Zusammenfassung
E-Learning ist derzeit uneingeschränkt up to date. Der Frage, worin dessen Vorteile liegen, wird oftmals mit wissenschaftlichen Studien begegnet: Wird durch E-Learning tatsächlich ein höherer Lernerfolg erzielt als mit traditionellem Lernen? Wie ist dieser messbar? Um in der Praxis zu untersuchen, ob ein E-Learning-Setting oder eine Präsenzveranstaltung besser zum Lernen geeignet ist, werden in der Regel Vergleichsuntersuchungen durchgeführt. In der Dissertation wird also die Problematik der Vergleichbarkeit von Lernerfolg durch verschiedene Instruktionsmethoden betrachtet.
In der Dissertation geht es darum, die Schwierigkeiten dieser Art von
Bewertung aufzuzeigen. Diese äußern sich einerseits darin, dass der Lernerfolg
bei
der Messung der Qualität eines Lernsettings als ein Indikator dient,
jedoch selbst ebenfalls ein Konstrukt darstellt. Da auf diese Weise
zwei Konstrukte miteinander in Verbindung gebracht werden, die nicht
verallgemeinerbar sind, ist weder eine klare Definition von Lernerfolg
problemlos möglich, noch dessen empirische Erfassung. Um beispielhaft
einige dieser Konstruktdimensionen aufzuzeigen, wird das Modell der
lernrelevanten Kontexte und Komponenten nach Sigmar-Olaf Tergan (2004)
herangezogen, in welchem zwischen Lernenden und Lernszenarien
unterschieden wird. Darüber hinaus werden koginitive und prozedurale
Lernprozesse differenziert und es werden die Kontexte und Komponenten
der Lernszenarien herausgestellt. Dieses Modell zeigt vor allem, dass
eine vollständige Auflistung aller Faktoren erfolgreichen Lernens nicht
realisierbarist. Der Lernerfolg wird demnach also nicht durch einzelne
Komponenten ermöglicht, sondern nur durch das komplexe Gesamtgefüge der
Konstruktdimensionen. Es ist daher auch
kaum möglich, einzelne Teilbereiche isoliert zu betrachten.
In
der Praxis wird Lernerfolg fast durchgängig als Behaltensleistung
definiert. Andere Aspekte dieses Konstrukts – wie Lernprozess oder
Kompetenz – finden meist keine Beachtung. Daraus ergeben sich
indifferente Sichtweisen, was eine Vergleichbarkeit von
Forschungsergebnissen unmöglich macht. Festgehalten werden kann jedoch
der Anspruch, dass der Lernerfolg den Anforderungen des Lernangebotes
entsprechen muss. Dies impliziert, dass bei der Bewertung der
Lernleistung auch immer eine Vorstellung über die Lernziele
erforderlich ist.
Um zu prüfen, ob diese Überlegungen in der Forschung
berücksichtigt werden, wurde eine Meta-Evaluation durchgeführt. Ziel
war es, bestehende Vergleichsstudien in Form eines Reviews im Hinblick
auf diese Problematik zu
analysieren und zu bewerten. Das Forschungsinteresse ging der Vermutung
nach, dass Lernerfolg nicht eindeutig operationalisierbar ist und
unspezifische Vergleiche von Online- versus Präsenzlernen nicht
uneingeschränkt sinnvoll anwendbar sind. Darüber hinaus sollten die
Dimensionen des Konstrukts Lernerfolg identifiziert werden, bei denen
ein Vergleich möglich ist. Nach der Auswahl und Festlegung relevanter
Kriterien wurden 11 Primärstudien analysiert und bewertet.
Die
Ergebnisse zeigten, dass in keiner dieser Studien sichere Aussagen über
den Lernerfolg in dem einen oder anderen Lernsetting getroffen werden
konnten. Die meisten Online-Lernsettings waren vor allem an Zielen
der niedrigen Prozessdimensionen ausgerichtet, während
beispielsweise Gruppenaktivitäten im Klassenraum mit höheren Prozessen
erfasst wurden. Damit zeigt sich erneut die Schwierigkeit, die
einzelnen Evaluanden in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Zusammengefasst
kann angenommen werden, dass die Aufmerksamkeit der Evaluation in den
meisten Fällen eher auf die Methodik sowie auf formale Aspekte
gerichtet war, jedoch die Frage nach den Lernzielen und der
bestmöglichen Operationalisierung von Lernerfolg vernachlässigt wurde.
Ebenso sind methodische Schwierigkeiten offenkundig geworden: Da der
Lernerfolg in den meisten Fällen durch das Testverfahren definiert
wird, wird in Vergleichsstuden oftmal die gleiche Prüfung für alle
Testgruppen durchgeführt. Allerdings kann dies nicht nicht alle
Funktionen und Eigenschaften der einzelnen EvaluandInnen
berücksichtigen, da diese unterschiedliche Methodiken, Ziele und
Lernformen voraussetzen.
Ein
Lösungsversuch liegt in der Betrachtung der Lernziele. Betrachtet man
die kognitiven Prozessdimensionen innerhalb der Taxonomie nach Lorin W.
Anderson & David R. Krathwohl (2001), so scheint ein sinnvoller
Vergleich von Untersuchungs- und Kontrollgruppe dann möglich zu sein,
wenn sich deren Lernziele auf der gleichen Ebene befinden. In der
Praxis wird jedoch gerade die Entsprechung von intendierten Lernzielen
und Prüfungsform oftmals nicht erreicht. Auch bedürfen unterschiedliche
Lernziele unterschiedlicher Prüfungsformen, da nicht jeder Test für
jeden kognitiven Prozess geeignet ist. Um die EvaluandInnen also
miteinander vergleichen zu können, müssen in beiden
Untersuchungsgruppen die gleichen Lernziele formuliert werden. Dabei
muss das Prüfungsdesign den intendierten Lernzielen entsprechen.
Zusätzlich müssen auch die Lernsettings auf dieser Ebene vergleichbar
sein.

