Projekten mit einer Festplatte in ihr Heimatland reisen und dort die OCW-Inhalte an Schulen installieren.
- Alle OCW-Initiativen zu einem einzigen riesigen Repositorium verbinden.
Es gibt natürlich dazu auch herbe Kritik: Ein weltweite Verbreitung der MIT-Inhalte kommt einer kulturellen Kolonisation gleich. Shigeru kennt jedoch diese Argumente und zeigt in freundlicher Weise mit kompetenten akademischen Hintergrund (er ist ja Linguist!) warum diese Angst - seiner Meinung nach - unbegründet ist.
Nachtrag: Eine interessante Bemerkung für mich macht Shigeru, indem er drei "Schichten" von "Open Content" unterscheidet. Im innersten Kreis sieht er die OCW Inhalte (ganz spezifische auf das MIT bezogen), ein weiterer Kreis wird durch die Begriff "Open Educational Resources" (OER) gebildet, das sind allgemeine Bildungsmaterialien. Der äußerste und damit weitester Kreis ist "Open Content", das Inhalte, die nicht für Bildungszwecke geeignet sind, umfasst (z.B. YouTube, Flickr).
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Miguel-Angel Sicilia: technische Aspekte (OER Seminar, 5)
Das ist der fünfte Teil meines Berichtes über das Seminar "Open Educational Resources - Institutional Challenges", das an
der Universitat Obertate de Catalunya (UOC) vom 22.-24. November 2006 stattfand. Das Seminar wurde vom UNESCO Lehrstuhl für E-Learning organisiert (siehe auch Pressemeldung der UOC).
Der Vortrag von Miguel-Angel Sicilia war für mich ganz besonders interessant. Er hat als einziger über Möglichkeiten die Implementierung didaktischer Ideen gesprochen und war in seinen Gedankengängen mir sehr nahe. Insbesondere ist er auch auf die Bedeutung von IMS Learning Design eingegangen.
Miguel-Angel beginnt mit einer kritischen Bemerkungen zur Defintion von OER, "Open Educational Resoures are digitized material offered freely and openly for eductors, students and self-learners to use und re-use for teaching, learning & research." Er bemerkt, dass sich in dieser Defintion Begriffe finden, die sich nicht ausschließlich auf den "Enduser Lerner" beziehen. So wäre in der Defintion auch empirische Daten, Designs oder Schnittstellen zu verstehen. Außerdem ist der Material-Begriff sehr allgemein und gibt keine Spezifizierung zur Granularität (= der Größe des Inhaltsmoduls) an. Für ihn schließt der Begriff "open" den Zugang und die Verwendung von transparenten Ressourcen ein. Erst durch die Transparenz (z.B., gute Dokumentation, klare Schnittstellenbeschreibung etc.) wird eine Adaption (Veränderung) ermöglicht.
Semantic Web Technologie
Er geht dann auf eine Reihe von notwendigen technische Requisiten für OER ein, wie
- Universal Design (z.B. W3C WAI Guidelines)
- Cross-Browser & Cross-Paltform Compatibility
- Standard Compliance (z.B. ADL SCORM) - nicht jeder sollte gleich sein eigenes XML-Derivat entwickeln, sondern schauen ob mit den bestehenden Standards das Auslangen gefunden werden kann.
- "Find-Ability": wird erleichtert durch Metadaten und "Rich Queries". Hier kommen nun die Technologie des Semantic Web zum Zug. Ein Beispiel wäre das Werkzeug OpenCyc, eine open source multidimensionale Wissens- und Schlussfolgerungsdatenbank. So kann z.B. für ein bestimmte Land gefragt werden, an welche andere Länder es angrenzt. Es können dann z.B. Suchanfragen wie "around Austria" abgeschickt werden. Ein anderes Beispiel ist Annotea, das in den W3C Browser Amaya inkludiert ist und ein Werkzeug zum kooperativen Annotieren von Webseiten darstellt. (Siehe auch den Annotation & Authoring Website.)
Re-Use ist für ein empirisches Datum: wie viele Leute haben das Material (wieder-)verwendet. Re-Usability hingegen ist das Potential, dass bestimtes Material so entwickelt bzw. gestaltet wurde, dass es wiederverwendet werden kann. Re-usability sollte extra gefördert und ausgezeichnet werden.
Referenz zu Tom Boyle
In einem Privatgespräch weist mich Miguel-Angel auf die Arbeiten von Tom Boyle, dem Direktor des Learning Technology Research Institute (LTRI) an der London Metropolitan University
hin, der soeben eine großen Research Grant zum Thema wiederverwendbarer Lernobjekte bekommen hat. Mir sind seine Arbeiten schon in verschiedenen Zusammenhängen unter gekommen. Einseits als Zitat in einem Artikel ehemaligen Hagen-Mitarbeiter Sascha Bobrwoski und Olaf Nowaczyk (Design principles for authoring dynamic, reusable learning objects), andererseits als Gewinner eines EASA Awards (Learning Objects for Introductory Programming). Besonders interessant in dem mich interessierenden Zusammenhang sind die LTRI-Forschungsprojekte zum Thema Lernobjekte und -Design.
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Peter Baumgartner: ökonomische Aspekte (OER Seminar, 6)
Das ist der sechste Teil meines Berichtes über das Seminar "Open Educational Resources - Institutional Challenges", das an der Universitat Obertate de Catalunya (UOC) vom 22.-24. November 2006 stattfand. Das Seminar wurde vom UNESCO Lehrstuhl für E-Learning organisiert (siehe auch Pressemeldung der UOC).
In meinem Referat habe ich - kommend von einer didaktischen Fragestellung – mögliche Geschäftsmodelle für OER beleuchtet. Da ich diese Ideen demnächst veröffentlichen werde, folgen anbei nur einige kurze Hinweise zu den von mir vertretenen Hauptthesen:
- Die Qualität eines Lern- oder Bildungsarrangement ist eine Kombination von Inhalt und didaktischen Setting. Die Konzentration auf den Content alleine kann noch keine entsprechende Lernqualität sicherstellen.
- Verschiedene Formen von OER kommen besonders gut in bestimmten didaktischen Arrangement zum Einsatz.
- OER hat vor allem dort große Chancen wo gesehen wird, dass Bildung nicht mit dem Transfer von Content gleich zu setzen ist.
Ein Versuch Geschäftsmodelle zu kategorisieren
Je nachdem ob es sich um private oder öffentliche Institutionen und um Materialien für den Selbstlerner oder für blended learning Arrangment lassen sich vier verschiedene Optionen unterscheiden, die ich in einem Vier Quadranten Modell zusammengefasst habe. (Siehe Folie 27 des beiliegenden Foliensatzes)
[In der Diskussion meines Referats hat mich Max Senges (ein Doktorand an der OUC) auf eine wichtige Inkonsistenz hingewiesen: Ich hatte auf der Y Achse zuerst blended learning als reinem face-to-face Unterrichts verstanden und dem virtuellen Lernen ohne menschlichen Support gegenübergestellt. Ich wollte damit einen Unterschied machen zwischen Online-Kursen, die rein für das Selbstlernen, also den autonomen Lernenden konzipiert sind und jenen Kursen, die tutoriellen Support benötigen. Ich habe nun die ursprünglichen Achsen (blended learning und virtuell learning) zu blended learning material und self learning material geändert.]
Die Grundidee dieser Unterscheidung war es, dass ich vermute, dass OER als blended learning material, also Content, der nicht selbst erklärend ist und menschliche Betreuung braucht, größere Chancen der Durchsetzung hat. Institutionen wie das MIT können diese Art von Inhalten leichter weitergeben, weil es klar ist, dass für effiziente Lernprozesse die (zu zahlende) tutoriellen Services der Institution benötigt werden. Allerdings zeigt das Beispiel von OpenLearn der Open University, dass es durchaus Sinn macht, auch komplette Selbstlernkurse frei zu geben. Es bleibt ja immer noch die Macht der Zertifizierung bzw. Akrreditierung bei der jeweiligen Institution! - Ich bin mir daher nun nicht mehr so sicher, in wie weit mein Kategorisierungsversuch eine geeignete Heuristik zum weiteren Nachdenken darstellt. Ich muss mir sowohl die Achsen als auch die vier Quadranten des Modells nochmals genauer überlegen und ausformulieren.
Strategien für eine größere Verbreitung von OER
Die Motivation für das 4-Quadrantengeschäftsmodell war es entsprechende Strategien für eine größere Verbreitung von OER zu entwickeln. Dazu habe ich Ergebnisse des OLCOS-Projektes, an dem ich auch beteiligt war, referiert. Unter anderem ist für eine weitere Verbreitung von OER auch eine größere Bekanntheit mit der Creative Common Lizenz sowie zu anderen Fragen notwendig. Hier habe ich auf die Tutorials verwiesen, die im Rahmen des OLCOS-Projektes auf dem WikiEducator gerade entwickelt werden. -> Siehe http://wikieducator.org/Open_Educational_Content.
Weitere Bemerkungen verband ich mit Hinweisen zu unserem MELT Projekt, dessen Website auf http://info.melt-project.eu soeben eröffnet wurde.
PS.: Beiliegend findet sich zum ersten Mal ein frei zugänglicher Foliensatz als PPT-Datei. Bisher hatte ich die Folien immer noch als PDF vor unberechtigten Kopieren geschätzt. Nun probiere ich mit dem neuen Zusatz der Creative Common Lizenz auf der ersten Folie, die Datei frei weiterzugeben. Ich muss zwar erwähnt werden und jegliche kommerzielle Nutzung muss mit mir übereingestimmt (d.h. über deren Konditionen bei mir angefragt) werden, aber Veränderungen und das Zurückspielen unter derselben Lizenz sind nicht nur möglich, sondern sogar erwünscht.
Open Educational Resources - Economic Aspects
Größe:
12.1 MB
-
File type
application/vnd.ms-powerpoint
OER Seminarbericht Inhaltsverzeichnis
Größe:
1.7 kB
-
File type
text/html
- Kategorie(n)
-
Aktivitäten
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- http://www.blended-education.info/weblog/peter-baumgartner-oekonomische-aspekte-oer-seminar-6/tbping
Didaktische Dimensionen und Blended Learning Strukturmodelle
Am 6.9.2007 hielt ich auf Einladung des E-Learning Zentrums der TU-Wien ein Referat " Blended Learning
ist sauteuer, aber es wirkt." In diesem Referat stellt ich zum ersten
Mal meine theoretischen Überlegungen zur Mikro-, Meso und Makrodidaktik
vor. Meiner Ansicht nach muss Mikrodidaktik auf Kommunikationstheorie
und Semiotik aufbauen, während sich die Mesodidaktik durch den Begriff "Didaktisches Szenario"
- mit dem ich mich schwerpunktmäßig die letzten Monate beschäftigt habe
– wesentlich charakterisieren lässt.
Ich stellte in diesem Vortrag auch zum ersten Mal die vollständige Liste der über den Sommer entwickelten 12 didaktischen Dimensionen (Prinzipien) vor (siehe beiliegenden Foliensatz: Folie 18-21). Diese Dimensionen habe ich einerseits durch ausführliches Literaturstudium sowie durch eine Abstraktion des von Karl-Heinz Flechsig inspirierten didaktischen Kategorialmodells (vgl. Folie 8 genommen aus: Flechsig, K.-H. (1983). Der Göttinger Katalog Didaktischer Modelle - Theoretische und methodologische Grundlagen. Göttingen, Zentrum für didaktische Studien e.V. Die theoretischen Grundlagen und damit diese Grafik sind leider nicht online im Original verfügbar.) abgeleitet. Meine zufälligerweise ebenfalls 12 didaktischen Dimensionen haben jedoch nichts mit den 12 Deskriptoren zu tun, mit denen Flechsig seine 20 didaktischen Modelle im Kleinen Handbuch der Didaktischen Modelle beschreibt. Eine zusammenhängende schriftliche Darstellung meiner diesbezüglichen Überlegungen ist derzeit noch nicht publiziert und soll den Hauptteil meines geplantes Buches "E-Learning Szenarien - Ein Plädoyer für didaktische Vielfalt" ausmachen, das wegen anderer dringlicher Arbeiten sicherlich nicht vor Herbst 2008 erscheinen wird (hoffentlich schaffe ich zumindest diesen Termin!)
Ein anderer neuer Gesichtspunkt in meinem Referat waren Überlegungen zu Strukturmodellen von Blended Learning Szenarien: Der wesentliche neue Gedanke dabei ist, dass das Mischungsverhältnis von Präsenz- zu (betreuten) Online-Phasen nicht nur vom Inhalt des Moduls sondern ganz generell auch vom angepeilten Lernziel (dem intendierten kognitiven Prozess der Lernenden) abhängt (Folie 26). Aus dem Zusammenspiel zwischen Inhalt und kognitiven Prozess ergeben sich 6 unterschiedliche Verteilungsmodi oder Strukturvarianten.
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Nochmals Lernstile
Didaktische Vielfalt statt Anpassung an Lernstil
Am Dienstag voriger Woche referierte Sabine Graf im Rahmen unserer Veranstaltungsserie "bt talks" über "Adaptivität in Lernplattfomen – Wie können Lernstile erkannt und berücksichtigt werden?". Siehe ausführlich dazu meine Notiz unter News. Ergänzend möchte ich hier noch einige weitere kritische Anmerkungen zur Lernstildebatte anfügen.
Ehrlich gesagt gefällt mir die ganze Philosophie die hinter der Lernstildebatte steht nicht: Sie geht ja nicht nur davon aus, dass es unterschiedliche Lernstile gibt, sondern, dass deren empirische Feststellung und Nutzung mithelfen kann, den Lernerfolg zu verbessern.
Lernstile sind theoretische Konstrukte
Die Schwierigkeit bei der ersten Prämisse ("Menschen haben unterschiedliche Lernstile.") besteht darin, dass Lernstil natürlich ein theoretisches Konstrukt ist, das – je nachdem was unter Lernen verstanden wird und welche Lernziele verfolgt werden - unterschiedlich zu definiert ist. Die Schwierigkeit einer Operationalisierung zeigt sich meiner Meinung nach schon daran, dass z.B. nicht auf die von Anderson & Krathwohl überarbeitete Bloom'sche Taxonomie [Anderson, L. W. und D. R. Krathwohl, Hg. (2001). A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing. A Revision of Bloom's Taxonomy of Educational Objectives. New York, Addison-Wesley.] mit ihren 6 unterschiedlichen hierarchischen kognitiven Prozessen Bedacht genommen wird. Je nachdem ob erinnern, verstehen, anwenden, analysieren, bewerten oder erzeugen als Lernziele angenommen werden, ergeben sich je unterschiedliche Bedeutungen von Lernobjekten.
Die von Sabine Graf verwendeten Operationalisierungen (häufiges und langes Verweilen bei Beispielen für reflexiven Lernstil bzw. häufiges und langes Verweilen bei Übungen für aktiven Lernstil) müssen im Lichte unterschiedlicher Lernziele differenziert bewertet werden. Das Durchlesen von Beispielen als Muster für die Generierung eigener Lösungen hat einen ganz anderen Charakter als das Durchlesen von Beispielen um sich in die Thematik einzuarbeiten, sie zu erinnern bzw. zu verstehen. Im Suchen bzw. Erfinden eigener Lösungen geht es bei der Betrachtung von Beispielen um konstruktive gedankliche Lösungen (etwa durch Verfremden, Analogiebildung etc.) also um (mentale) Aktionen die durchaus dem Trial & Error, Probieren, Experimentierten etc. von Übungen entsprechen.
Didaktische Vielfalt bieten statt auf vermeintlichen Lernstil anpassen
Das was mich jedoch am meisten stört, ist die Vorstellung, dass wir den Lernenden ihren Lernprozess erleichtern, wenn wir ihnen das Material angepasst an dem je individuellen Lernstil präsentieren. Diese Vorstellung geht davon aus, dass Lernende das Lernmaterial "präsentiert bekommen", also nicht aktiv ihren eigenen Prozess der Wissenskonstruktion organisieren und steuern können. Wie ich schon mehrfach hingewiesen habe (z.B. zuletzt in [Baumgartner, P. (2007). Didaktische Arrangements und Lerninhalte - Zum Verhältnis von Inhalt und Didaktik im E-Learning. In: Überwindung von Schranken durch E-Learning. Hrsg.: P. Baumgartner und G. Reinmann. Innsbruck-Wien-Bozen, StudienVerlag. 149-176.]), wird immer wieder implizit von einem sehr niedrigen Lernziel (Stufe 1 oder 2: Erinnern oder Verstehen) ausgegangen und dieses niedrige Lernziel automatisch mit "Lernen" ganz allgemein gleichgesetzt.
Wohl hat Sabine Graf darauf hingewiesen, dass es ihr um einen kurzfristigen Lernerfolg geht und nur dort die Anpassung an den vorhandenen Lernstil Sinn macht, während bei einer längerfristigen Betrachtung durchaus zu überlegen wäre, ob es nicht gerade eine wichtige didaktische Strategie sein kann, jenen Lernstil zu forcieren, der im Augenblick noch nicht so entwickelt ist. Aber auch diese Bemerkung beruhigt nicht mein Unbehagen, dass wir es uns – sicherlich gut meinend – herausnehmen, die Lernenden zu entmündigen. Meiner Ansicht nach wäre es als strategisches Ziel weit zielführender, wenn wir den Lernenden eine möglichst hohe Anzahl an unterschiedlichen Interaktionsformen (didaktischen Modellen) anbieten, aus denen sie sich selbständig die von ihnen bevorzugten didaktischen Szenarien auswählen können. Das kann dann sowohl eine bewusste Mischung von Modellen sein, denen wir - objektivierend von außen betrachtet - unterschiedliche Lernstile zuordnen. Das kann aber auch eine in unserer Theorie konsistente Wahl von Modellen sein (Heureka!) - oder aber im Spass des Experimentierens auch ein Durcharbeiten des gesamten didaktisch reich variierten Angebots sein. Ich halte Forschungen zur didaktischen Vielfalt – ohnehin eine Vorbedingung um adaptiv für sog. "Lernstile" anbieten zu können – weit vielversprechender als sich mit den vielen Details der recht komplexen Variablenisolierung und Operationalisierung, die die Lernstildebatte prägt, weiter herum zu schlagen.
Noch ein Wort zur Methode: Triangulation!
In der – wie mir scheint - von Sabine Graf sauber durchgeführten Dissertation wurde mehrmals das in den Sozialwissenschaften bewähte Verfahren der Methodentriangulation (Methodenmix) durchgeführt: So wurde beispielsweise sowohl Fragebogen als auch Tracking als Methode zur Feststellung eines präferierten Lernstils herangezogen. In Zeiten jedoch wo Everything is Miscellaneous (Das neue ausgezeichnete Buch von David Weinberger - ein "Muss-Buch" für Metadaten-Interessierte, Indexer und Social Tagger) scheint mir dies jedoch keineswegs mehr ausreichend zu sein.
Was wir selbstverständlich auch brauchen ist Datentriangulation, d.h. ein Mix aus Daten von verschiedenen Quellen. Sich bloß auf eine Untersuchung zu beziehen, legt dem vorhandenen Datenmaterial eine viel zu große Bürde auf. Das mag für das eingeschränkte Ziel einer Falsifzierung vielleicht manchmal reichen, für die Entwicklung von Theorien ist das Verlassen auf eine Daten-Monokultur aber auf keinem Fall ausreichend.
Notwendig ist natürlich auch eine Theorietriangulation, die von Sabine Graf durch die Wahl des Felder-Silverman Modells gelöst wurde. Die 4 Dimensionen (aktiv/reflexiv - sinnlich/intuitiv - visuell/verbal und sequentiell/global) sind selbst eine Mischung von verschiedenen theoretische Modellen (David Kolb, Myers Briggs Type Indicator etc.). Tatsächlich hat sich das Felder-Silverman Modell recht weit durchgesetzt. Doch ist zu bedenken, dass sich bestimmte Ideen häufig nicht wegen einer besseren Übereinstimmung mit der Realität sondern wegen ihrer besseren Replikationsmöglichkeit durchsetzen (vgl. dazu Memetics bzw. Meme). Bereits die Studie des Learning and Skills Research Centre von 2005 hat die 71 festgestellten Lernstile auf 13 Modelle reduziert. Empirische Untersuchungen mit einem erweiteren Theorie- bzw. Modellset sind daher mE dringend angebracht.
Triangulation der ForscherInnen
Mit dem Internet ist zum ersten Mal auch in großem Stile eine ForscherInnentriangulation möglich: Durch Blogs, Wikis etc. ist ein Beratungs- und Diskussionsprozess unter Gleichgesinnten möglich. Dadurch wird "Einsamkeiten" bzw. "Elfenbeintürme" von ForscherInnen aufgehoben und sowohl bei der Produktion von Ideen als insbesondere in deren Ausarbeitung das Aushandeln und damit Berücksichtigen von multiplen Standpunkten möglich. Wenn ForscherInnen es wagen ihre Standpunkte bereits während des Forschungsprozesses und damit weit vor der Veröffentlichung zur Diskussion zu stellen, dann vermeiden sie die Gefahr bestimmte Bedingungen übersehen oder sich in einen Irrweg verlaufen zu haben.
Ich bin mir bewusst, dass diese Idee seltsam anmuten mag, weil damit ja anscheinend die Gefahr des Diebstahls von Ideen besteht. Doch glaube ich, dass das kooperative (Aus-)Arbeiten an Ideen sich mit einer geeigneten Organisationsform durchführen lässt. Es geht nicht darum, dass die Idee selbst im Nirwana der kooperativen Aktivitäten der Community verschwindet, sondern, dass kollaborativ an der praktischen Umsetzung der Ideen – und damit an ihrer Verifizierung gearbeitet wird.
Als Beispiel der ForscherInnentriangulation mag vielleicht die Idee von Lawrence Lessing dienen, der sich nach 10 jähriger Beschäftigung zu Copyrightfragen (siehe sein Blog) sich nun die nächsten 10 Jahre der Antikorruptionsarbeit (siehe Beitrag mit Video) widmen will. Die Idee, d.h. seine (!) Idee dabei ist es jedoch nicht die offensichtliche Bestechung aufzudecken (also z.B. Kongressabgeordneter X erhält 50.000 US$ und stimmt für ein bestimmtes Gesetz), sondern wo die Korruption durch eine subtile Antizipation eines - vielleicht auch nur indirekten – ökonomischen oder anderes gearteten Vorteiles stattfindet. Lessig hat dazu ein Anti-Korruptionswiki eingerichtet, wo er zu einer gemeinsamen Exploration dieser (seiner) Idee einladet.
Eine Fundgrube für weitere Beispiele, wie durch massenhafte Zusammenarbeit im Internet gemeinsam Vorteile erzielt werden können, finden sich in Wikinomics - How Mass Collaboration Changes Everything. Selbst in patentrechtlichen heiklen Situationen oder dort wo schärfste Konkurrenz unter Firmen um heiß umkämpfte Marktanteile herrscht kann die gemeinsame Produktion von Ideen (nach einem Begriff von Yochai Benkler auch Peer Production genannt) Win-Win Situationen erzeugen. Ich bin überzeugt davon, dass diese relativ neue Tendenz auch in den Wissenschaften Fuss fassen wird und sich in einer radikalen Veränderung des Arbeitsstils von ForscherInnen niederschlagen wird. Erste Andeutungen dazu finden sich sowohl in den obigen Links wo Websites wi Wikinomics nicht nur zur (nachträglichen) Diskussion von Büchern einladen, sondern gemeinsam am nächsten Band (The Wikonomics Playbook) gearbeitet wird. Auch im Buch von Michael Nentwich (Cyberscience: Research in the Age of the Internet) werden nicht nur die Konsequenzen von Cyberscience angesprochen sondern durch eine aktualisierte und durch Zusammenarbeit erweitere Linkdatenbank zur IKT-Nutzung im akademischen Bereich auch exemplarisch umgesetzt.
PS.: Ist – überraschend für mich selbst – ein langer Beitrag geworden. Eine endlich auskurierte Magen-Darmgrippe in Verbindung mit einem abgesagten Rerferatstermin im Ausland hat mich endlich mal dazu geführt, Gedanken, die ich schon länger hatte, mal zusammen zu schreiben. Muss ich öfter machen – nicht das mit der Grippe, sondern das mit wenigeren Terminen ;-)
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Lesemarathon für 3 Dissertationen
Die letzten 14 Tage war ich wieder einmal völlig im Stress. Diesmal war es aber nicht durch Termine, Referate etc. verursacht, sondern --- durch Lesen. Ich wusste gar nicht, dass auch bloßes Lesen Adrenalin in großen Mengen produzieren kann: ;-) Gleich 3(!) Dissertationen wurde praktisch zur selben Zeit fertig und mussten wegen knapper Deadlines gelesen und begutachtet werden. Schon ein eigenartiger Zufall: Meistens tut sich Monate lang in dieser Hinsicht gar nichts, 1-2 Dissertationen pro Jahr ist bisher mein üblicher Schnitt gewesen.
Der Stress hat sich aber ausgezahlt. Alle drei Dissertationen hatten einen starken Bezug zu meinen eigenen Forschungsthemen und brachten mir selbst sehr viele Anregungen:
- Silvia Schania untersuchte "Die Bedeutung des E-Learning in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung in internationalen Unternehmen." Es handelte sich um eine empirische Studie an ausgewählten Unternehmen im Raum Österreich, die als Dissertation an der Wirtschaftsuniversität Wien eingereicht wurde. Auf der Grundlage 24 qualitativer Interviews, die mit ATLAS-ti ausgewertet wurden, hat Frau Schania vier grundsätzliche Typen konstruiert: Je nachdem wie weit der E-Learning Einsatz im Gesamtkonzept des Unternehmens bereits strategisch verankert wurde, unterscheidet sie: E-Learning Pioniere, konzernweite E-Learning NutzerInnen, österreichweite NutzerInnen sowie E-Learning NovizInnen. Einige sehr illustrative Fallbeispiele zeigen für mich, dass sich E-Learning in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung zumindest in Österreich noch in den Kinderschuhen befindet.
Daraus hat sich für mich gleich eine praktische Schlussfolgerung ergeben: Wir werden in meinem Department für Herbst 2008 zwei neue Weiterbildungsmaster entwickeln: Einer richtet sich an die Verantwortlichen in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung, die – so scheint es mir zumindest – meist in das E-Learning Thema "hinein geschlittert" sind und sich meist die erforderlichen Grundkenntnisse selbständig als "Work in Progress" individuell und mit wenig Unterstützung aneignen müssen. Ein weiterer Master wird auf Führungskräfte abzielen: Hierbei geht es vor allem um E-Learning Strategien, die entsprechend den Unternehmenszielen entwickelt, umgesetzt, begleitet und evaluiert werden müssen.
- Annabell Preußler (siehe aber auch ihr persönliches deutschsprachiges Weblog, ihre neue persönliche berufliche Website, außerdem gibt es noch ein Fotoblog und ein schwedisches Blog) kritisiert in ihrer Dissertation an der FernUniversität Hagen "Wir evaluieren uns zu Tode. Möglichkeiten und Grenzen der Bewertung von Online-Lernen“ die meist methodisch recht undifferenzierte Vorgangsweise bei Lernerfolgs-Vergleichsstudien.
- Erstens wird häufig übersehen, dass "Lernerfolg" ein Konstrukt aus verschiedenen Dimensionen darstellt, die je nach dem gewählten Lernziel stark differieren können. So können beispielsweise entsprechend der Taxonomie von Anderson & Krathwohl die niederen kognitiven Prozesse wie Erinnern und Verstehen nicht mit dem Lernerfolg bei höheren Zielen wie Evaluierung und (Er)Schaffen verglichen und damit implizit gleichgesetzt werden. (Soweit passt es ja noch meistens bei den untersuchten Vergleichsstudien.)
Ein Beispiel zur besseren Verständlichkeit: Die Variable "Fahrerlebnis" ist eine Konstruktion, bei der – je nach dem theoretischen Ausgangspunkt und Modellierung der ForscherInnen – beispielsweise Faktoren wie Straßenlage, Geräuschpegel, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Innenausstattung, Fahrkomfort etc. etc. einfließen können. Es wäre unsinnig nur eine der Dimensionen bei einer Vergleichsuntersuchung heranziehen. - Wenn zweitens traditionelle Unterrichtsmethoden wie Präsenzunterricht, Lernen mit Hilfe eines Buches etc. mit Online Lernen verglichen wird, werden meistens die beiden Vergleichsgruppen sowohl in ihrem Unterrichtsmethodik als auch in ihrem Testverfahren zur Feststellung des "Lernerfolgs" möglichst identisch aufgebaut.
- Damit wird aber einerseits das besondere Potential der jeweiligen Unterrichtsmethode nicht berücksichtigt. Die interaktiven und kommunikativen Möglichkeiten Internet ausnutzend (Stichworte Web 2.0, Social Software), könnte ich ganz andere Unterrichtsszenarien – die z.B. auf höhere kognitive Prozesse abzielen – entwickeln, als dies beispielsweise im Präsenzunterrichts, mittels eines Buches oder einer DVD möglich möglich wäre. Warum sollte ich einen PKW und einen LKW gleichermaßen zur Personenbeförderung verwenden, wenn der besondere Vorteil des LKW eigentlich im Transport von Lasten liegt.
- Andererseits ist aber – wenn tatsächlich auf die besonderen Eigenschaften und Potentiale Rücksicht genommen wird – absurd, diese Unterschiede dann mit derselben Prüfungsmethode zu erfassen. Es ist so wie bei dem Cartoon oben von Hans Traxler: Allen Tieren wird ungeachtet ihrer sonstigen Eigenschaften ("Begabungen") die gleiche Prüfungsaufgabe gestellt: "Klettern Sie auf einen Baum!" (Das Original der Karikatur von Hans Traxler ist übrigens im Karikaturenmuseum in Krems zu sehen!)
- Annabell Preußler untersucht 11 Vergleichsstudien im Sinne einer Metaevaluation im Detail und zeigt auf, dass bis auf eine einzige Ausnahme die oben besagten Fehler durchgängig begangen wurden. Statt bei einem mehrdimensionalen Konstrukt wie es "Lernerfolg" ist, nur eine Dimension zu vergleichen, müssen ganzheitliche Arrangement (Lernsettings) in ihren (gleichzeitigen) Auswirkungen auf die einzelnen Faktoren untersucht werden. Daraus würden sich dann nicht nur Hinweise ergeben, welches Lernarrangements in Hinblick auf welchen Faktor zu empfehlen wären, sondern es würde damit auch das dynamische Wechselspiel der Faktoren untereinander verständlicher werden, was wiederum der Theoriebildung zur Lernforschung gut tun würde.
- Maximilian Senges reichte seine Dissertation "Knowledge Entrepreneurship in Universities. Practice and Strategy in the Case of Internet Based Innovation Appropriation" an der Universitat Oberta de Catalunya im Rahmen des Programms über die Informations- und Wissensgesellschaft ein. Darin wird an Hand von 4 extensiv untersuchten Fallstudien sehr unterschiedlicher Universitäten (LSE, FU-Berlin, UPC und UOC) der Frage nachgegangen, welche Faktoren "Knowledge Entrepreneurship" an Universitäten begünstigen bzw. behindern. Knowledge Entrepreneurship wird jedoch nicht ökonomisch verstanden, sondern als die Fähigkeit definiert Gelegenheiten für Innovative Wissensprodukte zu erkennen, zu ergreifen bzw. durchaus auch selbst zu erzeugen. Auch hier wurden die 93 (!) Interviews, die sich auf Grundlage monatelanger Site Visits ergaben, mit ATLAS-ti ausgewertet und zwar auf der Folie von metatheoretischen Ausgangspunkten, die sich auf die Theorie komplexer Systeme und des Ansatzes von Gilles Deleuze stützten.
Das Thema war für mich vor allem aus drei Gründen hoch interessant: - Erstens hat Maximilian Senges die Fragestellung gerade unter dem Gesichtspunkt der Umsetzung von Internet Innovationen - also einem Thema das mich selbst auch sehr beschäftigt - untersucht. Ich bekam eine Unmenge von Anregungen, die ich erst noch entsprechend verarbeiten muss. Außerdem wurde ich auf Literatur gestoßen, die ich bisher noch nicht gekannt hatte.
- Zweitens war es eine Gelegenheit für mich über die besondere Rolle meiner eigenen Universität zu reflektieren, die es sich ja gerade als Ziel gestellt hat, solch eine "unternehmerische Universität" zu sein. Auch hier ergeben sich gerade jetzt, wo die Donau-Universität Krems (DUK) eine Strategiediskussion in Hinblick zur Ausgründung einer privaten Medizin-Universität führt, viele Anregungen für den mich interessierenden Bereich einer "Weiterbildungsuniversität". Auch hier muss ich erst noch diese Anregungen und Hinweise verarbeiten.
- Drittens aber faszinierte mich auch die phänomenologisch orientierte Handlungsforschung, die neben einer Daten, Methoden und Theorietriangulation auch eine Triangulation der ForscherInnen beinhaltete. Maximilian Senges hat bereits während des Schreibens seiner Dissertation sowohl den Prozess des Fortgangs als auch die laufenden Ergebnisse seiner Arbeit der einschlägigen Community in Form von (traditionellen) Präsentationen, sowie einer (bereits weniger üblichen) Mailingliste und vor allem aber auch mittels dem innovativen Ansatzes eines Wikis zur Verfügung gestellt. Damit wurde bereits während des Schreibens der Dissertation eine gewisse Validität der Daten, Methoden und Theorien erreicht. Im Augenblick wird gerade der gesamte Webauftritt unter http://www.knowledgeentrepreneur.com im Hinblick auf die Veröffentlichung der Ergebnisse komplett umgearbeitet.
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Von der Ordnung ungeordneter Informationen
Oder: Wie gemeinschaftliches Indexieren die Welt unterschiedlich interpretiert
Ein wichtiger Punkt der Argumentation in Weinbergers Buch Everything Is Miscellaneous ist es, die wesentlichen Unterschiede zwischen physikalischen Objekten (also der Welt der Atome und Moleküle) und digitalisierten Objekten (also die Welt der Bits und Bytes) deutlich zu machen. Das nachfolgende Beispiel des Supermarkts, bzw. des Bücherregals kann dazu vielleicht eine erste Annäherung bieten:
Die Welt der Atome und Moleküle
Im Supermarkt (also der "körperlichen" Welt) beanspruchen physische Objekte einen Platzbedarf, nehmen Raum ein. Daraus ergeben sich eine Reihe von weitreichenden Konsequenzen.
- Manche Objekte sind näher als andere. ManagerInnen von Supermärkten machen sich das zunutze indem sie die wichtigen Dinge, die man/frau häufig braucht, möglichst weit hinten und schlecht zugänglich anordnen. So sind wir gezwungen die weniger wichtigen Dinge wahrzunehmen, die wir dann vielleicht – ohne das vorher gewollt zu haben - auch kaufen.
- Objekte können nur an einem einzigen Ort zur gleichen Zeit sein.
Das bringt die unvermeidliche Frage auf: Was ist der beste Platz? Wo
soll ich beispielsweise das Buch "Everything Is Miscellaneous" in
meinen Bücherregalen einordnen? Dort, wo ich die Web 2.0 Bücher habe
oder eher dort, wo ich Material für mein wissenschaftstheoretische
(konstruktivistische) Kritik an Taxonomien sammle, oder eher dort, wo
ich zitierfähiges Material für mein geplantes Buch zur Systematik von
didaktischen Szenarien abgelegt habe. In dem einen Fall steht es dann
vielleicht zwischen John Seely Brown & Paul Duguid "The Social Life
of Information" und Jan Schmidt: "Weblogs. Eine
kommunikationssoziologische Studie" im zweiten Fall neben Lorin
Anderson & David Krathwohl "A Taxonomy for Learning, Teaching and
Assessing" und Michael Foucault "Die Ordnung der Dinge". Das Buch ist also nicht nur in ganz unterschiedlichen Kontexten aufzuspüren sondern würde sich bei mir auch in zwei verschiedenen Räumen befinden. Um dieses Dilemma der Einordnung zu vermeiden, soll ich
nicht vielleicht eine eigene Abteilung "Weinberger" beginnen und vielleicht alle meine Bücher
alphabetisch nach AutorIn ordnen? Also auf eine fachliche (d.h. inhaltliche Spezifizierung – die ja immer ExpertInnen braucht) ganz verzichten und meine Bücher nicht nach inhaltlichen sondern nach formalen Kriterien sortieren?
Es gibt nur jeweils eine Möglichkeit, wenn wir mal davon absehen, dass ich das Buch mehrmals kaufe. Und das Problem ist: Jede der beiden ersten Varianten hat ihre Berechtigung: einmal geht es mir um Social Software, ein anderes Mal um die Kritik an hierarchischen Kategorisierungen. Ich muss mich jedesmal wenn ich das Buch brauche daran erinnern, was damals - als ich es in das Bücherregal eingeordnet habe - der relevante Gesichtspunkt gewesen war.
Also doch eher formal, sprich alphabetisch einordnen? Dann muss ich aber ständig die Bibliothek neu sortieren, weil Bücher als physische Objekte Raum brauchen. Mit Neuerscheinungen wird der vorgesehene Regalplatz für einen Buchstaben irgend wann einmal überschritten. Bei W wie Weinberger ist das nicht einmal so tragisch, weil nur die Bücher von Weinberger bis Zeilinger "Einsteins Schleier" umsortiert werden müssen. Schlimmer ist es dann schon, wenn ich selbst wieder ein Buch geschrieben habe: Da muss dann alles zwischen BA bis ZE herum geschoben bzw. von einem Regal ins nächste gestellt werden. Und dann ist schon eine recht ordentliche Gewichtsmenge, die da in Bewegung gesetzt werden muss. - OK, ich gebe zu, dass auch mal meine Sammlung der Kritik der Taxonomie den ihr ursprünglich vorgesehenen Platzbedarf beschränkt. Aber dann kann ich entweder ein neues Regal anfangen oder mit dieser kleinen Sammlung von Büchern auf ein Regal mit mehr Platz (z.B. weil es länger ist) ausweichen. Ich muss nicht die ganze Bibliothek umordnen.
BTW: Ein guter Freund hat mir erzählt, dass seine neue Putzfrau das quälende Problem einer unsystematischen Bücherfront (große, kleine, dicke, dünne, gelbe, rote, grüne Buchrücken) einfach dadurch gelöst hat, dass sie alle Bücher mit dem Rücken zur Wand nach ihrer Höhe sortiert aufgestellt hat. Das hat zumindest zu einer adretten gleichförmigen weißen Erscheinung geführt... - Es gibt nur ein Layout, nur eine An"ordnung" physischer Objekte.
Wir müssen uns daher - wie die oben erwähnte Putzfrau – für einen
Ordnungsgesichtspunkt entscheiden, auch wenn unsere Bedürfnisse
unterschiedlich sind bzw. sich verändern. Dieser ordnende Gesichtspunkt
zwingt die Welt ins unsere Standardkategorien: Für Kinder und
Behinderte in einem Rollstuhl sind manche Waren in Supermärkte nicht
erreichbar.
- Ordnung ist ein monolithisches allumfassendes (totalitäres) System. Die einmal gewählte Perspektive muss als Ordnungssystem durchgängig und möglichst ohne Ausnahmen umgesetzt werden. Ein Buch, das in einer alphabetisch sortierten Bibliothek nicht an seinem Platz ist, kann nicht mehr aufgefunden werden. Es ist so, als ob es nicht mehr vorhanden, verschwunden ist.
Die Welt der Bits und Bytes
Aber alle diese Eigenschaften physischer Objekte gelten in der digitalen Welt nicht mehr. Die Welt der digitalen Informationen muss nicht mehr von ExpertInnen in sorgsam vordefinierten Schachteln vorsortiert werden. Projekte wie die von Menschen sortieren Informationslinks von Yahoo oder DMOZ haben sich überlebt. Mit modernen Suchmaschinen wie Google finde ich Informationen nach all jenen Kriterien auf, die mir relevant erscheinen. Es ist mir dabei vollkommen egal wo die Bits dabei physisch aktuell liegen (auf welchen Server, auf welcher Rille der Festplatte).
Obwohl diese neue Eigenschaft digitalisierter Information und allen intuitiv klar ist, sind wir trotzdem noch unserem alten Mindset verhaftet: Auch ich suche meine Dateien häufig immer noch indem ich mein selbst angelegtes hierarchisches Filesystem durchlaufe, statt auf meinem Rechner über Spotlight mit einem inhaltlichen Ausdruck die Datei direkt zu suchen. Als ich neulich davon las, dass die Washington Post schon vor Jahren darüber berichtete, dass die Telefongesellschaften als Internetprovider den Zugang zum Internet priorisieren wollen, habe ich zuerst (erfolglos) versucht den Artikel in den Archiven der Washington Post zu finden. Als ich dann einfach das ganze Zitat in Anführungszeichen in Google eingab, habe ich die Beitrag sofort gefunden.
Digitalisierte Information verhält sich eben ganz anders als wir es noch von physikalischen Objekten gewohnt sind:
- Alle Informationen sind gleich weit weg - Sie können mit einem einzigen Klick auf einem Hyperlink erreicht werden.
- Es ist egal wo die Information physisch liegt, es kann von überall zugegriffen werden.
- Die Zusammenstellung (Anordnung) der Information kann beliebig variiert werden und für jedem je nach seinem Geschmack und Gusto angeordnet werden.
- Statt vordefinierte Ordnungssysteme nach bestimmten
trennscharfen Gesichtspunkten zu entwickeln, werden Informationen
einfach in das weltweite Netz (WWW) geworfen und dann danach direkt gesucht.
As we invent new principles of organization that make sense in a world of knowledge freed from physical constraints, information doesn't just want to be free. It wants to be miscellaneous. (p.7)
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LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind
Von LateX, ConteXt, TeTeX und anderem Ungeziefer
Der nachfolgende Beitrag war ursprünglich als eine Zusammenfassung meiner ersten Erfahrungen mit LaTeX geplant. Beim Schreiben aber hat er sich nach allen Richtungen ausgedehnt: Ausgehend von einem speziellen Problem der Literaturverwaltung habe ich begonnen über allgemeine Problemen von Open Source Software und einer (angedeuteten) Kritik an der kapitalistischen Produktionsweise zu reflektieren und dabei auch Literatur verarbeitet, die ich in den letzten beiden Monaten gelesen habe. So ist der Beitrag zu einem Rundumschlag, zu einem sich nach allen Seiten ausdehnendes Ungeheuer geworden: Mir aber haben diese Reflexionen Spass gemacht und vielleicht gefallen sie Ihnen auch?
Die letzten Tage (und Nächte!) war ich damit beschäftigt mich in LaTeX einzuarbeiten. Deshalb der etwas zweideutige Titel dieses Beitrages. Nach einer anfänglichen Euphorie sind nun in den "Niederungen" des Arbeitsalltags die ersten praktischen Probleme aufgetaucht. Die Suche nach Abhilfen hat interessante Lösungsmuster ergeben, die weit über das direkte Problem mit LaTeX hinausgehen und wahrscheinlich für Open Source Software generell typisch sind.
Literaturverwaltung als Beispiel
Als Ausgangsbeispiel für meine Überlegungen dient das Generieren eines Literaturverzeichnisses. Das ist für mich ein essentielles Problem: Meine über 3.000 Einträge (!)) verwalte ich mit EndNote. Das komfortable Zusammenspiel meiner Bibliografie-Software mit einem neuen Texteditor ist für mich daher sehr wichtig.
Konkret geht es für mich vor allem darum, dass die Software zur Literaturverwaltung das Einfügen von Kurzbelegen in den Text so automatisieren soll, dass daraus die vollständige Biografie mit allen Schikanen erstellt werden kann. "Mit allen Schikanen" heißt:
- Das ständig neue händische Eintippen von Literaturquellen, die sich ja in verschiedenen Beiträgen häufig wiederholen, sollte vermieden werden. Einmal in der Datenbank eingetragen, sollen die erfassten Detailinformationen immer wieder verwendbar sein.
- Die Formatierung des Kurzbelegs sowie auch der automatisch generierten Bibliografie muss dabei leicht an die speziellen Erfordernisse des jeweiligen Verlegers angepasst werden können. Das geschieht dadurch, dass es entsprechende Dateien für Zitierstile gibt, die automatisch die gewünschte Formatierung erzeugen. Wenn eine solche Datei nicht vorhanden ist, sollte sie selbst leicht erstellt werden können.
- Jeder Kurzbeleg muss eindeutig einer Literaturquelle in der Literaturliste entsprechen. Das manuelle Kontrollieren am Ende des Schreibprozesses kann damit entfallen. Sowohl das Erscheinen einer überflüssigen (weil im Text dann der entsprechende Kurzbeleg entfernt wurde) aber vor allem das Fehlen einer Quellenangabe sollte der Vergangenheit angehören. Die eindeutige Referenzierung ist im speziellen Detail manchmal gar nicht trivial, so z.B. wenn im Text auf unterschiedliche Beiträge desselben Autors im selben Jahr referenziert wird. Dann sollte die Software ein "a" bzw. "b" die Jahreszahl im Kurzbeleg einfügen wie Z.B. (Baumgartner 2007a) und (Baumgartner 2007b).
Gerade weil Endnote – nach einigem Herumfummeln und Lesen im Handbuch – recht gut mit Word zusammenarbeitet, bin ich bisher nicht völlig auf NeoOffice (OpenOffice für den Mac) umgestiegen. Und das obwohl mir NeoOffice extrem gut gefällt, weil es extrem schnell und komfortabel ist und auch ein sehr gutes User Interface hat. (Siehe dazu auch meinem Beitrag in diesem Weblog.)
Daraus lässt sich gleich einmal eine erste - sehr allgemeine - Schlussfolgerung ziehen
Sytemperspektive einnehmen:
Ob das Umsteigen auf eine neue Software Vorteile hat, lässt sich nicht bloß durch ihre Funktionen in der Stand-alone Nutzung des Programms selbst ermessen. Beurteile die Vor- und Nachteile der Software in Deinem jeweiligen Arbeitskontext indem Du Deinen gesamten Arbeitsprozess (Workflow) untersuchst. Die Evaluierung erfolgt daher auf einer Metaebene bzw. aus einer Systemperspektive heraus.
Die Qual der Wahl
Der Prozess der Entwicklung von Open Source Software verläuft naturgemäß sehr dynamisch. Wenn wir es uns genau überlegen, dass ist es doch sehr erstaunlich, dass extrem komplexe Projekte in einer Produktionsweise, die auf freiwillige und häufig unentgeltliche Mitarbeit beruht, erfolgreich durchgeführt werden können. Es scheint sich hier eine Alternative zur monokratischen und zentralistischen kapitalistischen Produktionsweise herauszubilden. Yochai Benkler bezeichnet dies in seinem Buch The Wealth of Networks - How Social Production Transforms Markets and Freedom als Peer Production.
Steven Weber (der nichts mit dem österreichischen "Plagiatjäger" Stefan Weber zu tun hat) untersucht in The Success of Open Source diese Organisationsprinzipien aus politilkwissenschaftlicher Sicht. Unter dem Stichwort "Governance" (etwa mit Steuerung zu übersetzen vor allem in Hinblick auf Regierungs- bzw. Unternehmensführung) analysiert er die Koordinierungs- Macht- bzw. Führungsprozesse von Open Source Entwicklungsprozessen. Wie ist es möglich, so frägt er sich, dass auf freiwilliger annähernd demokratischer Basis effiziente Produktionsprozesse organisiert werden können?
Ich will hier aber nicht auf die gesellschaftspolitischen Konsequenzen abzielen, sondern auf eine ganz andere Eigenart von Open Source Software, nämlich der unheimlich - häufig beängstigenden Vielfalt der Möglichkeiten. Weil der Quellcode offen ist können EntwicklerInnen Anpassungen und Weiterentwicklungen vornehmen. Auf der Basis einer fruchtbringenden grundlegenden Idee werden nicht nur viele ergänzende Module und Werkzeuge entwickelt, sondern auch verschiedene Konzepte generiert, deren Umsetzung jeweils unterschiedliche Richtungen bzw. Spezialisierungen bedeuten. Für "normale" AnwenderInnen entsteht dadurch eine scheinbar unübersichtliche Vielfalt von Möglichkeiten und Optionen.
Neuere psychologische Studien zeigen interessanterweise, dass es ein Irrtum ist zu glauben, dass eine größere Auswahl zu einer größeren Zufriedenheit der Kunden führt. Barry Schwarz zeigt in "The Paradox of Choice - Why more is less. How the culture of abundance robs us satisfaction" das genaue Gegenteil auf (siehe auch seinen einstündigen Videovortrag in der Reihe Google TechTalsk vom 27. April 2006). Unübersehbare Auswahlmöglichkeiten sind häufig äußerst frustrierend aus mehreren Gründen:
- Die Vielfalt der Möglichkeiten stellt unsere Entscheidung bereits in Frage, bevor wir sie getroffen haben.
Viele Möglichkeiten bringen automatisch ein extrem hohes Maß an Erwartungen mit sich, die kaum zu erfüllen sind.
- Läuft etwas schief - was ja im normalen Leben immer in irgend einer Weise der Fall ist ;-) - dann scheint es, als ob wir die Schuld bei uns selbst wegen einer falschen Entscheidung zu suchen haben.
LaTeX, ConTeXt, XeTeX und andere Ungeziefer
Doch kehren wir psychologischen oder gar gesellschaftspolitischen Betrachtungen wieder zu unserem Open Source (LaTeX)-Auswahlproblem zurück:
Welche Version der Software auswählen?
Wenn Sie denken, dass es wohl am Besten ist, die letzte (stabile) Version zu nehmen, dann ist das zwar richtig aber bei Open Source für einen Laien nicht immer leicht zu überschauen:
- Da gibt es die aktuelle Entwicklerversion von denen AnwenderInnen auf alle Fälle die Hände lassen sollten.
- Dann gibt es die erste stabile freigegebene Version, der so genannte "Release Candidate" oder Pre-Release: Hier gilt jedoch ebenfalls "Hände weg davon!". Unabhängig von dem viel versprechenden Namen handelt es sich dabei um eine Version, die bloß ein möglicher "Kandidat" für eine stabile Version darstellt, dh. mehr oder minder bloß eine stabile Grundlage darstellt, auf der aber sicherlich noch von einer ganzen Reihe so genannter "Maintenance releases" (Versionen mit größeren Änderungen) folgen.
- Dann gibt es den Beta Version, bei der die Verwechslung für Laien weniger groß ist, weil alleine schon der Namen abschreckt. Es handelt sich dabei um eine Version bei der nicht mehr wenige neue und auch keine sehr bedeutenden Features zu erwarten sind.
- Auch die Alpha Version ist immer noch eine Version, die unter Entwicklung steht und bei der höchste Vorsicht geboten ist. Zwar sind kaum mehr Änderungen im Feature-Set zu erwarten aber diese Softwareversion ist noch nicht ausreichend getestet und es sind noch viele Bugs (Fehler) zu erwarten.
- Aus meiner Anwendersicht kann ich eigentlich nur die stabile Version empfehlen. Aber auch hier gilt, dass der Entwicklungsprozess nie abgeschlossen ist. Häufig werden Fehler erst später entdeckt und durch nachgelieferten Patches ("Flickwerk") korrigiert. Es war früher häufig ein Problem zu wissen, ob die am Rechner laufende Version, tatsächlich die aktuelle Version darstellt. Heute aber werden AnwenderInnen automatisch von einem Patch verständigt und gefragt ob er installiert werden soll. Nach der Bestätigung erfolgt die Installation ohne viel Aufwand ganz automatisch.
Welche Entwicklungsrichtung auswählen?
Diese Problematik trifft ganz besonders auf LaTeX (sprich Latech oder Laytech, auf jeden Fall das "X" wie das deutsche "CH" in Blech) zu: Nachdem einmal die erste Verwirrung überwunden wurde – ja richtig: LaTeX ist eine Software und hat nichts mit Kondomen oder anderen suspekten Kleidungsstücken zu tun! – stellt sich die Frage nach der der Entwicklungsrichtung bzw. den zu verwendenden Modulen.
TeX wurde von Donald Knuth bereits in den 60er-Jahren (!) entwickelt. Es ist eine spezielle Programmiersprache für typografische Befehle mit einer besonderen Spezialisierung auf die Darstellung mathematischer Texte. Sie kennt etwa 300 "primitive" Befehle, die aber vor uns BenutzerInnen versteckt sind und wir auch nicht zu kennen brauchen. Über diesen Steuersequenzen (TeX Primitives: blaue Ebene) liegen nämlich "Makroformate" (rote Ebene), die die Nutzung der Programmiersprache wesentlich vereinfachen.
Nun gibt es aber ganz unterschiedliche Makropakete, die zudem auch noch in verschiedenen Versionen vorliegen. PlainTeX wurde noch von Knuth selbst programmiert; am Bekanntestes aber - und wohl am Häufigsten verwendet wird LaTeX. Das heißt aber noch lange nicht, dass es für den eigenen (speziellen) Anwendungsfall am Besten geeignet ist. So soll z.B. das von Hans Hagen entwickelte ConTeXt über das Spezialgebiet Mathematik hinaus auch für andere strukturierte Publikationsgebiete wie z.B. Physik, Chemie (Darstellung chemischer Verbindungen!) sehr gut geeignet sein. Eine Neuentwicklung XeTeX benützt intern eine 16 Bit Darstellung, die für Sprachen die Unicode verlangen (z.B. CJK-Sprachen wie Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, aber auch Arabisch, Hebräisch usw. usf.) sehr gut geeignet ist.
TeX ist eine Auszeichnungssprache (Markup Language, ML), d.h. die Auszeichnungen im Text dienen als Anweisungen für Darstellung und Druck. Der Text in den Quelldateien wird dabei mit Tags an den entsprechenden Stellen markiert (ausgezeichnet) um schließlich von einem Programm interpretiert bzw. kompiliert zu werden. Die Grenzen zwischen Textverarbeitung und Programmiersprache verwischen sich damit. Das hat zweierlei Konsequenzen:
- Um produktiv entwickeln zu können, braucht es ein Entwicklungssystem mit einem komfortablen User Interface, das sogenannte "Front End". Auch hier gibt es wieder eine Wahl zu treffen, die nun auch die Implementierung unter einem Betriebssystem berücksichtigen muss. So sieht das Front End unter Windows und Mac nicht nur unterschiedlich aus, sondern es kann auch sein, dass eine Software (bisher?) nur auf ein bestimmtes Betriebssystem implementiert wurde, dh nur für dieses System erhältlich ist.
- Um produktiv arbeiten zu können, ist es hingegen wichtig, dass die interaktive Programmumgebung so gestaltet ist, dass die technischen Details möglichst unsichtbar sind. Das ist aber schwer möglich, weil die vielen unterschiedlichen Distributionen (= Zusammenstellung des Gesamtpaketes) bereits von unterschiedlichen Annahmen und Entscheidungen auf den unterschiedlichen Ebenen ausgehen: Was soll die Distribution alles beinhalten und was kann hingegen auf Anwenderseite vorausgesetzt werden? Welche Module sollen mit welchem Frontend geliefert werden?
Fazit: Keine Systemumgebung gleicht der anderen! Für normale AnwenderInnen sind die Folgen desaströs:
- Entscheidungsproblem: Habe ich die richtige Auswahl für mein Anwendungsproblem getroffen? Habe ich überhaupt alle relevanten Fakten um eine informierte Entscheidung treffen zu können?
- Bewertungsproblem: z.B. wenn etwas nicht funktioniert: Auf welcher Ebene liegt der Fehler? Habe ich etwas im Anwendungsprogramm falsch gemacht (schließlich ist die Software für mich neu)? Oder habe ich eine falsche (veraltete, nicht komplette) Software(version) auf meinem System installiert? Oder ist es wirklich ein Fehler der Software (Bug)? z.B: Liegt es an der Tex Engine, dem TeX Macro, dem Tex Front End, an allem zusammen (dh an meiner Systemkonfiguration) oder an mir selbst?
- Zeit- und Orientierungsproblem: Wo anfangen? Wo suchen? Wen was wie fragen? Wann aufhören?
Aus diesen Dilemma lässt sich schon weit schwieriger eine befriedigende Schlussfolgerung ziehen. Das Problem besteht darin, dass wir immer erst nach dem Versuch klüger sind, also Trial and Error nicht vermeidbar sind. Trotzdem möchte ich – zumindest für mich – meine Erfahrungen folgendermaßen zusammenfassen:
Leidensdruck abbauen, Risiko minimieren und Win-Win Situation schaffen
- Never change a running system! Wechsel zu einer neuen Software nur dann, wenn Leidensdruck inkl. absehbarer zusätzlicher (Ein-)Arbeitsaufwand zu den erwarteten Vorteilen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. In meinem Fall: ich habe nach dem Ausdienen von FrameMaker auf dem Mac derzeit kein Programm mit dem ich ansprechend und komplex formatierte Bücher druckfertig erstellen kann.
- Minimiere das Risiko eines Fehlschlags: Warte z.B. bis es in Deiner Community erste Erfahrungen gibt auf die Du zurück greifen kannst bzw. – falls die Software (bisher) kaum in Deiner eigenen Community verwendet wird – warte bis sich ein gewisser Trend abzeichnet, mit dem Du mit schwimmen kannst. In meinem Fall: Gehört habe ich von LaTeX bereits vor über 10 Jahren. Damals erschien mir diese Software aber (a) zu komplex und (b) bloß für Mathematiker geeignet zu sein. Inzwischen bin ich aber immer öfters in den unterschiedlichsten Zusammenhängen auf LaTeX gestoßen die (a) weder mit Mathematik zu tun hatten noch (b) von einer großen Komplexität geprägt waren.
- Schaffe eine Win-Win-Situation: Verknüpfe - wenn es irgend möglich ist – die notwendige Trial und Errorphase mit einer metakritischen Reflexion. Wenn sich letztlich vielleicht doch herausstellen soll, dass die ganze Mühe und der Aufwand umsonst war, weil die Software doch nicht passt, dann gibt zumindest es einen anderen Lerngewinn, der fruchtbringend verwertet werden kann. In meinem Fall: (Da gab und gibt es jetzt mehrere Möglichkeiten, wie z.B.) Wenn ich schon die Software nicht brauchen kann, dann zumindest über die damit verbundenen Probleme. Schließlich schreibe ich gerade an einem Buch über wissenschaftliches Arbeiten; da kann die Beschäftigung mit einer Software, die vor allem im Wissenschaftsbereich eingesetzt wird, nur nützlich sein. Wenn ich schon nicht die Software brauchen kann, habe ich zumindest etwas über Auszeichnungssprachen, über Typografie, die Innereien meines Mac etc. über Vorteile aber auch Nachteilen von Open Source Produkten, wie z.B. dieser Artikel) gelernt, usw. usf.
Odysee der Erstellung einer Literaturliste
Nun aber zurück zu dem anfangs erwähnten Bibliografie-Problem. Doch Schritt für Schritt – zuerst einmal gab es Erfolgserlebnisse
Bei der Installation gab es glücklicherweise keine großen Optionen: Zur MacTeX Distribution der TeX Users Group (TUG) gibt es seit kurzem eigentlich keine Alternative mehr. Es handelt sich um eine sehr umfangreiche Distribution, die alles notwendige Zubehör in einem einfachen Installationsvorgang mit liefert. Kein Herumfummeln mit (für mich) unbekannten Befehlen auf der Ebene der Kommandozeilen des Terminals. Kein Setzen von Schaltern in Präferenzdateien, kein Suchen, Herunterladen und Installieren von zusätzlichen (Patch)Dateien. Einfach Installer herunterladen und dem Installationsvorgang folgen. (siehe meine Beschreibung dazu.)
Es wird TeXShop als Frontend installiert und vor allem auf LaTeX 2€ abgezielt, obwohl es – versteckt im Auswahlmenü auch andere Optionen gibt (Plain TeX, ConTeXt, XeLaTeX, XeTeX).
Soweit, so gut. Nun beginnen aber die Schwierigkeiten: Nachdem ich noch recht rasch ein geeignetes Einsteigerhandbuch gefunden habe und auch die ersten Tests recht erfolgreich verliefen, tauchten im Zusammenhang mit der Erstellung der Literaturliste erste Schwierigkeiten auf:
- Es gibt ein eigenes Makropaket BibTeX für Bibliografien, das sich ebenfalls im oben erwähnten Auswahlmenü von TeXShop versteckt. Produktives Arbeiten ist aber nur mit dem dazugehorigen FrontEnd BibDesk möglich. Obwohl das alles glücklicherweise bei der Distribution dabei war und automatisch installiert wurde und noch jeder einzelne Vorgang für sich einfach ist, wächst zusammen genommen die Komplexität:
- BibDesk aufrufen und sich mit dem User Interface vertraut machen (einfach)
- Die Einträge von EndNote nach BibDesk überspielen (überraschend einfach, es gibt in EndNote dafür eine eigene Exportfunktion)
- Die gewünschten Einträge von BibDesk nach TexShop und damit LaTeX überspielen (nicht mehr ganz so einfach)
- Den Kurzbelegen und der Literaturliste die gewünschte Formatierung verpassen.
Und hier beginnen nun die eigentlichen Schwierigkeiten!
- (La)TeX verwendet standardmäßig als Kurzbelege Nummern in eckigen Klammern, was für mich nicht akzeptabel ist. Ich möchte einen Kurzbeleg mit Autor und Jahr in runder Klammer haben.
- LaTeX transferiert (mit Ausnahme von Buchstaben am Satzanfang) alle Einträge der Literaturliste in Kleinschreibung! Das mag ja für Englisch Sinn machen…
- Zudem tauchen auch erste Probleme mit den sogenannten German Umlaute auf.
Ich könnte sie würgen, unsere amerikanische Freunde! Eigentlich würde man glauben, dass die Zeiten der Vorherrschaft des ASCII-Codes - der nur 128 Zeichen kennt - vorbei sind. Offensichtlich ist dem aber nicht so, wie neuere Brandreden an die Adressen von Programmierer und Systementwickler zeigen (ein übrigens sehr gut geschriebener und äußerst informativer Artikel!)
Also rein in die Präferenzen und herumgefiddelt mit den Zeichensätzen: Umstellung auf Unicode, am besten utf8- da habe ich gehört, das soll wirken. Ich bilde mir ja nicht viel ein, aber ich glaube doch, dass dies nicht gerade ein Standardwissen für jeden ist. Aber gut, man/frau ist ja schließlich nicht auf der Nudelsuppe daher geschwommen und schließlich braucht es ja eine Herausforderung, damit Freude auftaucht und nachhaltig wirken kann. Dass die Umstellung auf den nicht konformen Zeichensatz wieder (später) andere (Konvertierungs-)Probleme mit sich gebracht hat, will ich nicht verschweigen. Es muss nämlich eine eigenes Paket mit dem bezeichnenden Namen Babel mit dem Befehl \usepackage{babel} installiert werden. Zwar ist babel bereits von der MacTeX Distribution installiert worden aber langsam wird die Sache unlustig: Schließlich will ich ja Texte schreiben und mein Bibliografie-Problem ist immer noch nicht gelöst.
Die Lösung scheint in der Erstellung eines eigenen Zitierstiles für BibTeX (Sie wissen noch? Das Makropaket für Bibliografien…) zu bestehen. Also jetzt BibTeX lernen? Woher eine aktuelle Dokumentation bekommen? Die Suche nach Lösungen im Internet eröffnet eine immer größere Komplexität: Da gibt es hunderte (wörtlich!) von BibTex geeigneten Zitierstilen (Dateien mit der Endung bst), da müsste doch ein geeigneter dabei sein? Die Suche nach Ressourcen führt mich letztlich auf die ultimative TeXWebseite der CTAN:
The Comprehensive TeX Archive Network (CTAN) is the primary repository for TeX-related software on the Internet. CTAN has many thousands of items: whole systems, LaTeX packages, and much more. The TeX Catalogue can help you find what you need.
Es stellt sich heraus, dass die meisten der Zitierstile sowieso davon bereits von den TUG-Leuten in der Distribution verpackt worden. (Ein Prosit nach Portland/USA!- ich habe natürlich die beiliegenden kleingedruckten Dateien, was wohin alles vom Installer kopiert wurde, nicht gelesen. Hätte ja auch zum damaligen Zeitpunkt keinen Sinn gemacht. Was hätten mir auch schon Dateien wie abbrv.bst oder natabib (das ist die mit den Klammernausdrücken!) schon gesagt. Auf meinem Boden häufen sich die Audrucke: BibTeX Tips and FaQs, A BibTeX Guide via Example, Customizing Bibiografic Style Files, BibTeXting, Tame the BeaST - The B to X of BibTeX, sowie Natural Science Citation and References (Auhor-Year and Numerical Schemes). Um nur eine bescheidene aber sehr bezeichnende Auswahl zu nennen und amit ihr da draußen wisst, wie ich so die Weihnachten verbracht habe…
Einige - und vor allem die für deutsche Zitierungen vorgesehenen - Literaturstile bringen in BibDesk (Sie erinnern sich noch? - das Frontend für die Benutzung der Zitierstile) in der Vorschau eine Fehlermeldung. Es funktioniert zwar mit LaTeX, dh. ich kann meinen Text in TeXShop (Sie erinnern sich noch? - Das Frontend für LaTeX) als PDF generieren, aber die Fehlermeldung von BibTeX verunsichert mich. Ich habe das BeaST verflucht und die (dürftige) Dokumentation von vorne bis hinten mehrfach gelesen. Soll ich in die Mailingliste - von was eigentlich: LaTeX, TeXShop oder BibTeX? - einsteigen?
Letztlich finde ich endlich ein Programm (von Patrick Daly, einem der LaTeX Gurus), das mit einer interaktiven Abfrage den gewünschten Zitierstil zumindest annähernd automatisch erstellt. Ich hole mir das Programm und erstelle meinen ganz persönlichen Literaturstil, den ich bezeichnenderweise peter.bst taufe. Es werden dazu alle möglichen Optionen (ich glaube es sind an die 50-60) abgefragt, aber glücklich bin ich immer noch nicht (ganz). Schließlich soll es bei mir "Hg." und nicht "Herausgeber" heißen. Ganz abgesehen von der damit aufgeblasenen Länge der Literaturliste gibt es ja schließlich auch noch die Genderfrage zu beachten :-)
Lyx gehabt: Ende gut – alles gut!
Ich brauche wohl nicht zu verhehlen, dass mich um die Weihnachtsfeiertage ein gewisses Tief erfasst hat. Sowohl mein Drucker als auch ich bin etwas heiß gelaufen nachdem ich drei 3 volle Tage auf der Suche der Suche nach einer geeigneten Lösung war. Eigentlich wollte ich an meinem neuen Buch schreiben - aber glücklicherweise ist da ja auch ein Kapitel "Zitieren" vorgesehen. Und ein eigenes Kapitel über LaTeX - wenn es dann dann doch funktioniert - ist ja vielleicht auch noch zu überlegen.
In solchen Situationen ist es oft sinnvoll "aus dem System aus zusteigen" und auf eine andere (höhere oder niedere) Ebene zu wechseln: Vielleicht soll ich statt BibDesk eine anderes Frontend für die Bibliografie-Datenbank nehmen (ich habe kurz mit Bookends experimentiert; oder vielleicht soll ich statt TeXShop die andere Mac Alternative iTeXMac verwenden? Soll ich auf ConTexT oder XeTeX umsteigen? Nachdem ich mit allem ein wenig herum probiert habe, habe ich es bald wieder aufgegeben. Es sind ja alles nur Alternativen auf der gleichen Ebene und stellen keine Metaebene dar. Statt LaTeX ConTeXt oder XeTeX; statt TeXShop iTeXMac; statt BibDesk Bookends oder vielleicht gar Endnote mit Zusatzkonvertern zu verwenden, bedeutet keinen Systemausstieg sondern nur eine alternative Wahl auf derselben Ebene (siehe obige Farbgrafik).
Entweder ich steige ganz aus und freunde mich zähneknirschend mit den Möglichkeiten von Word (oder NeoOffice) an, oder ich wechsle die Systemebene. Ich habe dazu wieder zwei Möglichkeiten:
Nach unten: Ich kremple mir die Ärmel auf und begebe mich in die Niederungen der detaillierten - und vielleicht monatelange dauernden – LaTeX-Auseinandersetzung. Ich muss zugeben, dass ich diese Lösung kurz ins Auge gefasst habe und mir als - sozusagen als Weihnachtsgeschenk – die 4-bändigen LaTeX-Schuber gekauft habe. [Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass ich für eine komplett neue und noch mit Plastik verschweißte Ausgabe nicht 174€ sondern über einen Fremdanbieter bloß 89€ (mit Porto 93€) gezahlt habe. - Wie ist solch ein eklatanter Preisunterschied möglich?]
- Nach oben: Ich suche nach einem Frontend, das noch eine Ebene höher ist. Ein Programm, das zwar auf LaTeX (ConTeXtm XeTeX, oder was auch immer) beruht, aber gleichzeitig mich von den Niederungen der Kommandosprache abschottet.
Und tatsächlich: Es gibt mit LyX (sprich Licks oder auch Lücks, ich ziehe letzteres vor) ein solches Programm. Auch wenn die Website nicht gerade einladend aussieht, LyX ist einfach super.
Es läuft unter der Mac Aqua-Umgebung und erscheint auf dem ersten Blick als ganz normales Textverarbeitungsprogramm. Es versteckt damit die darunter liegende LaTeX und TeX-Ebene fast vollständig. Trotzdem aber lassen sich bei Sonderwünschen LaTeX-Programmbefehle direkt eingeben. Über ein eigenes Fenster kann betrachtet werden, wie LyX die verschiedenen normalen Textverarbeitungsbefehle in LaTeX-Befehle umsetzt. Damit lässt sich LyX auch als ein angenehmes Lernwerkzeug für LaTeX verwenden. Letztlich habe ich mit meiner Odysee Glück gehabt ("Lyx gehabt"). Doch über die Vorzüge von LyX möchte ich detaillierter ein anderes Mal schreiben.
[PS.: Wenn Sie sich die Vergrößerungen der beiden Bilder LyX UI-Beispiel und TeXShop UI-Beispiel klicken, sehen Sie sofort mit einem Blick den riesigen Unterschied in der Bedienbarkeit. Beides sind Front Ends zu LaTeX. Während aber TeXShop die Programmierumgebung nicht leugnen kann, muss man schon bei LyX das Fenster (unten) aufmachen, um dem Programm unter die Haube schauen zu können.]
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wiss.Arb.
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Re:LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind
Hallo Herr Baumgartner!
Erstmal Prosit Neujahr!
Bzgl. BibTeX: es gibt ein Package, das Zitate ins APA Format bringt - genau wie Sie es brauchen, und zwar apacite.sty
\usepackage{apacite}
\bibliographystyle{apacite}
\bibliography{...}
Bzgl. Umlaute kenne ich
\usepackage[applemac]{inputenc}
Ich selbst (Windows) verwende immer
\usepackage{german}
\usepackage[ansinew]{inputenc}
Großschreibung hatte ich bisher immer die einfache Variante gewählt, die entsprechenden Buchstaben in geschwungene Klammern zu setzen. Beispiel:
@incollection{Wessner2003,
author = {Martin Wessner},
title = {E-learning -- quo vadis?},
booktitle = {Wirkungen und {W}irksamkeit {N}euer {M}edien in der {B}ildung},
publisher = {Münster u.a.:\,Waxmann},
pages = "209--217",
editor = {R Keil-Slawik and M Kerres},
year = 2003 }
Ich habe erst kürzlich die open source software zotero zur Literaturverwaltung entdeckt. Zotero kann auch BibTeX importieren und aus zotero in BibTeX exportieren. Es gibt auch eine Open Office Integration, die ähnlich wie EndNote oder BiBTex aus der Literaturdatenbank heraus Bibliographien und Zitate im Text erstellen kann.
Liebe Grüße
BZ
PS: ich verwende LaTeX seit 10 Jahren (mehr oder weniger häufig). Also wenn Sie mal konkrete Fragen haben... Sehr zu emfehlen ist außerdem die FAQs auf dante.de (http://www.dante.de/faq/de-tex-faq/html/de-tex-faq.html) und das LaTeX Forum auf mruni.de (http://www.mrunix.de/forums/forumdisplay.php?f=38). Außerdem hört man viel vom "LaTeX Companion". Ich selbst habe in Buchform nur ein kleines Einführungsbuch, das mir sehr gute Dienste geleistet hat: LaTeX Einführung von Helmut Kopka.
Re:LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind
Nachtrag: einschränkend muss ich sagen, dass ich ja Windows verwende und daher keine Ahnung habe, wie LaTeX unter Mac funktioniert...
Re:LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind
Hi,hi - da kommunizieren wir über das Weblog... Wenn ich das früher gewusst hätte, dass Sie eine LaTeX-Nutzerin sind! Ich komme auf das Angebot zum Fragen sicherlich noch zurück - LaTeX am Mac dürfte/sollte im Prinzip gleich funktionieren. --- Ach ja: Zotero habe ich auch gerade (über die Weihnachtsfeiertage) kennengelernt und installiert. Ist super!
Re:LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind
Re:LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind
Nochmals David Weinberger
mit Video
Ursprünglich wollte ich eigentlich Everything Is Miscellaneous mit eigenen Kommentaren versehen ordentlich exzerpieren . Dazu habe ich sogar schon einen eigenen Buchordner angelegt. Aber wie so oft haben mich die Ereignisse inzwischen überholt: Viele andere neue Bücher sind gelesen und harren inzwischen ebenso ihrer Verarbeitung. - Immerhin habe heute ein schon seit längerer Zeit fast fertig geschriebenes Exzerpt vom 1. Kapitel freigeschalten ;-)
Ich bin mir auch gar nicht mehr so sicher, ob das Durcharbeiten von Exzerpten - wie ich es früher immer gemacht habe, wenn ich mir eine Materie "rein ziehen" wollte, in der heutigen Zeit eine geeignete Arbeitsweise darstellt. Podcast oder Videos vom Autor selbst sind authentischer und sie anzuhören oder anzusehen macht auch mehr Spass. Deshalb als Entschädigung - weil ich wahrscheinlich meine damalige Steilvorlage nie einlösen werden – ein Videoreferat von Weinberger selbst über sein Buch.
Und noch ein Videoreferat von David Weinberger zu seinem Buch. Diesmal als Link.
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Zotero: Research, not re-search
Zotero - DER persönliche Forschungsassistent
In den letzten Tagen habe ich einige persönliche Erfahrungen mit Zotero gesammelt. Je mehr ich es benutze, desto mehr bin ich begeistert von diesem Werkzeug! Es ist nicht nur ein fantastisches Instrument zur Forschungsunterstützung, sondern das Management von (Web-)Quellen ist wohl erst der Anfang einer vielversprechenden Entwicklung – wie es in auch einem der sich wechselnden Sprüche auf der Titelseite nicht zu unrecht verheißungsvoll heißt.
Ursprünglich hatte ich Zotero zu Weihnachten im Zusammenhang meiner Recherchen zu wissenschaftlich.arbeiten.buch wahrgenommen. Dabei ist es mir vor allem im Kontext des Sammelns von webbasierten Literaturquellen untergekommen. Möglicherweise ist deshalb mein Wahrnehmung anders fokussiert – um nicht zu sagen: beschränkt – gewesen ;-). Zotero kann nämlich viel mehr. Es ist wirklich eines der Programme, wo sich die Empfehlung RTFM wirklich auszahlt – insbesondere auch deswegen weil es als wunderschöne screencasts als Tutorials dazu gibt.
See it. Save it. Sort it. Search it. Cite it.
Das war in etwa meine erste Wahrnehmung von Zotero: Ich kann Literaturquellen im Internet aufsuchen (angefangen von amazon.com, über Google Scholar und Google Books bis hin zu lokalen Universitätsbibliothekskatalogen wie z.B. der Uni Wien) und gleich Bibliografie- bzw. zitierfähig im Firefox Browser abspeichern. Es gibt eine sehr umfassende Liste von mit Zotero kompatiblen Websites, bei der allerdings die hiesigen Bibliothekskataloge leider noch kaum vertreten sind. Trotzdem aber lässt sich mit Zotero – gerade auch in Zusammenhang von einschlägigen Social Software Websites wie Bibsonomy, CiteULike oder LibraryThing – nicht nur so ziemlich alle Literaturquellen erfassen, sondern auch gleich serienweise übernehmen.
Diese Bibliografiedaten können nun mit den verschiedensten Methoden (darüber weiter unten noch genauer) strukturiert, annotiert und in Literaturdatenbanken exportiert werden. Nach der Installation spezieller Erweiterungen (PlugIns) für MS Word und OpenOffice (bzw. NeoOffice am Mac) verwaltet Zotero auch noch die Literaturstellen im (Offline) Text (Kurzbeleg und Literaturverzeichnis). PlugIns für weitere Textverarbeitunsprogramme sing geplant. Und das Ganze steht zur freien (kostenlosen) Verfügung und ist Open Source Software.
Forschungswerkzeug mit neuer Qualität
Soweit - so gut. Sind ja schon diese Features phänomenal. Aber der Gag liegt im Detail, nämlich wie strukturiert und annotiert wird. Es sagt sich so leicht "annotiert". Ich dachte zuerst, damit ist vor allem das hierarchische Gliedern in Ordner bzw. mit Schlüsselwörter sowie das Erstellen von (beliebig vielen) Notizen gemeint. So nach dem Motto: "Goodbye 3x5 cards, hello Zotero." - noch einer der Sprüche, die auf im Banner erscheinen. Der Vergleich mit den Karteikarten ist leider extrem irreführend, weil er gerade nicht zeigt, worin Die Macht der neuen digitalen Unordnung liegt.
Es ist meiner Ansicht nach vor allem die nahtlose Integration von Informationen, die Zotero als digitales Persönlicher InformationsManager (PIM) so vortrefflich löst - und die eben gerade nicht mit den guten alten Karteikarten funktioniert: Alle digitalisierte Informationen haben den gleichen (Bit-)Charakter. Egal von woher die Information ursprünglich stammt, auf welchen physikalischen Substanzen sie transportiert und damit auch welche physikalische Form sie daher annehmen muss - auf der Bitebene gibt es keine Unterschiede. Während das Buch und die dazugehörige Karteikarte des Bibliothekskatalog eine sauber getrennte (atomare) Identität in der physikalischen Welt führen, ist in der digitalen Welt das Buch und die dazugehörige Karteikarte prinzipiell austauschbar. Wer verweist auf wen, was ist der Kommentar und was der "eigentliche" Text - das alles ist nicht mehr unterscheidbar. Weil alle Informationen auf ihrer Bitebene gleichwertig sind können sie beliebig manipuliert und zu neuen Informationseinheiten integriert werden. Das ist nicht nur ein Add-On sondern damit entsteht eine völlig neue Qualität in der Informationsverarbeitung, die ich am Beispiel von Zotero aufzeigen möchte:
Alles ist immer und überall
- In Zotero können Sie Ihre Bibliografie-Einträge (Karteikarten) nicht nur annotieren (ein dazugehörige Notiz schreiben) sondern auch mit Dateien auf ihren PC verknüpfen. Und das schöne dran: Wenn Sie die Datei in einen anderen Ordner kopieren, findet sie Zotero weiterhin. Der physikalische Aufenthaltsort ist in der digitalisierten Welt nicht mehr relevant.
- In Zotero können Sie einen screenshot von einer Website erstellen und haben daher sowohl den Informationsstand (z.B. für spätere Referenzierbarkeit) "eingefroren" als auch alle Referenzen und Materialien (z.B. alle Grafiken) zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung. Sie können diese lokale Website wie mit einem traditionellen Markierstift gelb auszeichnen und Notizen im PostIt-Stil dazu schreiben und an den entsprechenden Stellen anhängen. Abgesehen, dass die lokale Website der originalen Website täuschend ähnelt und alle Funktionalität wie z.B. aktive Links beibehaltet, entsteht durch die Integration Ihrer Ergänzungen ein komplett neues Informationselement, das wiederum annotiert, mit Dateien verknüpft werden kann usw. usf.
- In Zotero können Sie Ihre Informationen in einer hierarchisch gegliederten Ordnerstruktur abspeichern. Zum Unterschied von einer normalen Bibliothek wo eine Kopie eines Buch nur auf einem Standort stehen kann oder aber mehrere Kopien dann auch entsprechend teurer und mehr Platz beanspruchen, können Sie die digitalisierte Information beliebig kopieren und in beliebig viele Ordner legen. Jede Änderung in einer dieser Kopien ist auch in allen anderen Kopien dieser Information sichtbar.
- In Zotero können die verschiedendsten und sehr umfangreichen Arten von biografischen Informationen (z.B. Buch, Artikel, Website etc.) selbst wieder als Sammlung zusammengehöriger Informationselemente organisiert werden (Links, Screenshots, Notizen, Dateien). Wiederum können Sie jedes dieser Elemente mit Tags versehen.
- In Zotero können Sie durch das Anhängen von Schlüsselwörtern (Tags) quer über Ihre hierarchische Informationsstruktur neue Kollektionen Ihrer Informationselemente zusammen stellen.
Ein interessantes (theoretisches wie praktisches) Problem sei hier am Rande erwähnt: Weil die Informationselemente in alle Ordner kopiert werden können und andererseits jedes Informationsitem mit beliebig vielen Tags versehen werden kann, sind die Tags in gewisser Weise mit den Ordnern austauschbar. Wann verwende ich am Besten was? Oder brauche ich überhaupt beide Gliederungssysteme? Könnte ich z.B. nach dem Motto von David Weinberger "Alles gehört in die Kategorie Verschiedenes" nicht bloß mit Tags das Auslangen finden?
Ich habe das probiert aber dann bald bemerkt, dass die Listen der Informationseinheiten zu lang und unhandlich werden. Ich bin jetzt dazu übergegangen Ordner für klar ersichtliche und gut abgrenzbare Sammlungen von Items anzulegen. Also z.B. einen Ordner "Tools" für Softwarewerkzeuge mit verschiedenen Unterordnern wie "Bibliografie", "Textverarbeitung" etc. "Tools" selbst wiederum ist selbst ein Unterordner von "wiss.Arb" und damit Teil meiner Sammlung zum derzeit aktuellen Buchprojekt. Es gibt natürlich auch Werkzeuge, die nichts mit wissenschaftlichen Arbeiten zu tun haben. Diese Items ordne ich in den entsprechenden Ordner z.B. "Mac" ein und hänge ihnen das Schlüsselwort "tool" an. Tags sind flexibler und lassen sich daher leichter – im Nachhinein ! – mit beliebig viele UND-Operator verknüpfen. Während ich für jede logische UND-Verknüpfung auf Ordnerebene einen entsprechende differenzierte Suche durchführen muss bzw. einen speziellen intelligenten Suchordner anlegen muss, brauche ich bei den Tags nur die betreffend Kombination der Tags anklicken.
- In Zotero können Sie außerdem auch noch jedes Informationselement mit einem anderen Item individuell in Beziehung setzen und damit eine Art Zusammengehörigkeit ausdrücken. Sie bekommen dann für jedes Item auch gleich die Hinweise zu anderen relevanten anderen Items und zwar unabhängig von der bestehenden Ordnerstruktur und den verwendeten Tags.
Und wie geht es mit Zotero weiter?
Zotero ist vom Center for History and New Media der George Mason University entwickelt worden. Das Projekt wurde durch das United States Institute of Museum and Library Services, der Andrew W. Mellon Foundation, und der Alfred P. Sloan Foundation finanziert.
Erst kürzlich (im Dezember 2007) wurde dass Projekt mit weiteren 1.2 Millionen Dollars von der Andrew W. Mellon Foundation gefördert und das Center for History and New Media soll gemeinsam mit dem Internet Archive neue Services entwickeln. Der wesentliche neue Entwicklungssprung von Zotero 2.0 werden Web 2.0 Server Features sein. Es soll damit ein gemeinschaftliches Managen von Forschungsresosurcen ermöglicht werden:
- Kooperatives Sammeln und Zusammenstellen von forschungsrelevanten Quellen und Public Domain Dokumenten
- Bilden von Forschergruppen in allen möglichen (und unmöglichen) Fachcommunites (Ich hoffe, dass man wie in CiteULike solche Gruppen selbst eröffnen wird können)
- Gemeinschaftliches Bewerten der Ressourcen durch einen Empfehlungsmechanismus
- Anbieten von bibliografischen Feed (Ich hoffe, dass solche Feeds nach allen möglichen Kriterien (Forschungsgruppen, Tags, Empfehlungen) und deren Kombinationen einrichten wird können.
- Einrichten und Bekanntgabe von Programmierschnittstellen (APIs) für die Integration anderer Services mit Zotero (sog. Mash-Ups)
All das klingt sehr vielversprechend und es ist daher keine Übertreibung, wenn es in einen der Bannerslogans heißt: "Citation management is only the beginning" und Zotero als "The next-generation research tool" bezeichnet wird.
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Hat es sich ausgeFURLt?
Mein persönliches Informationsmanagment (PIM): 19. oder 21. Jahrhundert?
Im Zusammenhang meiner Recherchen zum Buch wissenschaftlich.arbeiten.buch habe ich mich auch mit Fragen des persönlichen Informationsmanagement (PIM) beschäftigt. Das betrifft jetzt nicht nur die Techniken von Studierende beim wissenschaftlichen Arbeiten sondern ist auch ein Thema im Zusammenhang von Social Software bzw. Web 2.0. Fragen: Worin besteht der Unterschied zwischen der Ablage in eine hierarchischen Ordnerstruktur und dem Anhängen von sogenannten Tags an die betreffende Objekte?
In diesem Zusammenhang bin ich auf einige interessante Dinge gestoßen, die auch mein persönliches Informationsmanagement betreffen.
Sammler und Jäger
So habe ich beispielsweise erfahren, dass die meisten Menschen lieber eine bereits aufgefundene und abgespeicherte Website über Google neu aufrufen, statt sie in ihrem persönlichen Linkablagesystem zu suchen. Ich auch! Und zwar ist die neuerliche Suche über Google unabhängig davon ob sie mit dem hierarchischen Lesezeichen-Manager des eigenen Browser oder in einem Social Tagging-System abgespeichert wurde. So weit, so gut. Das Fatale daran aber ist es, dass die meisten Menschen brav Ihre Links weiterhin in ihrem System abspeichern. Ich auch! (Smith, Gene. Tagging: People-Powered Metadata for the Social Web. Addison-Wesley Longman, Amsterdam, 2008, p.25 - ohne jedoch die Quelle zu nehmen. Möglicherweise ist die Quelle jedoch irgendwo auf Keeping Found Things Found, einem Projektwebsite der University of Washington. Möglicherweise aber stammen die Daten auch aus einer der vielen Studien des Pew Internet & American Life Projects. )
Möglicherweise ist für dieses irrationale Verhalten eine Sammler und Jägermentalität ausschlaggebend. Etwa nach dem Motto: Was ich im unübersichtlichen und chaotischen Internet gefunden habe, dass muss ich mir gut aufbewahren, damit ich es wieder schnell finde. - Aber schon bei einer gar nicht allzu großen Anzahl von Objekten ist das Wiederauffinden gar nicht mehr so einfach. Vor allem, wenn man dann nicht so gut durchdachte Werkzeuge und Algorithmen wie Google zu Hand hat.
Im Zusammenhang mit Zotero (siehe auch meinem Artikel dazu) habe ich allerdings in letzter Zeit keine Bookmarks weder in Furl noch in meinem Browser gesammelt. Zotero hat hier meine Gewohnheiten grundlegend geändert: Nicht nur das Sammeln von (bibliografie-fähigen) Links sondern vor allem die Möglichkeit, dass dann auch noch Notizen, Dateien, Screenshot – die selbst wiederum annotiert werden können - angefügt werden können, haben hier für mich den Ausschlag gegeben. Außerdem ist das lokale Informationsmanagement (umordnen, taggen etc.) schneller und auch vom Handling leichter als in Furl.
Bei Stress: Rückfall ins 19 Jahrhundert
Einen anderen interessanten Hinweis lese ich ebenfalls im oben erwähnten Tagging-Buch: Im 19 Jahrhundert wurde Papier in Schubladen von Schränken gestapelt, also horizontal aufeinander gestappelt. In einem Haufen von Papier ist es natürlich recht schwierig etwas zu finden. Erst 1893 auf der Weltmesse in Chicago wurde die Innovation des vertikalen Ablagesystems in Ordner vorgestellt und gewann eine Goldmedaille. Die Desktop Metapher ist auch weiterhin beim Ablagesystem des Computers mit seinem hierarchisches Ordnersystem vorherrschend. Erst jetzt im 21. Jahrhundert beginnt sich diese Metapher mit dem Taggen aufzulösen.
Ich habe bei mir bemerkt, dass ich zu Stresszeiten - also wenn ich z.B. dabei bin, ein Buch fertig zu schreiben - mit meinem Informationsmanagement ins 19 Jahrhundert zurückfalle: Die Unterlagen werden aus dem vertikalen Ablagesystem (= Beneordner oder Leitzordner) herausgenommen und in ein horizontales Ablagesystem transferiert. Damit ich in diesen Stößen von Papier aber noch etwas finde, werden die Haufen horizontal verteilt. Dann muss ich das entsprechende Dokument nicht nur in dem einem hohen Haufen entsprechend einer Abschätzung in der Y-Koordinate herausfischen, sondern habe zur Orientierung auch eine Y- und sogar eine Z-Koordinate zur Verfügung. Diese Mischvariante mündet schließlich bei anhaltendem Stress in die sogenannten Schüttschlichtung. (siehe Bilder zu diesem Beitrag)
Ich habe mir heute (eigentlich gestern, denn es ist jetzt schon nach Mitternacht) einige Bücher zum PIM über Amazon bestellt. Der Grund ist nicht die Recherche für mein Buch… ;-)
- Allen, David. Getting Things Done. The Art of Stress-Free Productivity. Penguin, 2003.
- Jones, William. Keeping Found Things Found: The Study and Practice of Personal Information Management. Academic Press, 2007.
- Jones, William P., und Jaime Teevan. Personal Information Management. University of Washington Press, 2007.
- Wright, Alex. Glut: Mastering Information Through the Ages. National Academy Press, 2007.
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"Der Lerner" ist für mich ein ziemlich abstraktes Konstrukt, wenn ich mal so darüber nachdenke. Da kann man wenig allgemeines zu sagen, was dann in der konkreten Situation noch hilfreich ist. Von daher kann ich den Bezug auf die jeweilige Lernsituation schon nachvollziehen.