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Förderung wissenschaftlicher Schreibkompetenz durch Writersʼ Workshops

Am Freitag, den 15. Oktober 2010, war ich an der Universität der Bundeswehr in München. Ich hatte die große Ehre, als Gast am ersten Writers' Workshop im Rahmen des Doktorand/inn/en-Kolloquiums von Gabi Reinmann teilzunehmen. Erste Einschätzungen zu diesem Experiment sind bereits online nachzulesen, weshalb auch ich hier meine persönlichen Eindrücke in Form eines kurzen Erfahrungsberichtes wiedergeben und darauf hinweisen möchte, dass Peter Baumgartner und ich das Konzept der Writers' Workshops zur Förderung wissenschaftlicher Schreibkompetenz im Januar 2011 im Rahmen des Doktorand/inn/en-Kollegs "Lifelong Learning" auch erproben werden.

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Writers' Workshops an der UniBW München - Pausengespräche, Fotos: R. Bauer

Vergangenen Freitag wurden drei Texte von Promoventinnen von Gabi Reinmann in Form von Writers' Workshops im Rahmen ihres Doktorand/inn/en-Kolloquiums an der Universität der Bundeswehr München diskutiert. Nach ersten theoretischen Überlegungen dazu, die Gabi Reinmann und ich bereits im Sommer anstellten, und intensiven Vorbereitungen (parallel zu den einzelnen Workshops läuft eine kleine, interne Evaluierung) war nun endlich der Moment der praktischen Umsetzung gekommen. Wie die ersten Einschätzungen einzelner Teilnehmer/innen - Gabi Reinmann: Mehr als therapeutischer Charakter und Erster Writers' Workshop durchgeführt, Tamara Bianco: Von Schafen und Schäfern, Frank Vohle: writers workshop: Wissenschaftliche Fairness! und die Notizen in meinem Forschungstagebuch zeigen, wurde das Experiment äußerst positiv aufgenommen.

Kurz zur Geschichte: Anfang Juli waren Peter Baumgartner und ich auf der EuroPLoP 2010 in Irsee; es war dies die 15. Ausgabe der European Conference on Pattern Languages of Programs. Da wir uns zuvor schon längere Zeit mit Christopher Alexander und seinem Pattern-Ansatz beschäftigt hatten, reichten wir das Paper The Potential of Christopher Alexander’s Theory and Practice of Wholeness: Clues for Developing an Educational Taxonomy ein, das schließlich akzeptiert wurde und zu dem wir im Rahmen der Konferenz in Form eines Writers' Workshops, wie sie bei PLoP-Konferenzen Usus sind, ausführlich Feedback bekamen. Peter Baumgartner und ich waren von dieser Form des Feedback-Gebens im wahrsten Sinne des Wortes überwältigt (vgl. Eintrag vom 21.07.2010). Die positive Konferenz-Erfahrung sollte nach der Rückkehr nicht einfach verpuffen. Ich wandte mich an Gabi Reinmann, von der ich wusste, dass neben Peter Baumgartner auch ihr die Förderung der wissenschaftlichen Schreibkompetenz ihrer Doktorand/inn/en und die Etablierung einer Feedback-Kultur im Sinne einer gift culture ein Anliegen ist. Wir beide entschlossen uns kurzerhand dazu, zunächst das Potential von Schreibwerkstätten (Writers' Workshops) für die Gestaltung von Doktorand/inn/en-Kolloquien und -Kollegs theoretisch auszuloten (vgl. unsere Forschungsnotiz dazu) und das von uns adaptierte Konzept schließlich im Oktober 2010 im Rahmen des Doktorand/inn/en-Kolloquiums an der UniBW München, respektive im Januar 2011 mit einigen Dissertant/inn/en von Peter Baumgartner in der Praxis zu erproben. Nun, in München ist der erste Schritt getan, die ersten drei Writers' Workshops wurden erfolgreich durchgeführt. In Österreich startet in ca. einem Monat die Vorbereitungsphase, der sogenannte shepherding process (vgl. Abb. 1) zur geplanten Schreibwerkstatt kommenden Jänner.

Shepherding Process

Abb. 1: Shepherding process (Lucrédio et al., 2004)

Ähnlich dem für PLoP-Konferenzen typischen Shepherding-Prozess werden auch die Teilnehmer/innen an der geplanten Schreibwerkstatt im Januar 2011 von Anfang an aktiv sein. Alle wählen nach einem fix vorgegebenen Zeitplan jeweils eine Person als shepherd zur Betreuung und Unterstützung in der Vorbereitungsphase aus. Dieser shepherd kann auch ein/e Externe/r sein, die/der dann im Workshop selbst nicht anwesend sein muss. Wichtig sind die Kriterien für die Auswahl. Der gewählte shepherd sollte eine Person sein,

  • zu der die/der Teilnehmer/in Vertrauen hat,
  • von der die/der Teilnehmer Kritik annehmen kann und
  • die im Vergleich zu der/dem Teilnehmer/in einen Wissensvorsprung hat.

Der shepherd sollte aber nicht die/der Betreuer/in der Arbeit sein. In unserem Fall geht das auch schwer, denn Peter Baumgartner kann nicht allen seinen Dissertant/inn/en gleichzeitig Feedback geben. Er wird allerdings alle Texte lesen und als Reviewer an den Workshops teilnehmen. Die Anzahl der Feedback-Runden kann prinzipiell individuell festgesetzt werden, empfohlen werden zwei, die per E-Mail, Skype-Chat oder face-to-face stattfinden können. Entsprechend des Zeitplans ist ein Beitrag (5 bis 10 Seiten; sinnvoll ist, wenn es sich um einen für die Teilnehmerin/den Teilnehmer wichtigen Abschnitt der Arbeit handelt, damit sie/er von dem doch eher aufwendigen Feedback-Prozess auch etwas hat!) zur gegebenen deadline allen Gruppenmitgliedern zuzusenden bzw. in einer Mahara-Gruppe (http://www.mahara.at/) zugänglich zu machen. In München hat sich gezeigt, dass es für die Arbeit der shepherds, aber auch für alle anderen Leser/innen und Feedback-Geber/innen wesentlich und v. a. sehr hilfreich ist, wenn die Autor/inn/en den ausgewählten Texten auf einer halben bis einen Seite kurz den Gesamtaufbau bzw. die Zielsetzung des eigenen Dissertationsprojektes voranstellen. Ähnliches gilt für Arbeitsdefinitionen sowie Referenzen, die den Peers zum besseren Verständnis der Textproben zur Verfügung gestellt werden sollten.

Unsere Schreibwerkstatt haben wir für Mittwochnachmittag, den 19.01.2011, und Donnerstagvormittag, den 20.01.2011, vorgesehen. Die beiden Tageshälften sind in vier, respektive drei Zeitblöcke unterteilt, in denen die gesamte Gruppe zusammenbleibt. Jeder Workshop zu einem entsprechenden Text wird von einer/einem Moderator/in geführt (in unserem Fall werden es insgesamt sieben Moderator/innen sein) und ist gleich lang (75 min). Der Ablauf erfolgt, wie in der Forschungsnotiz beschrieben. Stil, Argumentation und inhalt stehen im Zentrum des Interesses (vgl. Abb. 2). Der/Dem jeweiligen Autor/in wird empfohlen, die Feedback-Inhalte laufend zu notieren. Die Moderator/inn/en werden zu Beginn der einzelnen Workshops ausgewählt. Jede/r sollte daher immer in der Lage sein, die Moderation zu übernehmen.

Ablauf Writers' Workshop

Abb. 2: Ablauf eines Writers' Workshops

Nach dem Workshop haben die Autor/innen Gelegenheit, ihre Arbeiten gemäß dem Feedback aus dem Workshop zu überarbeiten.

Die positiven Erfahrungen mit dem ersten Writers' Workshop (weitere zwei sind für dieses Semester fix eingeplant!) in München lassen bereits jetzt erahnen, wie sehr die wissenschaftliche Schreibkompetenz durch dieses Format gefördert werden kann. Dies bestärkt Peter Baumgartner und mich natürlich in unserem Tun und wir sind gespannt darauf, ob es auch uns gelingen wird, die Teilnehmer/innen für diese Form von gift culture zu begeistern. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!

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